Geldanlage

Anleger flüchten in Anleihen solider Firmen

Vor allem Firmen in der Energie- oder Autobranche konkurrieren mit dem Staat um das Geld der Sparer. Die Unternehmen bieten deutlich höhere Zinsen.

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Rund 2000 Gebäude umfasst das imposante Werksgelände des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen, gleich einer ganzen Stadt mit Straßenzügen und eigenem Nahverkehr. Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen verkauft seine Fahrzeuge praktisch weltumspannend in über 100 Ländern der Erde, und nicht weniger als 2,1 Millionen Menschen arbeiten für den US-Einzelhändler Wal-Mart, mehr als Hamburg Einwohner zählt.

Weltkonzerne wie diese haben grandiose Leistungen erbracht. Auch als Emittenten von Anleihen ziehen Großunternehmen mit ihren Zig-Milliarden Umsätzen immer mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit auf sich. Denn Staatsanleihen, die klassische Zuflucht sicherheitsorientierter Sparer, haben längst ihren Nimbus verloren. Neue Sicherheitsanker sind gefragt. Noch vor wenigen Jahren waren die Staatsanleihen der Industrieländer das Nonplusultra für jedes Depot.

Doch jetzt stecken konservative Anleger bei den Regierungstiteln in einem furchtbaren Dilemma: Entweder sie bestehen auf größtmöglicher Sicherheit – dann müssen sie fast gänzlich auf Wertzuwachs verzichten, vor allem wenn die Inflationsrate gegengerechnet wird. Oder aber sie wollen mit Staatspapieren Zinsen einsacken, dann aber sieht es mit der Solidität ihrer Investments mau aus.

Bundesanleihen sind vielen Anlegern nicht lukrativ genug

Der heilige Gral der Sicherheit sind Bundesanleihen. Doch zehnjährige Zinstitel der Bundesrepublik Deutschland geben aktuell gerade mal zwei Prozent Rendite her. Mehr Zins muss die nach Einschätzung der Märkte und Bonitätsprüfer solideste Volkswirtschaft der Euro-Zone nicht mehr bieten, um Investoren anzulocken.

Unternehmensanleihen von global agierenden Industriekonzernen bieten hingegen je nach Laufzeit drei, vier oder fünf Prozent Rendite. In einem Konjunkturumfeld, das für dauerhafte Niedrigzinsen spricht, ist das eine stattliche Ausbeute. Bei alledem bleibt das Risiko überschaubar, was sich bei den Anleihen der Euro-Peripherieländer zum Beispiel nicht sagen lässt.

Im Vergleich zu Aktien haben die Zinspapiere (gelegentlich auch mit dem englischen Wort „Bonds“ bezeichnet) ebenfalls einen großen Vorzug: Solange das Unternehmen nicht in eine schwere Schieflage gerät, wird es immer pünktlich den Zins zahlen und die Anleihe zum vereinbarten Termin, also der Fälligkeit, tilgen. Die Dividende auf Aktien wird hingegen jedes Jahr neu beschlossen und kann nach schlechten Geschäftsjahren gekürzt oder ganz gestrichen werden.

Häufig sind Weltkonzerne wie BASF, VW oder Wal-Mart schon seit Jahrzehnten im Geschäft und haben noch nie versäumt, eine Rate zu überweisen. Selbst in der Großen Rezession von 2008 und 2009 blieben Zahlungsausfälle bei großen Firmen extrem selten.

Unternehmen sind anfälliger für Schocks

Zwar können auch die Anleihenkurse während der Laufzeit schwanken, darin ähneln sie Aktienkursen, meist sind die Ausschläge jedoch weniger stark. In guten Traditionsunternehmen tragen die Aufsichtsräte und Aktionäre dafür Sorge, dass das Management nicht mit einem Übermaß an Fremdkapital jongliert. Zusätzlich haben Bonitätsprüfer ein Auge darauf, dass das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben der Firmen günstig genug bleibt, und die Anleihenhalter pünktlich zu bedienen.

Auch wenn der Ruf der Bonitätsprüfer angeschlagen ist, bieten die Noten von Standard&Poor’s, Fitch und Moody’s einen Anhaltspunkt, wie riskant oder wie sicher ein Bond ist. Äußerst oder sehr verlässlich sind Schuldner, die ein A-Rating genießen.

Bei ihnen können Sparer mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass keine Zahlungsengpässe zu befürchten sind, selbst wenn sich die Wirtschaftslage verschlechtert. Beginnt die Note mit einem B ist schon etwas mehr Vorsicht geboten. Konservative Anleger, denen es nicht so sehr um die Höhe der Rendite, sondern in erster Linie um Vermögenserhalt geht, sollten allenfalls Titel ins Portfolio nehmen, die sich durch ein Dreifach-B auszeichnen.

Jenseits dieser sehr guten Kreditwürdigkeit sind die Renditen zwar meist höher, die Unternehmen aber auch anfälliger für Schocks. Wenn Anleger in den vergangenen Jahren eines gelernt haben, dann dass es nur noch relative, keine absolute Sicherheit mehr gibt. Schuldtitel der Bundesrepublik Deutschland gelten zwar als unkaputtbar, doch im Nebel der Zukunft verschwimmt selbst ihre relative Sicherheit. Wie große Belastungen werden die Belastungen durch die Euro-Rettung am Ende sein?

Kann Deutschland es sich leisten, neben Griechenland, Irland und Portugal am Ende vielleicht auch Italien oder sogar Frankreich über Wasser zu halten? Und sind die Staatsfinanzen der Bundesrepublik wirklich auf die Belastungen vorbereitet, die mit einer alternden Bevölkerung einhergehen?

Viele Firmenmodelle sind stabiler als Staatsanleihen

Die Erfahrungen mit Griechenland zeigen, dass die Formel „Ein moderner europäischer Staat geht nicht pleite“, keine Gültigkeit mehr hat. Fest steht hingegen, dass es Firmen, die grundlegende Bedürfnisse des Menschen befriedigen, wie Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Kommunikation, Fortbewegung und Unterhaltung, immer geben wird. Auch bei Weltkonzernen kann es durch überraschende Marktumschwünge, staatliche Eingriffe oder Managementfehler unangenehme Überraschungen geben.

So litten die Bonds von Nokia zuletzt zum Beispiel darunter, dass der finnische Handy-Riese wichtige Trends verschlafen hat und von Apple und Samsung bei Smartphones abgehängt wird. Die Anleihe mit sieben Jahre Restlaufzeit stürzte von 125 auf etwa 99 Prozent des Nennwerts ab. Aktuell rentieren die Papiere mit 6,4 Prozent jährlich. In diesem relativ hohen Zins drückt sich aus, dass Erfolg und Misserfolg auf dem Handy-Markt der Zukunft schwer abzuschätzen sind.

Stabiler sind normaler Weise die Geschäftsmodelle von Versorgern. Gleichwohl werfen die lang laufenden Anleihen von E.on und RWE drei bis vier Prozent ab, das sind teilweise zwei Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen der gleichen Laufzeit. Bei einer Inflation von aktuell fast drei Prozent in Deutschland ist damit rechnerisch ein Vermögenserhalt oder eine leichte Vermögensvermehrung zu erreichen – zumindest vor Steuern.

Bei Unternehmensanleihen, und seien sie noch so solide, gilt wie bei jedem Investment: Lege niemals alle Eier in einen Korb. Sparer sollten ihr Vermögen also auf verschiedene Anleihen aufteilen – ebenso wie die Weltkonzerne ihr Geschäft auf verschiedene Länder und Segmente. Schließlich ist das ein Geheimnis ihres Erfolgs.

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