Börsen-Bericht

Anlegern vergeht die Freude über Euro-Beschlüsse

Nach dem Euro-Gipfel fehlen den Anlegern wichtige Details zu den Rettungsplänen. Der deutsche Leitindex wird nach dem Höhenflug ausgebremst.

Die Freude an den Aktienbörsen über die Beschlüsse des Euro-Gipfels zur Bekämpfung der Schuldenkrise hat am Freitag nachgelassen. Angesichts zahlreicher noch offener Fragen gingen einige Investoren auf Nummer sicher und machten Kasse. Darüber hinaus trübte eine als enttäuschend gewertete Emission italienischer Staatsanleihen die Stimmung.

„Das Fehlen von Details gibt Anlegern nicht gerade ein Gefühl von Sicherheit“, sagte Fredrik Nerbrand, der bei HSBC das Portfolio-Management verantwortet. Auch die Analysten der Landesbank Berlin äußerten sich zurückhaltend. Im Prinzip würden mit den verkündeten Maßnahmen weiterhin nur die Symptome bekämpft, betonten sie.

Der Dax verabschiedete sich nach anfänglichen Kursgewinnen fast unverändert bei 6346,19 Punkten ins Wochenende und gewann damit auf Wochensicht 6,3 Prozent. Der EuroStoxx50 schloss 0,6 Prozent niedriger bei 2461,88 Zählern. An der Wall Street stagnierte der US-Standardwerteindex Dow Jones .

Italien muss Investoren höhere Zinsen bieten

Bei der knapp acht Milliarden Euro schweren Emission italienischer Anleihen stiegen die Renditen teilweise auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Gleichzeitig ging die Nachfrage zurück.

Als Reaktion darauf kletterten die Renditen der bereits gehandelten zehnjährigen Bonds auf knapp sechs Prozent. „Ich finde es bemerkenswert, wenn nicht sogar besorgniserregend, dass die italienischen Anleihe-Renditen auf dem Niveau von vor dem Gipfel liegen, während sich die Aktienmärkte davon komplett abgekoppelt haben“, betonte HSBC-Experte Nerbrand.

Die nachlassende Kauflaune der Investoren machte vor allem den Finanzwerten zu schaffen, die am Vortag teilweise zweistellige prozentuale Kursgewinne verbucht hatten. Der europäische Branchenindex rutschte knapp ins Minus. Die besonders stark in Griechenland engagierten französischen Großinstitute Societe Generale , Credit Agricole und BNP Paribas konnten ihre Vortagesgewinne dagegen ausbauen. Deutsche Bank notierten 1,2 Prozent höher, Commerzbank-Titel gaben 4,3 Prozent nach.

Finanzwerte stehen unter Beobachtung

Im Rampenlicht stand außerdem die Deutsche Börse. Am Vortag hatten der Börsenbetreiber und sein Fusionspartner Nyse Euronext ein Aktienrückkaufprogramm sowie eine Verschärfung des Sparkurses angekündigt.

„Der Aktienrückkauf sendet ein Signal der Stärke und zeigt, dass Nyse und Deutsche Börse bereits effizient Hand in Hand arbeiten“, schrieben die Analysten von Silvia Quandt Research in einem Kommentar. Zunächst legten die Papiere der beiden Börsenbetreiber überdurchschnittlich zu, gerieten dann aber in den Sog des nachgebenden Gesamtmarktes. Deutsche Börse verloren 0,3 Prozent, Nyse 2,1 Prozent.

Gefragt waren die Aktien von Linde mit einem Plus von einem Prozent auf 117,10 Euro. Der Industriegase-Hersteller hatte mit seinem operativen Gewinn im dritten Quartal etwas über den Erwartungen der Analysten gelegen. Außerdem bestätigte der Konzern seine Gesamtjahresziele.

Im Nebenwerte-Index MDax brachen die Titel von Wacker Chemie dagegen um 9,8 Prozent auf 76 Euro ein. Der Spezialchemiekonzern hatte seine Jahresprognose wegen hoher Rohstoffkosten und einer Nachfrageflaute der Solar- und Halbleiterindustrie gesenkt.