Zertifikate

Goldpreis steuert auf nächsten Rekordwert zu

Das griechische Rettungspaket sorgt für eine kurze Abschwächung bei der Krisenwährung Gold. Hebelpapiere bieten nun gute Gewinnchancen.

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Die Börse hat erwartungsgemäß mit großer Erleichterung auf die Einigung über das nächste Rettungspaket für Griechenland reagiert. Und während am Aktienmarkt vor allem die Kurse von Banktiteln spürbar zulegen konnten, gab der Preis der Krisenwährung Gold im Gegenzug deutlich nach und fiel wieder unter die im Wochenverlauf erstmals übersprungene 1600-Dollar-Marke zurück.

Ungeachtet der kurzfristigen Entspannung hat sich an den grundsätzlichen Problemen jedoch wenig geändert. Wenn sich die Dynamik der Märkte so weiter entwickelt wie in den vergangenen Monaten, dann könnte sich der jetzt politisch vereinbarte „vorübergehende Zahlungsausfall“ Griechenlands im Extremfall als Anfang einer Serie von Schuldenschnitten quer durch die Welt der westlichen Industrienationen erweisen.

Denn Sorgen bereitet nicht nur Südeuropa, sondern auch die USA. Dort müssen sich Demokraten und Republikaner in den kommenden Tagen auf eine Anhebung ihrer Schuldenobergrenze verständigen, um die Zahlungsunfähigkeit der größten Volkswirtschaft abzuwenden. Zumindest vorübergehend. Denn es ist offensichtlich, dass auch eine Ausweitung der selbstgesetzten Verschuldungsgrenze nichts am eigentlichen Problem ändert.

Nach Einschätzung von Analysten könnte sich der aktuelle Rücksetzer im Nachhinein somit auch nur als ein Anlaufnehmen für den Sprung auf neue Höhen erweisen.

„Weitere deutliche Preisverluste beim Gold sehen wir nicht, da die Details des Hilfspakets und die Rolle der EZB noch unklar sind“, kommentieren die Rohstoff-Analysten der Commerzbank die aktuelle Marktreaktion und betonen, dass die Schuldenkrise trotz des Verhandlungserfolgs noch nicht ausgestanden sei. Einige andere Länder der Euro-Peripherie müssten sich in den kommenden Monaten am Kapitalmarkt refinanzieren, was zu neuerlichen Unsicherheiten führen könnte.

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Landesbank Baden-Württemberg. Da die grundsätzlichen Probleme beiderseits des Atlantiks ungelöst blieben und Gold auch unabhängig von Krisenszenarien gefragt sei, erwarten die LBBW-Analysten ungeachtet möglicher kurzfristiger Preisabschläge weiter anziehende Notierungen.

Als neues Kursziel auf Jahressicht hat die LBBW gerade die Marke von 1750 Dollar genannt. Und auch die DZ Bank hat in den vergangenen Tagen ihre Zielprognose in gleicher Höhe bestätigt, wobei deren Analysten davon ausgehen, dass der Goldpreis schon bis Ende diesen Jahres in die neuerliche Rekordregion jenseits von 1700 Dollar vordringen wird.

Denkbare Auslöser für einen solchen Preisschub gibt es mehrere. Neben einer nach wie vor denkbaren erneuten Zuspitzung der Schuldenkrise, gilt insbesondere die vom US-Notenbankchef Ben Bernanke zuletzt angedeutete Möglichkeit einer Neuauflage der Programme zur „quantitativen Lockerung“ als denkbarer Kurstreiber.

Die zum Teil über Anleihekäufe durch die Notenbank betriebene Stärkung der Liquiditätsversorgung gilt unter Skeptikern als Treiber der Inflation, was angesichts der niedrigen Nominalzinssätze zu einer negativen Realverzinsung – und im Umkehrschluss zu einer steigenden Attraktivität von Gold zur Wertsicherung führt. Unterstützung könnte das Edelmetall aber auch von fundamentaler Seite erfahren.

In den kommenden Wochen beginnt in Indien, dem wichtigsten Abnehmer von Goldschmuck, die Hochzeits-Saison, die in der zweiten Jahreshälfte traditionell zu einem Anstieg der Nachfrage führt.

Die Aussicht auf den Vorstoß in ganz neue Kursdimensionen macht Gold aber nicht nur als Krisenschutz für ausgewiesene Skeptiker interessant, sondern auch für kurz- und mittelfristige Spekulanten.

Jedenfalls für jene, die zwar nicht an Katastrophenszenarien oder den Zusammenbruch des Finanzmarktes glauben, aber vom Aufschwung des Edelmetalls überzeugt sind. Eine wirkungsvolle Möglichkeit, um auf neue Preissprünge bei Gold zu setzen, bieten Turbo-Optionsscheine.

Ihr Kurswert wird mehr oder minder exakt ermittelt, in dem der Basispreis von der aktuellen Gold-Notierung abgezogen wird. Wobei in der Regel aber auch noch der Umrechungskurs der Gold-Währung Dollar zum Euro sowie das jeweilige Bezugsverhältnis des Optionsscheins berücksichtigt werden muss.

Eine Ausnahme sind Quanto-Papiere, bei denen die Umrechnung von Dollar in Euro neutralisiert wird, sodass die Optionsscheinpreise direkt aus der Dollar-Notierung des Goldes abgeleitet werden können.

Vorteil der Strategie – mit oder ohne Währungssicherung – ist, dass Anleger immer nur den Kursanteil oberhalb des Basispreises aufbringen müssen, aber dennoch in beinahe vollem Umfang an möglichen Kurszuwächsen beteiligt bleiben. Durch den geringeren Kapitalaufwand ergibt sich ein Hebeleffekt gegenüber der Anlage in einfachen Gold-Zertifikaten oder Gold-ETF, bei denen letztlich die gesamte Summe von derzeit rund 1600 Dollar aufgebracht werden müsste.

Im Gegenzug besteht bei den Gold-Turbos allerdings das Risiko eines vorzeitigen Totalverlusts, sobald der Preis der Feinunze einmal unter die Knock-out-Barriere sinkt. Um dieses Risiko gering zu halten, können vorsichtige Investoren aber auch auf Hebelpapiere mit sehr weit entfernten Schwellen zurückgreifen. Damit sinkt die Hebelwirkung, aber auch das Verlustrisiko.

Zu beachten ist hierbei allerdings, dass Knock-out-Schwellen und Basispreise zur Finanzierung der Gebühren täglich in kleinen Schritten angehoben werden. Ob und wann ein Knock-out droht, muss also regelmäßig überprüft werden.

Fazit: Für Anleger, die sich ernstlich um den Fortbestand des Finanzsektors sorgen, sind die Hebelpapiere natürlich völlig ungeeignet, da sie wie Zertifikate nur solange funktionieren, wie die begebende Bank zahlungsfähig ist. Wer indes auf eine Fortsetzung der Gold-Rallye setzen will und nicht den Totalzusammenbruch des Finanzsystems fürchtet, findet in den Turbos eine reizvolle Alternative.