Anlage-Vermittler

Berater verstehen Fonds nicht, aber Provisionen

Die meisten Finanzberater vermitteln lieber Publikum- als Indexfonds. Offiziell, weil die Regeln einfacher sind. Aber das ist nicht alles.

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Heutzutage ist alles nicht mehr so einfach. Europas Politiker mühen sich seit Monaten den Euro zu retten, ohne richtigen Erfolg . Amerikas Notenbank druckt unablässig Geld, ebenfalls ohne die Probleme zu lösen. Und nun verliert auch noch Bayern München gegen Hannover . Die Lage ist also wirklich schwierig.

Wie gut, dass es da Experten gibt, die weiterhelfen, auch und gerade dem hilflosen Anleger, der in diesen Zeiten nicht mehr weiß, wie er sein Geld gut und effizient anlegen soll. Doch, o weh, auch diese klagen, und zwar über Indexfonds . „Die Berater durchschauen zum Großteil nicht, wie die Strukturen dahinter funktionieren“, vernahm man kürzlich Paul Stanfield, Geschäftsführer des europäischen Verbands der Finanzberater (FEIFA).

Und das sei der Grund, warum die meisten keine solchen Fonds vermitteln. Der Mann hat natürlich Recht. Ein Indexfonds investiert in einen Index, verteilt das Geld auf die darin enthaltenen Aktien, je nach Gewichtung der Aktien im Index. Bei einem Dax-Indexfonds verteilt sich das Geld also auf 30 Aktien . In Worten: dreißig! Wer soll sich die denn alle merken können? Und dann wird da auch noch eine Gebühr von 0,3 Prozent pro Jahr bei einigen Fonds und von 0,5 Prozent bei anderen fällig. Das muss man dann auch noch auseinanderhalten – wirklich kaum zu bewältigen.

Viel einfacher ist das dagegen bei den Publikumsfonds, die von Managern verwaltet werden, und die die Berater so gerne vermitteln. Da weiß man eigentlich nie so genau, was gerade drin ist, da werden nur die Top-10-Positionen regelmäßig veröffentlicht, und selbst diese Angaben beziehen sich stets nur auf einen Stichtag, so dass die Angaben am kommenden Tag schon wieder obsolet sein können.

Viele Fonds investieren auch das Geld nur teilweise und wetten mit dem Rest auf sinkende Kurse oder auf Rohstoffpreise oder sonst was. Das heißt dann „absolute return“. Bei den Gebühren werden pro Jahr mal 1,7, mal 1,9, mal 2,5 Prozent fällig, oder ganz andere Prozentzahlen. Und schließlich kommt auf diese Gebühr oft noch eine erfolgsabhängige Vergütung dazu.

Wenn eine sogenannte „hurdle rate“ überschritten wird, werden weitere 30 Prozent der darüber hinausgehenden Gewinne fällig, manchmal auch 50 Prozent oder auch weniger. Diese „hurdle rate“ bezieht sich dann wiederum auf eine Vergleichsgruppe anderer Fonds, die sogenannte peer-group. Wer da genau drin ist, weiß auch keiner so genau.

Mancher Fonds verzichtet schließlich auch auf die zusätzlichen Gebühren, wenn er zwar besser als die anderen Fonds gelaufen ist, aber dennoch im Minus ist. Andere aber auch wiederum nicht. Alles klar? Nein? Das macht nichts. Der Berater kennt sich dafür aus. Er weiß beispielsweise genau, dass er für die Vermittlung eines Indexfonds keine Provision erhält. Für die Vermittlung eines gemanagten Fonds dagegen sehr wohl. Dort kennt er wahrscheinlich sogar die Höhe der Provision für jeden einzelnen Fonds und weiß daher ganz genau, welcher Fonds der richtige für seine Kunden ist. Es ist nämlich am Ende doch alles recht einfach.