Rohstoffe

Einmarsch der Rebellen in Tripolis drückt Ölpreis

Noch ist Machthaber Gaddafi nicht gestürzt, doch Anleger hoffen bereits auf die Wiederaufnahme der libyschen Exporte. Der Ölpreis sinkt enorm.

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Die Eroberung weiter Teile der Hauptstadt Tripolis durch Rebellentruppen hat Spekulationen auf eine baldige Wiederaufnahme der libyschen Öl-Exporte geschürt.

Der Ölpreis sank daraufhin deutlich: Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 3,2 Prozent auf 105,15 Dollar je Fass. Der Preis für US-Öl WTI sank in der Spitze um 1,4 Prozent auf 81,13 Dollar, erholte sich aber wieder.

Die jüngste Entwicklung in Libyen dürfte zu einer Entspannung bei der Angebotslage führen, prognostizierte Jonathan Barrat von Commodity Broking Services. Sechs Monate nach Beginn des Bürgerkriegs in Libyen feiern die Rebellen ihren Sieg über Machthaber Muammar al-Gaddafi.

Vor dem Ausbruch der Kämpfe hatte Libyen gut 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert. Analysten halten es für realistisch, dass das Land innerhalb weniger Monate wieder auf ein Fördervolumen von gut einer Million Barrel pro Tag kommen kann.

Wegen der Erwartung großflächiger Produktionsausfälle war der Brent-Preis im April auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 127,02 Dollar geklettert. Einen Dämpfer erhielt der Ölpreis zum Wochenauftakt auch von den skeptisch beurteilten Aussichten für die Weltwirtschaft.

„Die Konjunkturdaten aus den USA und Europa haben in den vergangenen Wochen zu wünschen übrig gelassen“, sagte Tony Nunan, Analyst bei Mitsubishi Corp. „Das dürfte den Preis für WTI langfristig weiter unter Druck setzen.“ Seit Anfang August hat der Preis für US-Öl mehr als 13 Prozent verloren.

Gold-Preis klettert auf neues Rekordhoch

Auf der Suche nach einem sicheren Hafen für ihr Geld suchten die Anleger zum Wochenauftakt erneut ihr Heil in Gold. Die Rezessionsangst trieb den Preis für das Edelmetall den dritten Tag in Folge auf ein Rekordhoch und verteuerte sich in der Spitze um 1,9 Prozent auf 1894,10 Dollar je Feinunze.

Im Sog des steigenden Goldpreises kletterte auch der Preis für Platin auf ein Drei-Jahres-Hoch von 1895 Dollar je Feinunze. Silber notierte 2,2 Prozent fester bei 43,80 Dollar. „Wir rechnen für die kommenden Monate nicht mit Unterstützung durch die US-Konjunktur“, sagte UBS-Rohstoffanalyst Tom Price. Die Aussichten für Europa schätze er sogar noch schlechter ein. „Kurzfristig ist ein Goldpreis von 1900 bis 2000 Dollar das nächste Ziel.“