Börsen-Bericht

Deutscher Aktienmarkt nimmt Kurs auf 6000 Punkte

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Die Ablehnung des Euro-Rettungsschirms durch die Slowakei hat die Anleger nur kurz irritiert. Der Dax legte gegen Mittag deutlich zu.

Das Nein der Slowakei zur Erweiterung des Rettungsschirms EFSF hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt nur kurzzeitig aus der Ruhe bringen können. Der Dax machte seine anfänglichen Verluste wieder wett und notierte am Mittag 1,3 Prozent fester bei 5938 Zählern. Auch der Euro zog an und kostete mit 1,3807 Dollar gut eineinhalb US-Cent mehr als am Vortag.

„Ein ’Ja’ zum EFSF scheint nur aufgeschoben, und nicht aufgehoben“, schrieben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar. Die slowakische Regierung hat noch für diese Woche einen zweiten Anlauf zur Verabschiedung in Aussicht gestellt. Die gestürzte Ministerpräsidentin Iveta Radicova setzt auf die Unterstützung der linken Oppositionspartei Smer, die bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert hat.

Mit der Ausweitung des EFSF-Umfangs auf 440 Milliarden Euro hoffen die Politiker die Euro-Schuldenkrise eindämmen zu können. Die Slowakei ist das letzte Euro-Land, das die Erweiterung des Fonds verabschieden muss.

Dass die Verunsicherung über den Ausgang der Schuldenkrise dennoch nach wie vor groß ist, zeigte sich an den Finanzwerten. Der europäische Bankenindex notierte mit 0,3 Prozent nur knapp im Plus, nachdem die beiden Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Fitch ihren Daumen über einige südeuropäische Banken gesenkt haben. Betroffen waren unter anderem die spanischen Großbanken Banco Santander und BBVA , die jeweils bis zu zwei Prozent verloren. Im Dax zählte die Commerzbank mit einem Minus von 0,8 Prozent zeitweise zu den größten Verlierern, die Deutsche Bank lag dagegen gut ein Prozent im Plus.

Trotz der neuen Hiobsbotschaften überwiege die Hoffnung, dass die geplanten Maßnahmen zur Stärkung des Bankensektors ein nachhaltiger Weg aus der Krise sein könnten, sagte ein Händler. Der Präsident der EU-Kommission, Jose Manuel Barroso, hatte angekündigt, einen Plan für die Rekapitalisierung von Banken vorstellen zu wollen.

Weitgehend kalt ließen die Anleger am deutschen Aktienmarkt die pessimistischen Aussagen des Aluminiumriesen Alcoa , der nach Börsenschluss die Berichtsaison eröffnet hatte. Der Konzern warnte vor einer nachlassenden Nachfrage - vor allem im von der Schuldenkrise gebeutelten Europa. Die Aktien fielen nachbörslich um mehr als fünf Prozent. „Das ist nicht gerade eine gute Einstimmung, sollte aber auch nicht überbewertet werden, schließlich läuft die Berichtssaison gerade erst an“, sagte ein Börsianer.

Autowerte legen zu

Punkten konnten am deutschen Aktienmarkt die Autowerte. Daimler legten kapp fünf Prozent zu. Die Analysten der UBS senkten zwar das Kursziel auf 53 von 62 Euro, bekräftigten aber ihre Kaufempfehlung. BMW notierten mit 2,8 Prozent ebenfalls fester. Volkswagen drehten mit dem Gesamtmarkt ins Plus und legten um 1,6 Prozent zu, obwohl UBS die Papiere auf „Neutral“ von „Buy“ heruntergestuft hatte.

Im TecDax machte den Solarwerten die enttäuschte Hoffnung auf eine Jahresendrally bei Phoenix Solar zu schaffen. SolarWorld , SMA Solar , Centrotherm und Q-Cells verloren zwischen 5,6 und 2,7 Prozent. Die in keinem großen Index mehr gelisteten Phoenix Solar brachen in der Spitze um mehr als 26 Prozent ein. Die Solartechnikfirma hatte am Vorabend mitgeteilt, sie erwarte 2011 wegen des ungebrochenen Preisverfalls bei Solarmodulen einen hohen Verlust. Zwar hatte das Unternehmen seinen Anlegern wenig Hoffung auf schwarze Zahlen im laufenden Jahr gemacht.

Noch vor einem Monat war Vorstandschef Andreas Hänel aber davon ausgegangen, dass der Markt in den nächsten Wochen zumindest anspringt. „Das ist symptomatisch für die gebeutelte Solarbranche – der Preisdruck hält an und es gibt wenig Hoffnung auf Besserung“, sagte ein Händler.