Euro-Krise

Was eine Griechenland-Pleite für Ihr Geld bedeutet

Von Euro-Gipfel zu Euro-Gipfel wird die Unsicherheit der Sparer größer. Welche Folge hat die Euro-Kriese und die drohende Pleite Griechenlands? Und was passiert nach einem Schuldenschnitt? Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zur Geldanlage.

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Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sowie der Euro-Zone kommen am Sonntag zu zwei Gipfeltreffen in Brüssel zusammen

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Angst vor Kontrollverlust ist Psychologen wohlbekannt: Den Patienten befällt bleierne Hilflosigkeit. Er hat das Gefühl, Spielball seiner Umwelt, nicht mehr Herr seiner selbst zu sein. Angst vor Kontrollverlust erfasst mehr und mehr auch die Anleger. Mit der sich abzeichnenden Zahlungsunfähigkeit Griechenlands verstärkt sich das Gefühl vieler Menschen, nichts sei mehr sicher.

Angst vor Kontrollverlust dürften selbst die Regierungen der Euro-Zone verspüren, denn sie scheinen kaum besser als die einfachen Bürger zu wissen, welche Folgen die Griechen-Pleite haben wird. Wie ein finanzieller Kometeneinschlag wird der Schuldenschnitt des Euro-Landes auf die Bankbilanzen wirken. Um die durch die Verluste entstehenden Krater aufzufüllen, sind viele Milliarden Euro notwendig. Die Europäische Union (EU) selbst rechnet mit einem Kapitalbedarf von 70 bis 90 Milliarden Euro bei den Geldhäusern des Kontinents. Manche Beobachter fürchten gar ein europäisches Lehman, einen Finanz-Kollaps.

Allerdings mühen sich die Regierungen, die schlimmsten Folgen abzupuffern. Wird dies reichen, um das Vertrauen wiederherzustellen? Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zur Geldanlage:

Ist mein Geld bei der Bank sicher?

Girokonten, Tagesgeld, Sparbücher und Sparbriefe unterliegen in der EU und damit auch in Deutschland gesetzlichem Schutz. Der Staat hat damit eine Lehre aus früheren Finanzkrisen gezogen, bei denen es aus Angst, zu spät zu kommen, zur Bankenpanik kam. Wenn das Kreditinstitut pleitegeht, sind pro Sparer 100.000 Euro geschützt. Selbst für den extremen Fall, dass es zu einer Reihe von Bankenpleiten kommen sollte, ist dieses Geld also staatlich garantiert.

Was ist mit Einlagen, die über die 100.000 Euro hinausgehen?

Die Einlagensicherung der privaten Banken schützt Sparervermögen bis zur Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des Instituts. Im Fall der Deutschen Bank sind das 11,6 Milliarden Euro pro Anleger. Auf die Branche gesehen liegt der Mindestschutz bei 1,5 Millionen Euro.

Jedoch wird das Minimum von 2015 bis 2025 sukzessive gesenkt : Dann sind je Sparer nur noch mindestens 437.000 Euro geschützt. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken verfügen über eigene Absicherungsmechanismen. Dazu gibt es noch die Merkel-Garantie aller privaten Spareinlagen aus dem Oktober 2008, die allerdings als politische Aussage schwer einklagbar ist.

Muss ich mir Sorgen um meine Lebenspolice machen?

Lebensversicherer können mit den Beiträgen ihrer Kunden auch nichts anderes machen als jeder gewöhnliche Sparer, nämlich es am Kapitalmarkt anlegen . Nur tun sie dies in größerer Dimension und breiter gestreut. Auf diese Weise fließt das Geld der Sparer in Pfandbriefe, Unternehmensanleihen und Immobilien, aber auch in diverse Staatsanleihen, Immobilien und Aktien. Durch die Streuung ist das in die Policen eingezahlte Kapital alles in allem relativ sicher.

Wie wird sich die Krise auf die Überschussbeteiligung auswirken?

Ein gewisses Risiko steckt in den Anleihe-Portfolien der Versicherer. Euro-Regierungstitel galten bis vor wenigen Jahren fast über jeden Zweifel erhaben.

Hiesige Versicherer haben daher nicht nur in deutsche, sondern auch in Anleihen der Peripherieländer investiert, die mehr Zinsen versprachen. Mit der Schuldenkrise sind die Kurse vieler Peripherie-Anleihen abgesackt. Eigentlich kein Problem, halten die Versicherer die Anleihen doch häufig bis zur Fälligkeit. Ernster wird es bei einem Schuldenschnitt: Dann entstehen Verluste, die die Überschussbeteiligung mindern können. Schon in den vergangenen Jahren sind die Renditen auf Policen gesunken, weil das gesamte Zinsniveau zurückging. Zuletzt lag die durchschnittliche Überschussbeteiligung bei knapp über vier Prozent, 2012 dürfte sie darunter fallen.

Worauf ist noch Verlass?

Eine Erkenntnis der Krise ist: Absolute Sicherheit gibt es nicht, nur noch relative. Als nach wie vor unkaputtbar gelten deutsche Staatsanleihen. Allerdings sitzt auch Berlin auf einem riesigen Schuldenberg. Die zwei Billionen Verbindlichkeiten werden nur deshalb als erträglich angesehen, weil die deutsche Volkswirtschaft als konkurrenzfähig und der Staatshaushalt als relativ solide gilt. Je länger die Laufzeit der Anleihen, desto weniger gewiss werden Zinszahlung und Tilgung. Die Rendite ist gleichwohl mickrig: Zehnjährige Papiere werfen nur etwas über zwei Prozent ab.

Gibt es andere sichere Häfen?

Konservative Anleger finden Zuflucht in Industrieanleihen von Unternehmen, die ein funktionierendes Geschäftsmodell haben und nicht übermäßig verschuldet sind. Ratingnoten bieten Anhaltspunkte für die Solidität. Unternehmensanleihen kann jeder kaufen, der ein Wertpapierdepot hat, häufig bereits ab einer Stückelung von 1000 Euro.

Finger weg von Aktien?

Aktien gehören als Sachwerte in jeden Vermögensmix. Aktuell ist noch Vorsicht geboten. Denn die europäische Schuldenkrise lastet auch auf den Konjunkturaussichten. Die Unsicherheit dämpft die Investitionsneigung der Unternehmen, die Gewinnerwartungen gehen zurück – so bleiben auch die Kurse unter Druck. Erschwerend kommt hinzu: Europa ist nicht der einzige Krisenherd der Weltwirtschaft. Allerdings sollten Anleger nicht vergessen, dass Aktienmärkte Wellenbewegungen unterliegen. Auf jeden Abschwung folgt ein Aufschwung.

Kommt die Inflation?

Die Preissteigerung ist bereits zuletzt unerwartet hoch ausgefallen. Nach der harmonisierten Berechnungsmethode der EU lag sie in Deutschland im Herbst bei 2,9 Prozent.

Sollte sie dort verharren, würden Anleger mit Bundeswertpapieren in den nächsten Jahren reale Vermögensverluste erleiden. Die meisten Ökonomen erwarten, dass die Teuerung 2012 deutlich zurückgeht, auf nur noch 1,5 bis zwei Prozent. Ob sich die Preise jedoch an die Prognose halten, ist ungewiss – zumal die Inflation von der Geldpolitik abhängt. In Großbritannien, wo die Bank of England die Notenpresse noch aggressiver rotieren lässt als die Europäische Zentralbank (EZB), liegt die Teuerung bereits bei 5,2 Prozent. Auch die EZB könnte einen solchen Weg gehen, um die Währungsunion zu retten.

Wie geht es mit Gold weiter?

Gold hebt sich von Papier-Währungen wie Euro, Pfund oder Dollar dadurch ab, dass es sich nicht beliebig vermehren lässt. In Zeiten der Inflation hat es sich daher als Wertaufbewahrungsmittel bewährt. Aber auch bei niedrigen Zinsen ist das Edelmetall attraktiv: Dass es keinen Kupon hat, fällt dann nicht so sehr ins Gewicht.

Nicht so gut ergeht es dem Edelmetall hingegen in akuten Finanzkrisen. Dann müssen Hedgefonds und andere große Akteure ihre Bestände abstoßen, um nicht illiquide zu werden. Ein günstiges Umfeld für Gold ist durch hohe Teuerung und niedrigen Zins gekennzeichnet. Und genau das könnte nächstes Jahr eintreten. Deshalb sagen Experten für 2012 Preise von über 2000 Dollar je Feinunze voraus.