Geldanlagen

2012 wird trotz Krise ein gutes Börsenjahr

Weltweit stehen die Zeichen auf Ankurbelung der Konjunktur. Wer jetzt einen Anstieg der Inflation fürchtet, sollte auf Aktien setzen.

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Es brennt lichterloh im südlichen Euro-Land. Das Feuer ist schon von Griechenland auf Italien übergesprungen und droht zum Flächenbrand zu werden . Ein wichtiger Schritt ist der jetzt beschlossene Rücktritt von Premier Silvio Berlusconi, der in den 17 Jahren seiner Regierung das Land heruntergewirtschaftet und jegliches politische Kapital verspielt hat. Sein einstiger Weggefährte, der heutige Präsident des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, nannte ihn „den größten Kasper im italienischen Puppentheater“.

Weil Berlusconi Sparprogramme zwar angekündigt, aber nie konsequent in die Tat umgesetzt hat, steht Italien beim Internationalen Währungsfonds unter Aufsicht. Welch eine Demütigung! Doch wenn Italien jetzt mit Mario Monti einen renommierten Mann an die Staatsspitze bekommt, wird das Land wieder Vertrauen zurückgewinnen.

Zwar ist die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen zeitweise über sieben Prozent gestiegen, eine Marke, bei der andere Länder unter den Rettungsschirm geflüchtet sind. Und Italien mit einer Staatsschuld von 1,9 Billionen Euro könnte der Fonds nicht schützen.

Italien ist ein reiches Land

Doch Italien hat – im Gegensatz zu Griechenland – eine starke Industriebasis. Außerdem ist es ein reiches Land. Es verfügt über ein Nettovermögen von 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

In Kürze werden sowohl Griechenland als auch Italien neue, handlungsfähige Regierungen haben, angeführt von international angesehenen Wirtschafts- und Finanzfachleuten. Diese Regierungen werden mit mehr Glaubwürdigkeit und einer breiteren Basis eher in der Lage sein, die Spar- und Reformprogramme durchzusetzen. Wenn auch Spanien in einigen Wochen gewählt haben wird, werden alle fünf Schuldnerländer neue Regierungen haben.

Überall in Europa wird nun der Gürtel enger geschnallt. Deutschland hat mit der „Schuldenbremse“ den Vorreiter gespielt . Den Schuldnerländern im Süden wurden drakonische Spar- und Reformprogramme verordnet. Euro-Land ist eine große Reformbaustelle. Aber es ist auch fraglich, ob die Schuldnerländer die Rosskur lange durchhalten, und ob sie bereit sind, ihre Lebensart zu „germanisieren“.

Mein früherer Partner André Kostolany hat den Unterschied in der Mentalität und Lebensart der Europäer etwas überspitzt so beschrieben: „Die Deutschen leben, um zu arbeiten, die Franzosen und Südeuropäer arbeiten, um zu leben.“ In diesem Unterschied liegt das grundlegende Problem: Die Euro-Zone ist kein optimaler Währungsraum und wird langfristig wahrscheinlich auch nie einer sein.

Konjunkturprogramme sollen die Wirtschaft ankurbeln

Doch die Weltwirtschaft nimmt Anlauf: In den USA hat Präsident Obama dem Kongress ein Konjunkturprogramm im Umfang von fast 450 Mrd. Dollar vorgelegt. Die Geldpolitik in allen großen Wirtschaftsräumen ist auf Gasgeben eingestellt, auch in den Schwellenländern.

Brasilien hat schon zweimal die Leitzinsen gesenkt. China wird dank der rückläufigen Inflationsrate sicher in Kürze folgen. In Amerika denkt die Notenbank darüber nach, ob sie ein weiteres Lockerungsprogramm auflegen soll. Und solange der EFSF noch nicht einsatzfähig ist, muss die EZB weiter gegen die Regeln verstoßen und notleidende Anleihen der Schuldnerländer aufkaufen.

Die Zeichen stehen weltweit auf Ankurbelung der schwachen Konjunktur. Da den Staaten wegen ihrer Schuldenlast die Hände gebunden sind, müssen die Notenbanken in die Bresche springen. Sie werden die Liquiditätsschwemme noch vergrößern. Weil aber die lahmende Wirtschaft weniger Kapital braucht, wird das überschüssige Geld an die Finanzmärkte strömen.

Europäische Aktien sind noch billig

Und Aktien sind günstig: Die Bewertung des Dax gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt gerade mal 9,3. Der historische Durchschnittswert für das KGV liegt deutlich höher bei 16. Die Dividendenrendite beträgt beim Dax 4,3 Prozent. Sie ist damit doppelt so hoch wie die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen.

Im Dax befinden sich mehrere Aktien mit Dividendenrenditen über sechs Prozent. In der Gesamtbetrachtung sind die europäischen Börsen gemäß aller Messwerte deutlich billiger als die Börsen in den USA und Asien. Und auf dem alten Kontinent sind die Dividenden meist doppelt so hoch. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Neben der Angst vor einer Rezession, herrscht in Europa noch die Furcht vor einer nicht enden wollenden Euro-Krise.

Wer also billige Aktien kaufen will, kann sich auf die europäischen Titel konzentrieren. Er hat dabei gleich zwei Vorteile: Das Währungsrisiko entfällt und das Kursrisiko ist geringer. Ein weiterer Punkt, der für Aktien spricht, ist der akute Anlagenotstand und die wachsenden Inflationssorgen. Wer sich davor fürchtet, sollte in Sachwerten – also Aktien – investieren und nicht in Geldwerten (Anleihen, Festgeld).

Trotz aller Unwägbarkeiten könnte 2012 ein etwas besseres Börsenjahr werden, als es zumindest bisher das Jahr 2011 war. Schließlich sei noch ein Phänomen erwähnt: Ende nächsten Jahres steht die Wahl des US-Präsidenten an. Die letzten zwei Jahre vor der Präsidentenwahl waren seit 1960 – mit wenigen Ausnahmen – gute Börsenjahre und das Vierte war meist das Beste. Die US-Börse als Leithammel wird auch die anderen Märkte mitziehen. Es empfiehlt sich, ein gut diversifiziertes, dividendenstarkes Portfolio anzulegen, das defensiv aufgestellt und damit schwankungsärmer ist. Denn mit Kurskapriolen ist auch im Jahr 2012 zu rechnen.

Der Autor ist Senior Partner bei der Fiduka-Depotverwaltung.