Vergütung

Wall-Street-Banker fürchten um ihre fetten Boni

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Viktoria Unterreiner

Eine Studie sagt einen Rückgang der Boni für Banker um bis zu 30 Prozent voraus. Darunter leidet ganz Manhattan.

Wie reich man sich fühlt, ist in aller Regel eine Frage des Standpunkts. Das gilt besonders in einer Stadt wie New York. Dort reicht es nicht aus, sich für ein paar Millionen Dollar ein Apartment an einer prestigeträchtigen Adresse in der Nähe des Central Parks leisten zu können.

Um mithalten zu könnenc, braucht man einen ständigen Geldzufluss. Schließlich will man den Sommer in den Hamptons am Meer verbringen, die Kinder auf die richtige Schule schicken und seinen Wein aus Europa herüber schiffen lassen. Nur wenn man das im Hinterkopf behält, kann man auch die jüngste Nachricht zu den Gehaltsaussichten an der Wall Street richtig einordnen.

Die Unternehmensberatung Johnson Associates geht davon aus, dass die Boni dort in diesem Jahr zwischen 20 und 30 Prozent niedriger ausfallen werden als im Vorjahr. Es könnte sogar das bislang schlechteste Jahr seit der Finanzkrise werden. Zwar mag für den einzelnen Banker immer noch ein Millionengehalt herausspringen. Ärgerlich ist es für ihn trotzdem.

Alle leiden unter der Wall Street

Und es ist nicht nur sein Problem. Wenn es der Wall Street schlecht geht, bekommen das mittelfristig auch Taxifahrer, Reinigungskräfte und Kellner zu spüren. Denn von jedem Finanzjob hängen bis zu drei Stellen im gesamten Bundesstaat New York ab. Hier sind die Aussichten graudüster. Bis Ende kommenden Jahres werden in New York voraussichtlich weitere 10.000 Stellen in Banken und anderen Finanzfirmen abgebaut.

Schuld sind verschlechterte Geschäftsaussichten in Folge der Schuldenkrise in Europa und der lahmen US-Konjunktur. Auch die Finanzmarktreform hat einige lukrative Einnahmequellen geschmälert, da die Banken manche Geschäfte besser absichern oder gleich ganz darauf verzichten müssen. So wurde unter anderem der sogenannte Eigenhandel, also der Kauf und Verkauf von Wertpapieren auf eigene Rechnung, eingeschränkt.

Die Einkommensstudie von Johnson Associates ist jedes Jahrs einer der wichtigsten Hinweise darauf, wie gut die Banker am Ende des Jahres finanziell abschneiden werden. Die Unternehmensberatung hat sich auf Gehaltsfragen spezialisiert und daher den direkten Zugang. Für die Studie machten 20 Firmen Angaben darüber, wie sie ihre Mitarbeiter voraussichtlich entlohnen werden.

Die Boni spielen dabei eine wichtige Rolle, denn sie machen in guten Zeiten zwei Drittel des gesamten Gehalts aus. Über ihre Höhe entscheiden die Banken am Anfang des Jahres. Dann steht fest, wie gut das vergangene Geschäftsjahr wirklich war. Um darauf vorbereitet zu sein, bilden sie laufend Rückstellungen in Milliardenhöhe.

Rohstoffhändler besonders betroffen

In diesem Jahr müssen sich laut der Studie vor allem Banker aus dem Bereich Fixed Income auf ein weniger gutes Ergebnis einstellen. Denn das Geschäft mit Rohstoffen, Währungen und Anleihen hat in Folge der Schuldenkrise zu beiden Seiten des Atlantiks gelitten. Besser lief es dagegen für die Finanzprofis, die Übernahmen und Fusionen betreut haben. Auch Börsengänge wie der des Online-Gutscheinhändlers Groupon haben für hohe Einnahmen bei den Banken gesorgt, die die Aktien am Markt platziert hatten. Die Verwalter von großen Privatvermögen können ebenfalls mit leichten Zuwächsen rechnen.

Juweliere, Autohändler und Inneneinrichter fiebern diesem Zahltag nicht minder entgegen. Zwar erhalten Banker bei weitem nicht den ganzen Bonus in bar. Ein Teil wird üblicherweise in Aktien vergütet, die zudem erst nach einer gewissen Frist veräußert werden können. Was übrig blieb, war aber zumindest in guten Zeiten immer noch genug, um ein paar Großeinkäufe tätigen zu können.