Börsen-Bericht

Anleger hoffen auf Rücktritt von Silvio Berlusconi

Vor der Haushaltsabstimmung in Italien ist der Dax ins Plus geklettert. Die Anleger rechnen mit einem Regierungswechsel.

Positiv aufgenommene Geschäftszahlen einiger europäischer Großkonzerne sowie die Hoffnung auf einen Regierungswechsel in Italien haben Anleger zur Rückkehr in europäische Aktien bewogen. Die Märkte gingen davon aus, dass Italien nach einem Abgang des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi besser regiert werde, sagte Aktienstratege Stan Shamu von IG Markets. „Investoren wollen eine Führungspersönlichkeit, die das geplante Reformprogramm umsetzt.“

Am Nachmittag war eine Haushaltsabstimmung geplant, die als entscheidend für das weitere politische Schicksal Berlusconis gilt. Der Dax legte am Vormittag 1,5 Prozent auf 6019 Punkte zu und der EuroStoxx50 gewann 1,6 Prozent auf 2312 Zähler. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx , die die Nervosität der Anleger messen, gingen zwar zurück, lagen mit jeweils etwa 40 Punkten aber noch auf relativ hohem Niveau. Vincent Guenzi, der die Investitionsentscheidungen des 2,6 Milliarden Euro schweren Vermögensverwalters Cholet Dupont verantwortet, warnte angesichts des schwierigen konjunkturellen und politischen Umfelds vor Euphorie.

Stattdessen sollten Investoren beginnen, ihre Portfolios zu bereinigen. „Wir raten dazu, die defensivsten Werte zu behalten sowie diejenigen mit der besten Sicht auf die Ergebnis-Entwicklung.“ Das wachsende Misstrauen in die Regierung Berlusconi ließ sich auch an den Anleihemärkten ablesen.

Die Renditen der zehnjährigen italienischen Titel stiegen zeitweise auf ein 14-Jahres-Hoch von 6,742 Prozent. „Italien ist zu groß, um zu scheitern, aber auch zu groß, um gerettet zu werden“, betonte Analyst Ong Yiling von Phillip Futures.

Im Mittelpunkt des Interesses standen die europäischen Banken, nachdem einige Großinstitute Zahlen vorgelegt hatten. Die französische Societe Generale verbuchte ein Kursplus von 7,5 Prozent auf 18,81 Euro, obwohl ihr die Schuldenkrise einen überraschend starken Quartalsverlust eingebrockt hatte. Das Finanzhaus strich zudem die Dividende, um die Kapitalbasis zu stärken. „Angesichts des Kursverlustes von rund zwei Dritteln seit Februar ist eine Dividendenstreichung besser als das Risiko einer Verwässerung durch eine Kapitalerhöhung“, betonte Reuters-Kommentatorin Margaret Doyle.

Bei der britischen Großbank Lloyds ließen sich Investoren von einem Quartalsverlust und der Streichung der mittelfristigen Ergebnisziele ebenfalls nicht von Käufen abhalten. Die Aktien stiegen um 8,4 Prozent auf 30,01 Pence. Die Experten von Christopher Street Capital werteten die Bekräftigung der Margenziele für 2011 positiv.

Analyst Bruce Packard vom Brokerhaus Seymour Pierce äußerte sich erleichtert, dass es bei den Ergebnissen keine bösen Überraschungen gegeben habe. Die Münchener Rück notierten trotz eines Quartalsergebnisses unter Markerwartungen ein Prozent höher bei 93,83 Euro. „Die Schaden/Kosten-Quote ist extrem niedrig“, betonte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. „Ohne das schlechte Abschneiden beim Anlage-Ergebnis hätte der Gewinn deutlich steigen müssen.“