Online-Vergleich

Transparenzproblem mit Auto-Versicherungsportalen

Etliche Autofahrer werden 2012 mehr für ihre Kfz-Versicherung zahlen müssen. Im Internet suchen viele nach dem günstigsten Angebot.

Foto: picture alliance / dpa

Selten zuvor haben die Autoversicherer derart verbissen um wechselwillige Kunden gekämpft wie in diesen Wochen. Dabei sind die Vorzeichen ganz andere als in den vergangenen Jahren. Was die Allianz bereits angekündigt hat, dürfte nämlich auch für etliche ihrer Konkurrenten gelten. Autofahrer werden bei vielen Versicherern im nächsten Jahr mehr für ihre Haftpflicht- und Kaskopolicen zahlen müssen.

Bei der Allianz sollen die Erhöhungen nach Unternehmensangaben zwar im Schnitt nur im einstelligen Prozentbereich liegen. Wer jedoch mit seinem Vertrag schon länger Kunde ist, muss sich nicht nur beim Münchener Versicherer möglicherweise auf mehr gefasst machen. Wie stark es bei einzelnen Wettbewerbern nach oben geht, wird sich erst noch zeigen. In diesem Jahr geben viele Anbieter ungewöhnlich spät über ihre Tarife für 2012 Auskunft.

Mitunter könnte es darüber sogar Dezember werden. Dann ist zwar der 30. November, bis zu dem man seine Police fristgerecht zum Jahresende kündigen kann, vorbei. Doch im Falle von Beitragserhöhungen sieht das Gesetz eine außerordentliche und sofortige Kündigungsmöglichkeit vor. Versicherungsjuristen raten in diesem Fall jedoch immer mal wieder, dafür das höhere Porto für ein Einschreiben in Kauf zu nehmen.

Preise für Versicherungen steigen

Dass die goldenen Zeiten für Deutschlands Autofahrer mit von Jahr zu Jahr niedrigeren Prämien erst mal passé sind, war schon länger abzusehen. Seit 2005 hatte sich der Versicherungsschutz durch den Preiskampf der Branche im Marktschnitt um rund 14 Prozent verbilligt.

Doch Zugewinne bei Neuverträgen erkauften die Gesellschaften mit schlechter werdenden Geschäftsergebnissen. Gingen 2005 von einem Euro Beitrag etwa 91 Cent für Kosten und Schadenregulierung ab, zahlen die Versicherer mittlerweile drauf. Die Schaden-/Kostenquote lag zuletzt bei 107 Prozent. Diese versicherungstechnischen Verluste können sie kaum noch über Kapitalgewinne abfedern.

Die bloße Ankündigung von Beitragserhöhungen dürfte das Geschäft der Vergleichsportale im Internet zusätzlich befeuern. Schon im vergangenen Jahr konnten sie nach einer Studie des Instituts für Versicherungswissenschaften in Leipzig Policen für 640.000 Fahrzeuge und damit schätzungsweise etwa jeden zehnten Vertrag vermitteln. Marktführer Check24 dürfte daran mit etwa 50 Prozent beteiligt gewesen sein.

Und der Branchenprimus setzt ganz auf Zuwachs. Der aktuelle Marketingetat soll bei über zehn Millionen Euro liegen. Solche Zahlen erstaunen kaum. Denn nahezu alle Portale liefern nicht nur Auswertungen zu Versicherungstarifen. Sie treten auch als Vermittler auf.

Im Schnitt rund 80 Euro je Abschluss kassieren sie laut Marktkennern von den Versicherern. Gleichzeitig haben sie sich eine Marktmacht erobert. Mittlerweile werden über Vergleichsportale mehr Verträge abgeschlossen als über die Internetseiten der einzelnen Autoversicherer. Dennoch ist vielen Nutzern kaum bewusst, dass sie nach dem Ausfüllen von Fragebögen nicht unbedingt zum besten und preiswertesten Versicherer gelenkt werden.

Zahl der Anbieter nimmt zu

Denn wer sich mühselig durch Dutzende Fragen gearbeitet hat, bekommt im Ergebnis meist nur diejenigen Anbieter angezeigt, mit denen das jeweilige Portal über eine Provisionsvereinbarung verfügt. Und das sind weniger denn je stets alle Kfz-Versicherer.

Denn je nach Höhe der geforderten Provision lohnt sich eine solche Kooperation für manche Gesellschaften nicht. Zumal das hierüber zustande kommende Geschäft als wenig bestandsfest gilt und viele Versicherte im Jahr darauf schon wieder abspringen. Ohnehin sind die als Makler auftretenden Vergleichsportale gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden zu jedem jährlichen Wechseltermin auf mittlerweile vielleicht günstigere Alternativen hinzuweisen.

Dabei macht eine aktuelle Entwicklung bei den Vergleichsportalen wechselwilligen Kfz-Versicherten das Leben noch schwerer. HUK-Coburg, HDI Direkt und die WGV haben gemeinsam mit der Aspect Online AG unter transparo.de ein neues Vergleichsportal gegründet. Wer früher unter aspect-online.de nach der preiswertesten Police fahndete, landet jetzt automatisch bei Transparo.

Und wird dort – neben vielen weiteren Anbietern – natürlich auch mit den Tarifen der drei Unternehmensgründer bedient. Im Gegenzug stellen diese dem direkten Konkurrenten Check24 keine Preisangaben mehr zur Verfügung.

Dort, nicht aber mehr bei transparo.de , findet man nun etwa Allianz, AachenMünchener oder CosmosDirekt mit ihren Beiträgen. Es geht aber noch komplizierter. Denn zu allem Überfluss wird der zum Sparkassenlager gehörende Direktversicherer S-Direkt über eine Tochtergesellschaft mit seinem eigenen Vergleichsportal autoversicherung.de starten. Laut Vorstandschef Jürgen Cramer werden anfangs nur eine Handvoll Versicherer mit ihren Tarifen vertreten sein. Bei den diesjährigen Wechselwochen werde das Portal keine große Rolle spielen können. Man wolle vorrangig anderen Gesellschaften beweisen, dass die Technik funktioniere.

Nicht nur auf das Internet verlassen

Cramer erwartet dennoch schon mittelfristig Erfolg: „Umfragen zeigen, dass Portale immer häufiger auch unterjährig genutzt werden.“ Spätestens dann will er mit einem besonderen Ansatz punkten: „Wir werden die Billighuberei nicht mitmachen.“ Sein Vergleichsportal werde stärker als viele Wettbewerber das Preis-Leistungs-Verhältnis in den Vordergrund stellen. Und in der Tat wäre es unklug und kurzsichtig, einen Versicherer allein oder vorrangig wegen seiner scheinbar konkurrenzlos niedrigen Prämie auszuwählen.

Unter Umständen sogar gefährlich, erklärt Michael Schwarz, Produktmanager Sachversicherungen beim Finanz- und Vermögensberater MLP: „Kunden laufen Gefahr, auf einen Billigtarif hereinzufallen, der ihnen keinen ausreichenden Versicherungsschutz bietet.“ So sollte so lange wie möglich der Neuwert eines Autos ersetzt werden. Bei einigen Anbietern sei dies bis zu 24 Monate lang möglich.

Zudem gewährleiste eine qualitativ gute Police, dass auch der Zusammenstoß etwa mit Wildtieren versichert sei. Jährlich ereignen sich 200.000 solcher Unfälle. Laut Schwarz kann sich eine voreilige Entscheidung aber noch schlimmer rächen: „Wenn in der Kaskoversicherung grobe Fahrlässigkeit nicht abgesichert ist, erhält der Versicherte bei einem fahrlässig herbeigeführten Unfall weniger oder gar kein Geld.

Manche echte Innovation dürfte über Vergleichsportale ohnehin schlecht darstellbar sein. So bietet etwa Axa neuerdings mit „mobil comfort“ einen Tarif mit Leistungsversprechen, erklärt Thomas Jäckel, Kfz-Versicherungsexperte beim Unternehmen: „Verbessert Axa die Leistungen in neueren Tarifen, garantieren wir, dass diese Änderungen automatisch und kostenlos für alle bestehenden Verträge übernommen werden.“

Die Allianz hat ein neuartiges Baukastenprinzip eingeführt, mit dem Kunden ihren Versicherungsschutz flexibel selbst basteln können. Und der Versicherungsdienst von VW garantiert mit seinem „Kaufpreisschutz“ den Ersatz des ursprünglichen Kaufpreises, wenn ein Auto gestohlen wird oder einen Totalschaden hat. Vergleichsportale dürften mit der Darstellung solcher Spezialitäten Probleme haben.

Dass es ratsam sein kann, sich nicht allein aufs Internet zu verlassen, sondern einen Versicherungsexperten mit Marktüberblick zurate zu ziehen, stützt aber auch die Untersuchung des Leipziger Instituts vom Sommer dieses Jahres. Deren Fazit zu sieben Vergleichsportalen fällt eher erschreckend aus. Die preiswertesten Versicherungsvorschläge kamen dort zustande, wo am häufigsten Kundenwünsche nicht berücksichtigt wurden. Wurde aber individueller auf die Präferenzen der Kunden eingegangen, führten die Vergleiche eher zu den teuren Anbietern.