Währungsprobleme

Dollar-Krise würgt die Schweizer Wirtschaft ab

Der Franken klettert auf ein Rekordhoch. Die exportabhängige Wirtschaft bricht ein. Die Schweiz muss Arbeitslosigkeit und Exportverluste fürchten.

Der Kurs des Schweizer Franken ist auf ein Rekordhoch im Handel mit dem Euro gesprungen. Angesichts neuer Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der US-Wirtschaft fiel der Eurokurs im Vormittagshandel zeitweise bis auf 1,0989 Franken. Ein Franken kostete damit rund 90 Cent.

Die Währung der Schweiz stand damit so hoch wie noch nie. Der Franken nimmt seit Monaten Kurs auf eine Parität zur europäischen Gemeinschaftswährung. Im weiteren Handelsverlauf fiel der Franken wieder leicht zurück und stand zuletzt bei 1,1041 je Euro.

Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist, dass zuletzt eine ganze Reihe überraschend schwacher Konjunkturdaten aus den USA für Unsicherheit bei Investoren sorgten. „Die US-Schuldenkrise ist gezähmt, die Wirtschaftskrise ist zurück“ – so beschrieben Experten der Commerzbank die Lage an den Finanzmärkten.

Wenn Investoren auf „Nummer sicher“ gehen wollen, kaufen sie häufiger den Schweizer Franken. Die „üblichen Verdächtigen“ würden derzeit besonders stark nachgefragt, sagte dazu der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer.

Die Schweizer Wirtschaft droht nun den Kampf gegen den starken Franken zu verlieren. Das ist zumindest die pessimistische Einschätzung in weiten Teilen der Unternehmerschaft. Immer häufiger ertönt der Ruf, die Regierung müsse eingreifen. Da die Margen wegbrechen, drohen Kurzarbeit und herbe Exportverluste. Derweil helfen sich Schweizer Firmen, indem sie sich gegenseitig Rechnungen in Euro ausstellen.

Euro wird in der Schweiz zum Zahlungsmittel

Der Euro ist zwar noch nicht offizielles Zahlungsmittel in der Schweiz, doch im Zahlungsverkehr von Unternehmen hat er teilweise schon diesen Status. Da nach Schweizer Recht die Freiheit besteht, auch in anderen Währungen statt des Franken Rechnungen aufzustellen oder zu erteilen, kommt dem Euro bereits die Rolle einer Vertragswährung, wie Heinz Hauser, Außenwirtschaftsexperte an der Universität St. Gallen beobachtet. Er habe das kommen sehen, sagte Hauser im Schweizer Rundfunk. „Das Währungsrisiko wird somit breiter verteilt.“

In einer Studie sieht das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte bei Großkonzernen eine höhere Bereitschaft, Arbeitsplätze im Ausland anzusiedeln. „Die Lage ist alarmierend, die Krise könnte bevorstehen“, sagte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann kürzlich. Es sei wahrscheinlich, dass die Beschäftigungssituation in der Schweiz in der zweiten Jahreshälfte unter Druck komme. Wäre also eine Anbindung des Franken an den Euro eine Lösung? „Indirekt würde eine solche Maßnahme heißen, dass wir nicht nur die Währungsunabhängigkeit, sondern überhaupt die Unabhängigkeit aufgeben“, sagte der Minister dem „Blick“. Stattdessen will die Regierung Innovationen fördern oder dem Tourismus helfen.

Ausfuhren stagnieren

Fest steht, dass der Exportboom der Schweizer Industrie des ersten Halbjahres außer bei den Uhrenexporten erst einmal vorbei ist – die Ausfuhren stagnieren und die Preise fallen. Wer die Preise nicht senkt, verliert seine Kunden. Und selbst wer noch gut exportiert, macht durch die Frankenhärte zum Teil schon rote Zahlen, wie die Maschinenindustrie feststellen muss.

Also bleibt derzeit nur ein Mittel: Längere Arbeitszeiten in der Schweiz ohne Lohnausgleich, um die Produktivität zu steigern. Wie etwa beim Chemieunternehmen Lonza in Basel. Seit dem 1. Juli ist dort die Arbeitszeit befristet auf 18 Monate von durchschnittlich 41 auf 43 Stunden erhöht worden – mit Billigung der Gewerkschaften. Jetzt warten alle darauf, dass der Franken schwächer wird.