Börsen-Bericht

Dax-Anleger sind vor dem Schuldengipfel auf der Hut

Vor den abschließenden Beratungen in Brüssel halten sich die Investoren zurück. Auch Quartalsergebnisse von Firmen wirken sich kaum aus.

Das große Warten auf eine Lösung der Euro-Krise geht weiter. Vor der zweiten Auflage des EU-Schuldengipfels traute sich kaum ein Anleger an die europäischen Aktienmärkte, so dass die Umsätze extrem gering blieben. „Es herrschte eine schon fast unheimliche Stille an den Märkten“, brachte Analyst Bill Blain vom Brokerhaus Newedge die Stimmung auf den Punkt.

Die großen Indizes pendelten meist um ihre Vortagesschlusskurse. Auch der Dax tanzte – anders als am Vortag – zumindest bis zum Nachmittag nicht aus der Reihe und bewegte sich in einer 80-Punkte-Range um den Dienstagsschluss von 6046 Punkten. Am frühen Nachmittag lag er mit 6064 Punkten 0,3 Prozent höher.

Auch der EuroStoxx bewegte sich kaum – gleiches galt für die Indizes in London, Paris, Zürich, Mailand und Madrid. Selbst in Athen gab es kaum Kursveränderungen. Auch der Euro verharrte auf seinem Vortagesniveau von über 1,39 Dollar.

Während in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Bundestag schnelle Änderungen an den europäischen Verträgen zur Stabilisierung der Euro-Zone anmahnte, kursierte in Brüssel der Entwurf der Schlusserklärung des am Abend anstehenden EU-Gipfels. Danach soll es eine breite Übereinstimmung über die Kapitalquote von neun Prozent für die Banken bis zum 30. Juni nächsten Jahres geben. Eine Gesamtsumme für den Rekapitalisierungsbedarf blieb die Erklärung, die Reuters vorlag, aber schuldig. Brüsseler Insider rechnen inzwischen auch auf anderen Themengebieten nicht mehr mit konkreten Zahlen.

Viele Börsianer bezweifeln daher, dass die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem zweiten Schuldengipfel binnen vier Tagen die Krise im Detail lösen können. „Was Europa braucht, ist eine klare, schnell umzusetzende und leicht zu finanzierende Lösung mit einem genauen Zeitplan“, schrieben die Analysten von Lloyds in einem Kommentar. Es bestehe aber das Risiko, dass nur vages ohne Zeitplan und konkrete Zahlen gebe. „Die können noch kein Kaninchen aus dem Hut zaubern“, fasste Lothar Mentel, Chef des Portfolio-Managements bei Octopus Investments, der ein Vermögen von vier Milliarden Dollar verwaltet, zusammen.

Merck überzeugt mit gutem Ergebnis

Die laufende Bilanzsaison blieb im Schatten der Euro-Krise. Nur wenige Unternehmen ragten – mit unterschiedlichen Vorzeichen – heraus. In Deutschland konnte der Pharma- und Chemiekonzern Merck , dessen Pharmasparte zuletzt einige Rückschläge hatte hinnehmen müssen, die Anleger begeistern: Fast neun Prozent auf 65,29 Euro sprang der Kurs in die Höhe. Das Wachstum des Gesamtkonzerns sollte einige der zuletzt aufgekommenen Sorgen zerstreuen, schrieb DZ-Bank-Analyst Elmar Kraus.

Der Quartalsbericht von Peugeot bewegte dagegen die Anleger nur zu Beginn: nach einem 5,6-prozentigen Einbruch notierten die Aktien am Mittag mit 17,30 Euro 1,4 Prozent höher und lagen damit etwa im Trend der Branche. Der Autobauer muss massiv auf die Kostenbremse treten und Stellen streichen.

Mit einem dicken Minus standen dagegen die Aktien von Amazon an den Tafeln. Auf Xetra brachen sie um 14,7 Prozent ein, nachdem der Internethändler die Anleger mit einem 73-prozentigen Gewinn im Berichtsquartal schockiert hatte. In den USA legten zudem vorbörslich Boeing und Ford noch vor Eröffnung des Handels an der Wall Street ihre Zwischenergebnisse vor.

Kaum eine Reaktion gab es in London auf die Zahlen von GlaxoSmithKline , die in etwa im Rahmen der Erwartungen lagen. Die Titel des Pharmakonzerns verharrten leicht im Plus.

Enttäuschungen gab es bei den deutschen Nebenwerten. Im MDax brachen Krones trotz eines Gewinnanstiegs und der Aussicht auf ein Rekord-Gesamtjahresergebnis um 5,6 Prozent ein. Der Tenor der Unternehmensaussagen zum Ausblick sei zurückhaltender geworden, erklärte DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald.