Italien-Krise

Wo sind meine Ersparnisse noch sicher?

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Europas Märkte driften erheblich auseinander. Nun spitzt sich die Lage für Italien dramatisch zu. Damit ziehen für Anleger neue Gefahren auf.

Für Italien wird es immer teurer, sich Geld auf den internationalen Kapitalmärkten zu leihen. Die Rendite für zehn Jahre laufende Staatsanleihen aus Rom stieg erstmals seit der Euro-Einführung auf über sieben Prozent . Anleger sehen die Entwicklung mit wachsendem Unbehagen und fragen sich, ob ihr Erspartes überhaupt noch sicher ist.

Was genau spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Die Nachfrage bei italienischen Staatsanleihen sinkt dramatisch und das Angebot nimmt wegen der steigenden Schulden aber weiter zu. In der Konsequenz sinkt der Wert der Anleihen, die bereits im Umlauf sind. Die Papiere sind weniger beliebt, weil die Zweifel der Anleger wachsen, dass sie ihr an Italien verliehenes Geld wie vereinbart zurückbekommen. Im Gegenzug steigt die Rendite, die risikobereite Anleger beim Einstieg in die Staatsanleihe erhalten.

Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Italien muss immer höhere Zinsen auf neu ausgegebene Anleihen zahlen, um überhaupt noch Geld zu bekommen. Wegen der steigenden Zinslast schwindet aber das Vertrauen, dass Rom mit der Krise schließlich fertig wird.

Was bedeutet die Krise bei den italienischen Anleihen für das Vermögen der Anleger?

Die stärksten Auswirkungen sind außer auf Rentenfonds vor allem auf die Vermögensbestände von Versicherungen zu erwarten. Versicherungen legen Geld vor allem in Staatsanleihen an. Da italienische Papiere bis vor nicht allzu langer Zeit als sehr sicher galten, investierten viele Gesellschaften in sie. Die gegenwärtige Krise kann zur Folge haben, dass Versicherungen ihre Anlagen niedriger bewerten müssen, wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt. Da die Gesellschaften ihre Anlagen streuen, dürften sich die kurzfristigen Auswirkungen aber in Grenzen halten.

Wie schlimm ist die Schuldenkrise auf die lange Sicht?

„Die Situation ist extrem ernst“, sagt Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau (IVA). Die Politik habe noch nicht einmal ansatzweise auf das dahinter liegende Problem reagiert. Mit Spekulation hätten die Schwierigkeiten Italiens nichts zu tun, das Problem sei viel einfacher zu erklären: „Die Anleger kaufen halt keine Anleihen mehr.“

Beck spricht von einer Nachfragelücke, die mit der Überalterung Europas zu tun habe. Die Versicherungsgesellschaften müssten immer mehr von dem angelegten Geld auszahlen, weil die Anleger das Rentenalter erreicht hätten. Deshalb hätten die Versicherungen weniger Geld zur Verfügung, mit dem sie Anleihen kaufen könnten. Damit sinkt die Nachfrage bei Anleihen weiter, die Staaten bekämen immer größerer Probleme sich am Markt mit Geld zu versorgen.

Was können Anleger jetzt tun?

Sowohl Verbraucherschützer Nauhauser als auch Geldanlage-Experte Beck raten zu einer alten Strategie, nämlich das Vermögen auf verschiedene Länder und Anlageformen zu streuen. „Dann kann ein Anleger gelassen zuschauen, weil er noch viele andere Eier in vielen anderen Körben hat“, sagt Nauhauser. Wer seine Anlagen schon diversifiziert habe, sollte nun nicht in Hektik verfallen. Beck hat indes keine große Hoffnung, dass sich die Bürger der Schuldenkrise entziehen könnten: „Der Bürger bürgt“. Auch zum Beispiel eine Investition in Immobilien sei kein großer Schutz. In der Vergangenheit seien es oft gerade die Hausbesitzer gewesen, die zur Sanierung der Staatsfinanzen hätten herhalten müssen.