Finanzplätze

An der Börse führt Indonesien die G 20 an

Ein Vergleich der Börsenentwicklung in den führenden Wirtschaftsländern ergibt eine überraschende Rangliste. Europas Märkte sind die großen Verlierer.

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Die Schlagzeilen bei den G-20-Treffen beherrschen stets die gleichen Länder: die USA, Deutschland und Frankreich, mitunter noch China oder Russland. Die anderen Staaten, die ebenfalls an den Zusammenkünften der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen teilnehmen, werden meist nur am Rande wahrgenommen. Ganz anders dagegen an den Finanzmärkten: Dort spielen gerade die kleineren unter den Großen inzwischen eine immer wichtigere Rolle. Mit dem Ergebnis, dass sie den altbekannten Adressen in Puncto Rendite oft weit voraus sind.

So schafft es die Börse von Jakarta im laufenden Jahr auf Platz 1 bei einem Renditevergleich unter den 20 Finanzplätzen. Der Jakarta Composite Index ist sogar der einzige, der seit Jahresbeginn überhaupt noch eine positive Entwicklung aufweist. Dicht dahinter folgt der Aktienmarkt Südafrikas, der zwar ebenfalls Verluste vermeiden konnte, mit einer Entwicklung von 0 Prozent, aber auch keine Gewinne mehr einfuhr. Alle anderen 18 Märkte dagegen stehen im laufenden Jahr tief im Minus, ganz besonders gilt dies für die Börsen in Italien, Russland, Frankreich sowie für den europäischen Index Euro-Stoxx-50.

Noch eindeutiger ist das Bild auf Sicht von drei Jahren. Auch hier liegt Indonesien mit einem Plus von über 170 Prozent an der Spitze gefolgt von Argentinien und der Türkei. In der unteren Hälfte einer so sortierten Tabelle sind dann die westlichen Industrienationen versammelt, ganz am Ende wieder Italien, Frankreich und der Euro-Stoxx-50. Der deutsche Aktienindex (Dax) hält sich – sowohl seit Jahresbeginn als auch auf Sicht von drei Jahren – immerhin noch im Mittelfeld.

Wirklich überraschend ist dabei jedoch weniger, dass Schwellenländer die Liste anführen – das wirtschaftliche Wachstum ist dort schließlich seit Jahren deutlich höher als in den Industriestaaten. Interessanter ist, dass es unter den Schwellenländern nicht die üblichen Verdächtigen sind, die an der Spitze stehen. So findet sich China nur im Mittelfeld, Russland liegt in diesem Jahr sogar ganz am Ende der Liste. Am besten unter den sogenannten BRIC-Ländern, zu denen Brasilien, Russland, Indien und China gehören, schneidet noch Indien ab – ebenfalls ein Land, das auf den G-20-Gipfeln kaum in Erscheinung tritt.

Indien wird schneller wachsen als China

Doch gerade Indien gilt bei vielen Investoren derzeit als ein Markt mit großer Zukunft. So rechnen viele Analysten damit, dass Indiens Wirtschaft in den kommenden Jahren schneller wachsen wird als jene Chinas. Ein großer Vorteil des Landes ist, dass es weit weniger von Exporten abhängig ist als China, Russland oder auch Brasilien.

Die Wirtschaft wächst vor allem aufgrund der steigenden Inlandsnachfrage. Ähnliches gilt auch für Indonesien, den Renditesieger unter den G-20-Nationen. Beide Länder erscheinen daher relativ immun gegen die Krise in Europa und dürften bei einem Anhalten der Turbulenzen weiter zu den Favoriten der Anleger gehören. Ganz anders sieht dies dagegen in China und Russland aus. China hängt nicht nur stark von den Exporten in die westlichen Industrieländer ab. Gleichzeitig droht dort eine riesige Kreditblase zu platzen.

Immobilienpreise in China sinken weiträumig

Im Oktober sind die Immobilienpreise in 58 von 100 Städten gesunken, was dazu führt, dass viele Chinesen, die zuletzt Wohnungen als Spekulationsobjekt gekauft haben, nun viel Geld verlieren. Gleichzeitig brach in den vergangenen Wochen in der Industriemetropole Wenzhou ein riesiges System von Untergrundbanken zusammen, was eine Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen mit in den Abgrund riss. Und die Zentralregierung muss neuerdings sogar die großen Geschäftsbanken stützen, indem sie deren Aktien am Markt aufkauft.

Russland andererseits hat es bis heute nicht geschafft, jenseits des Rohstoffsektors eine nennenswerte Industrie aufzubauen. Das führt dazu, dass der Aktienmarkt des Landes weiterhin mit den Rohstoffpreisen steigt und fällt und infolgedessen auch eine extrem hohe Schwankungsanfälligkeit (Volatilität) aufweist. Zudem kämpft das Land mit einer überbordenden Korruption und einer schrumpfenden Bevölkerung.

Brasilien koppelt sich zusehends vom Rohstoffsektor ab

Auch Brasilien ist zwar immer noch zu einem guten Teil von den Rohstoffexporten abhängig. Dort scheint es jedoch gelungen zu sein, einen eigenen, nachhaltig wachsenden Binnenmarkt zu schaffen. „Es scheint eine Verschiebung in der Wahrnehmung Brasiliens von einem Schwellenland hin zu einem entwickelten Markt begonnen zu haben“, stellen die Analysten der Citibank daher inzwischen sogar fest.

Generell dürfte aber auch in den kommenden Jahren die Verteilung auf der Liste so bleiben, wie sie derzeit ist: Schwellenländer an der Spitze, Industriestaaten am Ende, und dabei vor allem die europäischen Börsen als große Verlierer. Das sollten Anleger bei ihren Investments berücksichtigen.

Verbinden Sie sich mit unserem Morgenpost Online-Autor auf Twitter. Frank Stocker schreibt schwerpunktmäßig zu den Themen: Geldanlage, China und Schwellenländer.