Börsen-Bericht

Unsicherheit über Italien hält Anleger auf Trab

Gerüchte um die Zukunft von Italiens Regierungschef Berlusconi haben den Dax auf Berg- und Talfahrt geschickt. Am Ende schloss er im Minus.

Die Angst vor einem Übergreifen der Euro-Krise auf Italien hat an den internationalen Finanzmärkten für Nervosität gesorgt. „Kein Mensch kann beurteilen, wie es in Rom weitergehen wird“, fasste ein Händler zusammen. Der Dax fiel um 0,6 Prozent auf 5928 Punkte, der EuroStoxx verlor 0,7 Prozent.

Später dementierte Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hatten den Dax vorübergehend ins Plus gehievt. Einen noch nie dagewesenen Kurssturz erlebten die Aktien des Mobilfunk-Dienstleisters Drillisch, die zeitweise mehr als 60 Prozent an Wert einbüßten. Die Deutsche Telekom erhob schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Partner.

Am Gesamtmarkt blieb die Zukunft der Euro-Zone das alles beherrschende Thema. „Der Fokus liegt auf Italien“, sagte Christopher Potts, Stratege bei Cheuvreux. Die entscheidende Frage sei, wer nach Berlusconi übernehme. Am Dienstag steht in Rom eine Parlamentsabstimmung über die öffentlichen Finanzen an, über deren Ausgang die Regierung von Berlusconi stürzen könnte. Ein Ende der Ära Berlusconi würde von den Märkten als Signal für nachhaltige Reformen bewertet, sagte Birgit Figge, Analystin bei der DZ Bank.

„Die Hoffnung ist, dass mit dem Rücktritt Berlusconis eine breite reform- und sparwillige Mehrheitsregierung entsteht oder eine Regierung, an der auch der derzeitige Finanzminister Giulio Tremonti beteiligt ist, der als besonders stabilitätsorientiert gilt“, fügte Figge hinzu. In Mailand schloss der Leitindex 1,3 Prozent höher. Die Aktien der italienischen Banken – Unicredit und Intesa San Paolo – zogen um zwei bis drei Prozent an.

Daneben schwelte die Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands weiter: Ministerpräsident Giorgos Papandreou macht Platz für eine Übergangsregierung, die voraussichtlich vom früheren EZB-Vizepräsident Lucas Papademos geleitet wird. „Das ist ein angesehener Ökonom, das wäre eine gute Entwicklung“, sagte ein Händler.

Börse in Athen schließt im Plus

In Athen reagierte die Börse positiv: der lokale Bankenindex schloss 2,9 Prozent, der Athener Leitindex 1,4 Prozent höher. Doch während in Mailand und Athen die Anleger wieder Mut fassten, hielten sich in Frankfurt, London, Paris und Zürich die meisten bedeckt. Der europäische Bankenindex verlor ein Prozent, wobei die Finanzwerte mehrmals am Tag ihre Richtung änderten.

Insgesamt gab es nur wenige Titel, die den ganzen Tag über ihre Vorzeichen behielten: So schlossen im Dax Bayer 2,5 Prozent höher und reagierten damit auf den langersehnten Durchbruch des neuen Schlaganfall-Mittels Xarelto in den USA. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte der Bayer-Tablette am Freitag überraschend ohne nennenswerte Einschränkungen und Warnhinweise grünes Licht gegeben. Wenig en vogue waren nach kritischen Analystenkommentaren europaweit Einzelhandelswerte: Metro im Dax und Carrefour im französischen CAC40 verloren zwei beziehungsweise 2,6 Prozent.

Die Entscheidung der Telekom, die Zusammenarbeit mit dem Mobilfunk-Dienstleister Drillisch aufzukündigen und das Unternehmen wegen angeblichen Betrugs anzuzeigen, ließ die Anleger in großen Scharen aus den Drillisch-Papieren fliehen. Zeitweise verloren die im TecDax gelisteten Titel mehr als 61 Prozent. Zum Handelsschluss lagen Drillisch immer noch mit einem Schlusskurs von fünf Euro 40 Prozent im Minus.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe entschieden zurück und bestätigte seine Prognose. „Wenn ein Goliath wie die Telekom die Zusammenarbeit beendet und ein Unternehmen verklagt, dann weiß niemand, was das noch für Folgen haben kann“, fasste ein Händler zusammen.

Auch die ebenfalls im TecDax gelisteten Aktien von Freenet – Drillisch hält nach Reuters-Daten 22 Prozent an Freenet – brachen um neun Prozent ein. Der TecDax verlor 2,4 Prozent. Die im Dax geführten Telekom-Aktien fielen um knapp ein Prozent.