Energieversorgung

Ökostromumlage steigt weniger als befürchtet

Auch im kommenden Jahr wird die Umlage für Ökostrom steigen. Zwar fällt sie niedriger aus als befürchtet, doch die Versorger prüfen eine erneute Preisrunde.

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Trotz des beschleunigten Atomausstiegs müssen Verbraucher 2012 für die Förderung von Ökostrom kaum mehr als bislang bezahlen. Die Umlage auf die Stromkunden steige nur um 1,8 Prozent auf rund 3,6 Cent je Kilowattstunde, teilten die Netzbetreiber mit. Insbesondere der geringere Zubau neuer Solaranlagen habe den Preisanstieg gedämpft, erklärte die Bundesnetzagentur. Während Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Zahlen als Erfolg der Kostenbegrenzung wertete, warnte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor weiteren Steigerungen in den kommenden Jahren.

Die Übertragungsnetzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und EnBW Transportnetze berechnen die Umlage jährlich anhand des Neubaus von Solar-, Wind- oder Biomasseanlagen. Von 2010 auf 2011 war die Abgabe um über 70 Prozent geklettert. Sie wird über die Stromrechnung auf die Kunden abgewälzt. Nach Angaben Röttgens zahlen diese im Schnitt jährlich rund 120 Euro für die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie. Im ersten Halbjahr dieses Jahres trugen erneuerbare Energiequellen zu rund einem Fünftel der Stromerzeugung bei.

Die Zahlen dürften bei Röttgen für Erleichterung gesorgt haben. Der Minister hatte nach dem Atomausstieg angekündigt, dass die Belastungen nicht zunähmen. „Die stabile Entwicklung der EEG-Umlage zeigt, dass unser Ziel einer weiteren Steigerung auf mindestens 35 Prozent bis 2020 machbar ist und dass die Maßnahmen zur Kostenbegrenzung Wirkung zeigen“, sagte er nun. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden stiegen die Kosten monatlich um weniger als 18 Cent.

Die AKW-Betreiber E.on, RWE, EnBW und Vattenfall hatten davor gewarnt, dass der Atomausstieg die Kosten treiben werden. Trotz des geringen Anstiegs der Umlage könnten die Strompreise demnächst steigen, da die Umlage neben den Steuern und den Kosten für die Beschaffung und den Netztransport nur einen Teil ausmacht. „Stromanbieter werden in den kommenden Monaten prüfen, ob sie ihre Strompreise anpassen müssen“, kündigte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) an, in dem Hunderte Stadtwerke organisiert sind. Die Bundesregierung müsse in den kommenden Jahren bei der Umlage mit Augenmaß handeln.

Wirtschaftsminister Rösler sagte, die Erhöhung liege „gerade noch in der vorgegebenen Größenordnung der politischen Beschlüsse des Frühsommers“. Weitere Steigerungen in den Folgejahren müssen vermieden werden, damit Strompreise für Firmen und Haushalte bezahlbar blieben. Eine Schätzung, in welcher Bandbreite die Umlage 2013 liegen könnte, müssen die Netzbetreiber bereits bis Mitte November vorlegen.

Die Ökostromanbieter warfen der Regierung vor, die Verbraucher schon jetzt unnötig zu belasten. „Sie hat Ausnahmeregelungen für die Industrie erweitert, eine teure Marktprämie eingeführt und den Netzbetreibern zusätzliche finanzielle Rücklagen zugestanden“, kritisierte der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Die Kosten würden auf immer weniger Schultern verteilt.

Und die Gesamtsumme ist enorm. Der Strombranchenverband BDEW verwies darauf, dass die Kunden im kommenden Jahr 14,1 Mrd. Euro für die Förderung hinblättern müssten. 2011 seien die Kosten auf 13,5 von 8,2 Mrd. Euro im Vorjahr gestiegen. Der mit garantierten Vergütungen subventionierte Ökostrom müsse sich stärker am Markt orientieren. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) äußerte sich ähnlich. „Bei der Kostenentwicklung des EEG kann für die nächsten Jahre keine Entwarnung gegeben werden.“

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) warnte vor Schönrechnerei. Der Verband hoffe, dass es sich nicht um einen „politisch kleingerechneten Anstieg der bereits heute sehr hohen EEG-Belastung handelt, für den im kommenden Jahr eine hohe Rechnung in Form einer Nachzahlung fällig wird.“