Börsen-Bericht

Anleger spekulieren auf Mega-Hebel gegen Euro-Krise

Spekulationen über eine deutliche Erweiterung des Euro-Rettungsschirms locken Anleger an die Börse. Der Dax legt erneut deutlich zu.

Spekulationen auf eine billionenschwere Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF haben den europäischen Aktienmärkten Auftrieb gegeben. Der Dax legte am Vormittag um 1,5 Prozent auf 5966 Punkte zu. Auch der EuroStoxx50 stieg um 1,5 Prozent auf 2340 Zähler. Vor allem Finanztitel waren gefragt: Der europäische Branchenindex kletterte um zwei Prozent nach oben.

Bereits an der Wall Street und in Tokio hatte ein Bericht des „Guardian“ für steigende Kurse gesorgt, in dem von einer Einigung Deutschlands und Frankreichs auf eine Hebelung des EFSF auf zwei Billionen Euro die Rede war. Aus EU-Kreisen hieß es, es sei bisher keine Einigung über den Umfang einer Ausweitung des EFSF erzielt worden. Eine Hebelung stehe aber weiter im Fokus der Diskussion.

Börsianer bezweifelten, dass die Aufwärtsbewegung substanziell ist. „Man macht sich schnell Hoffnungen auf eine große Lösung, was die Kurse zügig nach oben treibt – aber das ist auf einem sehr dünnen Fundament gebaut“, sagte ein Händler.

Erwartung an EU-Gipfel sind hoch

Die Erwartungen an eine umfassende Lösung auf dem EU-Gipfel am Wochenende seien sehr groß. „Aber wenn das nicht erfüllt wird, dann wird es in der kommenden Woche wieder Tabula rasa am Markt geben.“ Der Markt hoffe im Kampf gegen die Schuldenkrise auf eine Panzerfaust und bekomme womöglich nur eine Steinschleuder.

Im Dax führten die Aktien der Commerzbank die Gewinnerliste mit einem Plus von fünf Prozent an, gefolgt von der Deutschen Bank, die sich um vier Prozent verteuerten. Die Anteilsscheine der Allianz stiegen um 2,2 Prozent. „Die Quartalszahlen der Bank of America und von Goldman Sachs sind nicht so schlimm ausgefallen wie befürchtet, auch das beruhigt die Anleger erst einmal“, sagte ein Händler.

Im TecDax stachen die Anteilsscheine der Software AG hervor, die sich mit einem Plus von 10,3 Prozent auf 29,99 Euro an die Index-Spitze setzten. Das Unternehmen hatte am Dienstagabend nach leichten Ergebniszuwächsen im dritten Quartal seine Prognosen für das Kerngeschäft bestätigt.

Die Zahlen zeigten, dass die Investoren bislang keine deutlich schwächere Nachfrage nach IT-Produkten fürchten müssten, schrieb DZ-Bank-Analyst Oliver Finger. Auch Singulus bekräftigte seine Ziele – die Aktie legte um 8,4 Prozent zu.

Dagegen drückten die unerwartet schwachen Ergebnisse von Apple die Anteilsscheine des Geschäftspartners Dialog Semiconductor um 1,6 Prozent auf 14,15 Euro. Die auf Xetra gehandelten Papiere von Apple sackten um 5,4 Prozent auf 289 Euro ab.

Hochtief waren nach einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs gefragt und verteuerten sich im MDax um 4,1 Prozent auf 53,17 Euro. Das neue Management richte den Fokus auf die Profitabilität in Europa und die australische Tochter Leighton , lobten die Goldman-Analysten. Der Einfluss des Mehrheitsaktionärs ACS könnte sich ebenfalls positiv bemerkbar machen.