Griechenland-Krise

Gerüchte um Papandreou-Rücktritt beflügeln den Dax

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Die Dax-Anleger hoffen auf einen Rücktritt des griechischen Premiers Papandreou. Denn damit wäre das gefürchtete Referendum geplatzt.

Die Spekulationen über die Zukunft Griechenlands in der EU haben den Dax auf eine Berg- und Talfahrt geschickt. Laut Händlern profitierte der Aktienmarkt von Spekulationen über einen Rücktritt des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, nachdem die Ankündigung eingefrorener EU-Hilfen zum Auftakt noch sehr deutlich die Kurse belastet hatte.

Der Leitindex stieg zur Mittagszeit um 1,55 Prozent auf 6058 Punkte und kehrte so wieder über die psychologische wichtige Marke von 6000 Punkten zurück. Zum Auftakt war er noch bis auf 5832 Punkte abgerutscht. Der MDax legte 1,70 Prozent auf 9006 Punkte zu und der TecDax gewann 1,55 Prozent auf 694 Punkte.

In der griechischen Regierung mehrten sich im Verlauf des Tages die Stimmen, die das von Papandreou angestrebte Referendum über das Sparpaket ablehnen. Auch in seiner sozialistischen Fraktion regt sich immer mehr Widerstand, weshalb es fraglich ist, ob der Premier die für Freitag angesetzte Vertrauensabstimmung im Parlament übersteht. „Das Referendum ist gestorben“, sagte zum Beispiel der Abgeordnete Nikos Salayannis von der Regierungsfraktion. Auch Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos sprach sich überraschend gegen das Referendum aus.

Die Zugehörigkeit zur Euro-Zone sei eine „historische Errungenschaft des griechischen Volks“, die nicht durch ein Referendum in Frage gestellt werden könne, sagte er. Auch der Entwicklungsminister Michalis Chryssohoidis äußerte sich ähnlich. Der Rettungsplan der EU müsse vom Parlament ratifiziert werden, so wie es in der Euro-Zone vorgesehen sei, erklärte Chryssohoidis laut griechischen Medien.

Ein möglicher Rücktritt Papandreous schürt bei den Anleger die Hoffnung, dass damit das gefürchtete Referendum zu den Reformplänen Geschichte sein könnte. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank sah einen kurzfristigen Entspannungseffekt: „Damit wäre die Gefahr einer schnellen Pleite womöglich erst einmal vom Tisch.“

Allerdings habe dies längerfristig zur Folge, dass es weiter keine konkrete Lösung für die Probleme gebe. Halver: „Das Referendum wäre eine klare Aussage für oder gegen den EU-Verbleib gewesen.“ Die zunächst sehr schwachen Bankenwerte drehten mit dem Markt ins Plus.

Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank lagen zuletzt mit 1,80 und 2,65 Prozent im Plus. Mit Spannung warteten die Anleger auch auf die Zinsentscheidung der EZB unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi und die anschließende erste Pressekonferenz des neuen Notenbankchefs. Überwiegend erwarten Analysten keine Zinssenkung, angesichts der Unsicherheit über Griechenland schließen Experten dies aber auch nicht mehr ganz aus. Viele Börsianer setzten zudem nach eigenen Worten auch darauf, dass Draghi sich zu den Staatsanleihenkäufen der Zentralbank äußert.