Finanzmärkte

Zwei Südeuropäer treiben die Kurse in die Höhe

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Frank Stocker

Griechen-Premier Papandreou und der italienische EZB-Chef Draghi sorgen für eine Wende an den Börsen. Der Dax legt ordentlich zu – auch der Euro erholt sich.

Der Tag schien schon wieder gelaufen, bevor er angefangen hatte. Im vorbörslichen Handel lagen die Kurse am Donnerstagmorgen wieder tief im Minus, der deutsche Aktienindex (Dax) wurde bei 5800 Punkten gesehen, rund 150 Zähler niedriger als am Tag zuvor. Doch am Ende des Tages sah dann alles ganz anders aus. Der Dax war über 6100 Punkte geklettert und unter den Anlegern hat sich erneut Hoffnung breit gemacht.

Den ersten Grund lieferte mal wieder Griechenland. Schon während des ganzen Tages verdichteten sich die Hinweise, dass Premierminister Giorgos Papandreou den Rückhalt im Parlament verlieren würde . Parallel zur wachsenden Wahrscheinlichkeit seines Rücktritts stiegen die Kurse. Als am Nachmittag klar war, dass es eine neue Regierung geben wird und diese auf das Referendum verzichtet, atmeten die Investoren auf.

„Es ist schon schwer genug für die Märkte einzuschätzen, was die Politiker machen“, sagt Andreas Utermann, Chef-Anlagestratege bei Allianz Global Investors: „Wenn die Politik aber auch noch die Handlungshoheit aus der Hand gibt und an die Bevölkerung überträgt, dann lässt sich von den Investoren überhaupt nicht mehr einschätzen, wohin das führt.“ Die Aussicht auf ein Referendum mit völlig offenem Ausgang hätte die Finanzmärkte auf Wochen gelähmt.

EZB-Chef Draghi überrascht die Märkte

Gegen Mittag wartete dann jedoch noch ein weiterer Südeuropäer mit einem Paukenschlag auf. Die Europäische Zentralbank, an deren Spitze seit 1. November der Italiener Mario Draghi steht, senkte überraschend den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent . Innerhalb von Minuten schoss der Dax daraufhin 100 weitere Punkte in die Höhe, kletterte zeitweise bis auf 6182 Zähler.

Der Eurokurs dagegen hatte am Morgen ebenso wie die Aktienkurse zugelegt, getrieben von der Hoffung auf einen guten Ausgang der Euro-Krise. Nach der Zinssenkung stürzte der Kurs der Gemeinschaftswährung jedoch zunächst wieder ab – was nur logisch ist, da damit die Differenz im Zinsniveau zwischen Euro-Zone und Dollarraum geschrumpft ist.

Damit sind Zinsanlagen hier weniger attraktiv. Allerdings wurden aber auch schnell Stimmen laut, die den Zinsschritt negativ interpretierten. „Die EZB wurde offenbar vom Krisenvirus angesteckt und versucht alles zu tun, um eine ausgewachsene Rezession zu vermeiden“, sagt Carsten Brzeski von der ING. Es muss also wohl sehr schlecht um die Wirtschaft stehen, wenn die Notenbank so überraschend auf die Zinsbremse tritt, so die Interpretation.

Starke Quartalszahlen von BMW und Adidas

Letztlich überwogen aber die hoffungsvollen Kommentare, so dass sich der Euro dann doch wieder etwas erholte konnte und auch die Börsenkurse sich auf dem höheren Niveau stabilisierten. Unterstützt wurde die positive Stimmung auch von den Berichten der Unternehmen, die am Donnerstag reihenweise Quartalszahlen präsentiert hatten.

So stellte beispielsweise der Autobauer BMW die besten Zahlen seiner Unternehmensgeschichte vor, Sportartikelproduzent Adidas konnte verkünden, in den ersten neun Monaten schon mehr verdient zu haben als im gesamten Vorjahr und der Medienkonzern ProSieben erwartet ebenfalls ein Rekordjahr .

Die große Frage ist jedoch, wie sich die Geschäfte im kommenden Quartal entwickeln werden. Inzwischen gibt es aber zumindest wieder etwas Hoffnung, dass eine Rezession doch noch vermieden werden kann. Und wesentliche Hilfe haben dabei die Entscheidungen der beiden Südeuropäer geleistet.

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