Griechenland-Sorgen

Unter 5000 Punkte – Dax weiter auf Talfahrt

Der Dax setzt seine Talfahrt fort. Der Leitindex verliert über drei Prozent und fällt zwischenzeitlich unter die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten.

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Die Sorgen um eine mögliche Staatspleite Griechenlands haben den Dax am Freitag erneut tief in die Verlustzone gezogen. Der deutsche Leitindex sackte am Nachmittag um 2,07 Prozent auf 5057 Punkte ab. Zuvor hatte er einen frühen Erholungsversuch abgebrochen und war zeitweise sogar unter die Marke von 5000 Punkten gerutscht. Schon an den vergangenen beiden Handelstagen hatte das Kursbarometer kräftige Verluste einstecken müssen, so dass sich auf Wochensicht ein Minus von fast 10 Prozent anbahnt. Der MDax sank am Freitag um 3,40 Prozent auf 7951 Punkte, der TecDax büßte 2,23 Prozent auf 640 Punkte ein.

„Die Ängste der Anleger überwiegen weiter“, sagte Anita Paluch von Gekko Global Markets. Öl ins Feuer goss der niederländische Notenbankchef Klaas Knot , der eine Pleite Griechenlands nicht mehr ausschließt. „Dies ist eines der Szenarien“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem Interview der niederländischen Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“. Auch der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos soll erstmals über eine geordnete Umschuldung mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent gesprochen haben. Dies berichteten übereinstimmend mehrere griechische Medien.

Gute Zahlen und ein angehobener Ausblick des US-Konkurrenten Nike ließen die Adidas-Titel an der Dax-Spitze um 1,33 Prozent auf 46,63 Euro steigen. Knapp dahinter lagen die Bayer-Aktien mit plus 1,18 Prozent auf 37,25 Euro. Sie profitierten am Nachmittag von positiven Äußerungen eines beratenden Ausschusses der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zum Gerinnungshemmer Xarelto. Kräftig abwärts ging es dagegen für die Papiere aus den besonders konjunkturempfindlichen Branchen. Anteilsscheine von HeidelbergCement etwa fielen um 4,71 Prozent auf 25,08 Euro.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,50 (Vortag: 1,49) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,06 Prozent auf 130,97 Punkte. Der Bund Future legte um 0,19 Prozent auf 138,82 Punkte zu. Der Kurs des Euro fiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3430 (Donnerstag: 1,3448) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7446 (0,7436) Euro.

Anleger glauben weiter nicht, dass die Politik die Euro-Schuldenkrise schnell beenden kann. Börsianer fürchten außerdem weiter eine Rezession. Enttäuscht reagierten Investoren auch auf die Aussagen vom Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), obwohl diese den Banken Unterstützung in der Schuldenkrise zusicherten.

"Das sind die üblichen Platituden“, sagte Analyst Andrew Lim von der Bank Espirito Santo mit Blick auf die G20. „Sie haben nicht das notwendige politische Kapital, das Notwendige zu tun, nämlich die südeuropäischen Staaten zu retten und alle Banken zu rekapitalisieren.“ Ein Ende der Zitterbörse ist auch nach Einschätzung deutscher Aktienhändler nicht in Sicht. „Solange keine Entscheidungen getroffen werden, die wirklich bei der Lösung aller Probleme helfen können, wird die Sau durchs Dorf getrieben“, sagte einer von ihnen.

Aktin und Euro erneut auf Talfahrt

Der Dax , der bereits am Donnerstag fünf Prozent verloren hatte, lag am frühen Nachmittag 2,8 Prozent im Minus bei 5018 Punkten. Der EuroStoxx50 markierte zeitweise ein neues Zweieinhalb-Jahres-Tief. Auch außerhalb Europas standen die Zeichen auf Verkauf. Der MSCI-Weltaktienindex gab ein Prozent auf 274,72 Zähler nach und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2010. Im Sog der Aktienmärkte geriet auch der Euro unter zunehmenden Verkaufsdruck. Er kostete mit 1,3345 Dollar rund einen US-Cent weniger als noch rund drei Stunden zuvor.

Auf der Suche nach einem „sicheren Hafen“ nahmen weitere Anleger Kurs auf Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Papiere fiel auf ein Rekordtief von 1,641 Prozent. Gleichzeitig markierte der auf diesem Titel basierende Bund-Future mit 139,13 Zählern ein neues Rekordhoch.

„Die Stimmung ist einfach schlecht im Moment, keiner weiß, was Sache ist und da werden risikobehaftete Anlagen wie Aktien verkauft“, sagte Tobias Basse, Marktstratege bei der NordLB. „Und dann kam die Fed noch mit 'Twist II' und den Aussagen zur Konjunktur zu einem falschen Zeitpunkt. Das hat den Markt sehr verunsichert.“ Am Vortag war die geplante Verlagerung des Schwerpunkts bei den Anleihe-Käufen der US-Notenbank von Investoren mit Enttäuschung aufgenommen worden. Außerdem hatte die Fed sich pessimistisch über die Aussichten der US-Wirtschaft geäußert.

Deutsche Bank rechnet mit Zusatzbelastung aus Schuldenkrise

Die Deutsche Bank kalkuliere mit einer Abschreibungsquote von 25 Prozent oder mehr statt der ausgehandelten 21 Prozent, sagte Group Controllerin Jones am Freitag. Hintergrund ist, dass Ende Juli bei der Vereinbarung der privaten Gläubigerbeteiligung (PSI) – die einen Bond-Tausch vorsieht – mit einer Rendite auf griechische Staatsanleihen von neun Prozent kalkuliert wurde. Inzwischen liegt sie jedoch deutlich höher.

Vor diesem Hintergrund verbuchten einige Finanzwerte zweistellige prozentuale Kursverluste. Der europäische Bankenindex gab in der Spitze knapp zwei Prozent nach. Zu den größten Verlierern zählen die österreichischen Institute Erste Bank und Raiffeisen Bank mit einem Minus von jeweils knapp zehn Prozent. Credit Agricole fielen auf ein Rekordtief von 4,03 Euro. Deutsche Bank und Commerzbank gaben 2,6 beziehungsweise 1,2 Prozent nach.

Deutlich härter traf es die griechischen Banken. Der dortige Branchenindex fiel zeitweise auf ein 19-Jahres-Tief. Alpha Bank, Piraeus Bank und Eurobank EFG verloren zwischen zehn und 13 Prozent.