Fluchtwährung

Schweizer Notenbank geht gegen starken Franken vor

Aus Angst vor Euro- und US-Schuldenkrise flüchten Anleger in Franken. Die Schweizer Nationalbank will dem nun nicht mehr tatenlos zusehen.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o / picture alliance / Bildagentur-online

Die Schweizer Nationalbank (SNB) lockert im Kampf gegen den starken Franken ihre Geldpolitik. Ab sofort strebt die Nationalbank einen Dreimonats-Libor so nahe bei Null wie möglich an und verengt ihr Zielband für den Dreimonats-Libor auf null bis 0,25 Prozent, hieß es in einer Mitteilung der Notenbank. Das Zielband, das als eine Art Leitzins fungiert, hatte zuletzt bei Null bis 0,75 Prozent gelegen.

Der Franken, der als Fluchtwährung gilt, hatte in der Nacht gegenüber dem Euro mit 1,0790 Franken ein neues Rekordhoch markiert. In den vergangenen Wochen hatte sich der Franken wegen der Verunsicherung der Kapitalmärkte im Kontext der Euro-Schuldenkrise massiv verteuert.

Nach Bekanntgabe der Sofortmaßnahmen verteuerte sich der Euro auf 1,0980 Franken. Die SNB erklärte ausdrücklich, sie behalte sich weitere Maßnahmen vor. Die Nationalbank betrachte die heimische Währung zur Zeit als massiv überbewertet, hieß es in der Mitteilung weiter. Die gegenwärtige Frankenstärke bedrohe die Wirtschaftsentwicklung und erhöhe die Risiken für die Preisstabilität in der Schweiz, so die SNB. Seit der letzten vierteljährlichen Lagebeurteilung der SNB haben sich zudem die globalen Wirtschaftsaussichten eingetrübt, gleichzeitig habe sich die Aufwertung des Frankens in den letzen Wochen massiv beschleunigt, hieß es.

Entsprechend hätten sich die Aussichten der Schweizer Wirtschaft verschlechtert. Die Schweizer Notenbank kündigte gleichzeitig an, die Liquidität am Schweizer-Franken-Geldmarkt über die nächsten Tage massiv erhöhen zu wollen: So beabsichtigt sie, die Giroguthaben der Banken bei der SNB von derzeit rund 30 Milliarden Franken auf 80 Milliarden Franken zu erhöhen.

Mit sofortiger Wirkung wird die Nationalbank deshalb auslaufende Repos und SNB Bills nicht mehr erneuern und ausstehende SNB Bills zurückkaufen bis der angestrebte Girobestand erreicht ist.