Teure Eigenheime

Euro-Rettung treibt die Zinsen für Baugeld hoch

Durch den Schuldenschnitt für Griechenland steigen die Zinsen für Hypothekendarlehen. Eigenheimbesitzer, deren Kredite jetzt auslaufen, sollten die Anschlussfinanzierung klären.

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Mit der Einigung der EU-Regierungen auf einen Schuldenschnitt für Griechenland zur Lösung der Euro-Krise ist die Zeit der niedrigen Baugeldzinsen zu Ende . Bereits seit Anfang Oktober sind die Zinssätze für Hypothekendarlehen leicht gestiegen. Experten erwarten, dass sich Darlehen in den kommenden Monaten weiter verteuern werden, weil Investoren nun aus Bundesanleihen und deutschen Pfandbriefen in Aktien umschichten werden. Damit wird es für Banken teurer, Immobilienkredite über Pfandbriefe zu refinanzieren.

Besitzer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen, deren Kredite Ende des Jahres auslaufen, sollten deshalb schnell die Anschlussfinanzierung klären, rät Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. „Die noch immer extrem niedrigen Baugeldzinsen stellen eine historische Anomalie dar, die nicht von Dauer sein kann.“

Wegen der Euro-Krise waren Investoren seit Jahresbeginn massiv aus Aktien geflüchtet und hatten ihr Geld stattdessen in die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen und in deutsche Pfandbriefe angelegt. Das trieb deren Kurse in die Höhe und spiegelbildlich die Zinsen in den Keller.

Experten rechnen auch künftig mit hohen Zinsen

Banken konnten dadurch die von ihnen ausgereichten Immobilienkredite günstiger refinanzieren und senkten im Wettbewerb um die Kunden die Baugeldzinsen. „Wenn Investoren überzeugt sind, dass eine nachhaltige Lösung für die Euro-Krise gefunden ist, werden sie massiv aus Bundesanleihen in Aktien umschichten“, prognostiziert Hellmeyer. Dadurch würden die Kurse der Staatspapiere und Pfandbriefe unter Druck geraten und im Gegenzug deren Zinssätze steigen – und damit auch das Baugeld verteuern.

Diesen Mechanismus der Kapitalmärkte spiegelt die Entwicklung des Dax und der Zinsen für Hypothekendarlehen wider. Im Vertrauen auf eine Lösung der Euro-Krise hatten Investoren im September begonnen, aus sicheren Bundesanleihen und Pfandbriefen in Aktien umzuschichten.

Der Dax stieg deshalb seit Mitte September von 5072 auf über 6300 Zähler. Zugleich zogen die Zinssätze für zehnjährige Hypothekendarlehen über bis zu 60 Prozent des Immobilienwerts von 3,18 auf 3,33 Prozent an. Sofort am Tag nach der Entscheidung von Brüssel schoss der Dax in die Höhe, während die Kurse von Bundesanleihen leicht fielen.

„Die Tendenz bei Baugeldzinsen zeigt derzeit leicht nach oben“, bestätigt Marcus Preu, Geschäftsführer des Verbraucherfinanzportals Biallo.de. Die gute Nachricht: „Immobilieneigentümer, die mit Beginn des neuen Jahres eine Anschlussfinanzierung benötigen, können sich bis dahin problemlos die im historisch Vergleich immer noch extrem niedrigen Zinsen ohne Aufschlag sichern“, sagt Preu.

Denn für Anschlussdarlehen, die innerhalb von drei Monaten abgerufen werden, erheben viele Banken und Versicherungen keine Bereitstellungszinsen. „Drei Monate bereitstellungsfreie Zeit sind marktüblich“, sagt Preu. „Es gibt sogar Anbieter, die erst ab dem siebten Monat oder noch später Bereitstellungszinsen fordern.“

Viele Käufer brauchen eine Anschlussfinanzierung

Die meisten Immobilienkäufer schließen Darlehen mit einer Laufzeit von zehn oder 15 Jahren ab. Da es je nach Höhe der Tilgungsrate aber meist 20 bis 35 Jahre dauert, bis die eigenen vier Wände komplett abgezahlt sind, benötigen sie nach Auslauf des ersten Kredits eine Anschlussfinanzierung. Dabei laufen die Baugelddarlehen in der Regel am 31. Dezember des letzten Jahres ihrer jeweiligen Laufzeit aus.

Nicht nur wegen der momentan noch sehr niedrigen Zinsen sollten Grundeigentümer nicht bis zur letzten Minute mit dem Abschluss einer Anschlussfinanzierung warten. „Jetzt bleibt noch genügend Zeit, um individuell eingepasste Angebote einzuholen und dabei kräftig zu sparen“, sagt Michiel Goris, Vorstandschef des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp.

Hausbanken bieten ihren Bestandskunden häufig Anschlussfinanzierungen zu hohen Zinssätzen an. Hingegen offerieren Fremdinstitute oft deutlich attraktivere Angebote, um Neugeschäft zu gewinnen. „Immobilienbesitzer, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, sollten unbedingt Vergleichsangebote einholen“, rät Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Der Wechsel zu einer anderen Bank sei immer problemlos möglich, wenn das gesamte Kreditvolumen refinanziert werden müsse. „In diesem Fall wird der alte Darlehensgeber aus dem ersten Rang im Grundbuch gestrichen und der neue Kreditsteller an seiner Statt eingetragen“, erläutert Nauhauser. Für die Umschreibungskosten würde nur eine Gebühr über 200 Euro anfallen.

„Diese Kosten sind durch die Zinsersparnis, die ein günstigerer Anbieter offeriert, schnell wettgemacht.“ Schwieriger sei es, wenn Grundeigentümer ihren Kreditbetrag in Darlehen mit unterschiedlicher Laufzeit aufgesplittet haben. Läuft nur der zehnjährige Kredit aus, während ein Darlehen von 15 Jahren weiterbesteht, blockiert die bisherige Bank den ersten Schuldnerrang im Grundbuch.