Umfrage

Die Deutschen sind beim Geld guter Dinge

Trotz Euro-Krise glaubt die Mehrheit der Deutschen nicht, dass sich ihre finanzielle Lage verschlechtert. Auch ihr Vermögen ist stark gestiegen.

Hiesige Sparer sind nicht leicht zu erschüttern. Um sie herum summieren sich die schlechten Nachrichten: Schuldenkrise, schwacher Euro, drohende Rezession – dennoch bleiben die Bundesbürger optimistisch. Die Mehrheit der Verbraucher (rund 55 Prozent) rechnet nicht damit, dass sich ihre finanzielle Situation verschlechtert, wie aus dem Vermögensbarometer 2011 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) hervorgeht.

Jeder vierte Anleger (circa 25 Prozent) geht demnach sogar davon aus, dass es in den kommenden zwei Jahren mit den persönlichen Finanzen aufwärts geht. Das Vermögensbarometer veröffentlichen die Sparkassen alljährlich zum Weltspartag, der in diesem Jahr auf den 28. Oktober fällt. „Gerade in der aktuellen Lage ist es wichtig, weiter auf die Bedeutung des Sparens hinzuweisen“, sagte Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Damit hat sich an der Intention des Weltspartages seit seiner Gründung in den 20er-Jahren wenig geändert.

Vor dem Hintergrund von Inflation und Vertrauensverlust sollte den Bürgern vermittelt werden, dass eigene Vorsorge notwendig ist und zu einem höheren Lebensstandard beitragen kann. Am 31. Oktober 1925 wurde der erste Weltspartag ausgerufen. In Deutschland findet er seitdem jedes Jahr am letzten Werktag vor diesem Termin statt.

Das Gefühl der Deutschen, finanziell derzeit ganz gut dazustehen, wird auch von der Statistik bestätigt. Laut dem Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) stieg die Sparquote – also das Verhältnis von Sparsumme und verfügbarem Einkommen – im vergangenen Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent.

Im Jahr 2009 war sie um 0,6 Prozentpunkte gesunken. Anders als die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die für die Jahre 2011 und 2012 mit einem leichten Rückgang der Sparquote auf knapp elf Prozent rechnet, glaubt Sparkassenpräsident Haasis an einen stabilen Wert.

Geldvermögen hat stark zugenommen

Auch das Geldvermögen hat laut BVR im vergangenen Jahr deutlich zugenommen: Es wuchs um 212 Milliarden Euro (4,8 Prozent) auf 4639 Milliarden Euro. Damit verfügte jeder private Haushalt im Durchschnitt über ein Geldvermögen von rund 115.400 Euro. Diesem Vermögen stand eine durchschnittliche Verschuldung pro Haushalt von 38.200 Euro gegenüber.

Auch wenn die Deutschen beim Sparen schon viel richtig machen, gibt es natürlich noch Verbesserungspotenzial. „Inzwischen hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen“, sagt Martin Weber, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. „Eigentlich müsste der Tag ‚Wie-spare-ich-richtig-Tag’ heißen.“ Denn nach wie vor tappen Anleger in Fallen. So geben sie sich zuweilen mit schlechten Zinsen zufrieden oder reagieren mitunter zu hektisch auf wirtschaftliche Entwicklungen. Gestützt werden diese Thesen vom Vermögensbarometer. Danach wollen 97 Prozent der Verbraucher, dass ihr Geld sicher angelegt ist.

Kein Wunder also, dass das Sparbuch nach wie vor ein relativ hohes Ansehen genießt. Rund 27 Prozent der Anleger sehen es als gute Wahl beim Vermögensaufbau an. Fest- oder Termingelder favorisieren 22 Prozent. Weit weniger beliebt sind Aktien, Fonds oder Anleihen, die jeweils von gut zehn Prozent der Anleger geschätzt werden. Dennoch legen 77 Prozent der befragten Verbraucher Wert auf einen guten Ertrag ihres Investments.

„Man darf aber nicht vergessen: Keine Rendite ohne Risiko“, sagt Professor Weber. Diesen Rat scheinen viele Anleger zu beherzigen. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Direktbank Comdirect toppt Sicherheit die Renditechancen als Anlagekriterium. 62 Prozent der befragten Deutschen sagten, dass ihnen der Werterhalt ihrer Finanzanlage sehr wichtig ist. Eine möglichst hohe Rendite ist nur etwa einem Drittel (32 Prozent) sehr wichtig.