Markt-Bericht

Hoffnung auf Mega-Hebel lockt Anleger an die Börse

Die Börsianer hoffen auf eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms. Sarkozys Blitzbesuch in Frankfurt stützt den deutschen Leitindex.

Spekulationen über eine massive Ausweitung des Euro-Rettungsschirms haben wieder einige Anleger an die europäischen Aktienmärkte gelockt. Allerdings blieben die Gewinne relativ moderat. Zum einen zeigten Dementis aus Berlin und Brüssel über eine Einigung auf eine billionenschwere Aufstockung des EFSF-Rettungsschirm Wirkung. Zum anderen drückten das enttäuschende Quartalsergebnis von Apple und die Herunterstufung Spaniens durch die Ratingagentur Moody's auf die Stimmung.

Die Ankündigung eines Blitzbesuches von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Frankfurt, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso den scheidenden EZB-Chef Jean-Claude Trichet verabschieden, stützte die Kurse im späten Geschäft aber. Auch gute Konjunkturdaten aus den USA, wo im September mehr Wohnbaubeginne gemeldet werden als erwartet, wurden positiv aufgenommen.

Der Dax schloss am Ende mit 5913,53 Punkten 0,6 Prozent höher. Auch in Madrid überwogen die Käufer: der Standardwerte-Index legte – der Moody's Ohrfeige zum Trotz – 0,4 Prozent zu. Der Eurostoxx50 stieg unter Führung der Bankenwerte aus der Euro-Zone um rund ein Prozent. Selbst in Athen zogen die Kurse – Generalstreik hin oder her – um 0,4 Prozent an, die Banken gewannen sogar über zwei Prozent.

Alle warten auf den EU-Gipfel

Ausgelöst wurde die Kauflaune der Anleger durch einen Bericht der britischen Zeitung „Guardian“, in dem von einer Einigung Deutschlands und Frankreichs auf eine Hebelung des EFSF-Rettungsschirms auf zwei Billionen Euro die Rede war. Eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte Reuters jedoch, es gebe keine Einigung, der Zeitungsbericht sei falsch. Auch ein weiterer EU-Vertreter erklärte, es sei nicht so einfach, das Kreditvolumen des EFSF von 440 Milliarden Euro auf eine deutlich höhere Summe zu multiplizieren.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte, über die 440 Milliarden Euro hinaus gebe es keine Diskussion. Dieses „Basta“ aus Berlin kostete den Dax aber nur vorübergehend einige Punkte. „Wenn Sarkozy noch heute nach Frankfurt kommt, um mit Merkel und Trichet zu sprechen, dann ist das für einige Anleger ein Signal, dass eine Einigung zwischen den beiden großen Ländern der Euro-Zone unmittelbar bevorsteht“, sagt ein Händler.

„Das ist schon bemerkenswert, dass trotz dieser Dementis der Markt nach oben will. Das zeigt, dass der Markt davon ausgeht, dass etwas in der Pipeline ist“, sagte Jeremy Batstone-Carr, Aktienstratege beim britischen Brokerhaus Charles Stanley. Viele Börsianer bezweifelten aber die Nachhaltigkeit der Aufschwungs. Wenn die große Lösung beim EU-Gipfel am Wochenende ausbleibe, könnte es mit den Kursen rasch wieder nach unten gehen, sagte ein Händler. „Der Markt hofft im Kampf gegen die Schuldenkrise auf eine Panzerfaust und bekommt womöglich nur eine Zwille.“

Finanzwerte gewinnen erneut

Vor allem Finanztitel waren am Mittwoch gefragt: Der europäische Branchenindex stieg um zwei Prozent. Im Dax führten die Aktien der Commerzbank die Gewinnerliste mit einem Plus von 4,7 Prozent an, gefolgt von der Allianz und der Deutschen Bank, die sich um je vier Prozent verteuerten.

Auch im EuroStoxx lagen die Bankenwerte vorne: Intesa SanPaolo stiegen um 7,3 Prozent, BNP Paribas um 6,1 Prozent und Unicredit um 5,2 Prozent. Die spanischen Banken BBVA und Santander zuckelten mit Kursgewinnen von 2,3 beziehungsweise 1,3 Prozent etwas hinterher – wohl eine Folge des Moody's-Verdikts. Immerhin hat die Agentur Spaniens Bonitätsnote gleich um zwei Stufen gesenkt.

Bremsklötze im Dax waren die schwer gewichteten Aktien von Siemens und BASF , die 1,5 beziehungsweise 1,1 Prozent einbüßten. Auch im EuroStoxx waren die von der Konjunkturentwicklung stark abhängigen Werte weniger gefragt. Als Grund nannten Händler die latenten Sorgen um das Wirtschaftswachstum.

Ebenfalls als Bremsklotz erwies sich die Wall Street, wo an der Technologiebörse Nasdaq die Enttäuschung über Apple die Zuversicht von Chiphersteller Intel überschattete. Apple fielen um bis zu über fünf Prozent, während Intel zeitweise über vier Prozent dazu gewannen.