30.000 Berliner Kunden

Wie Teldafax-Gläubiger an ihr Geld kommen

Das Insolvenzverfahren gegen den Billig-Stromanbieter Teldafax ist das bisher größte in Deutschland. Im Dunkeln sitzen musste zwar niemand, doch allein in Berlin sind rund 30.000 Verbraucher betroffen. Morgenpost Online klärt auf, was geschädigte Kunden tun sollten.

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Dem insolventen Energie-Billiganbieter Teldafax steht mit rund 700.000 Gläubigern das bislang größte Insolvenzverfahren in Deutschland bevor. Das Amtsgericht Bonn eröffnete das Verfahren über acht Gesellschaften des Troisdorfer Unternehmens, teilte ein Gerichtssprecher mit. Der Rechtsanwalt Biner Bähr wurde zum Insolvenzverwalter bestellt. Teldafax hatte am 14. Juni Zahlungsunfähigkeit angemeldet und die Belieferung der Kunden mit Strom und Gas ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des gewerbsmäßigen Betrugs. Das Unternehmen soll trotz seiner desolaten Situation neue Kunden geworben haben, um deren Vorauszahlungen zu kassieren.

In Berlin hatte Vattenfall den Netzzugang von Teldafax am 18. Mai gesperrt – wegen ausbleibender Netznutzungsentgelte. Rund 30.000 Berliner Teldafax-Kunden fielen damit an den „Grundversorger“ Vattenfall zurück. Mit der Eröffnung der Insolvenzverfahren können die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Die weitaus größte Zahl dürften Stromkunden sein, die noch auf Rückzahlungen warten. Darüber hinaus sind Lieferanten und Mitarbeiter betroffen. Viele Verbraucher hätten Teldafax bis zu einer Jahresrate als Vorauszahlung überwiesen – und im Gegenzug einen günstigeren Tarif versprochen bekommen. Manche hätten auch eine Kaution geleistet.

Insolvenzverwalter Bähr kündigte an, dass alle bekannten Gläubiger jetzt ein Anmeldeformular erhalten, auf dem sie ihre Ansprüche anmelden können. Dieses ist mit einem elektronisch lesbaren Barcode versehen und ermöglicht so eine sachgerechte Zuordnung und Bearbeitung der Forderungsanmeldung. Wegen der einmalig großen Zahl von Gläubigern werde das einige Wochen in Anspruch nehmen. Die Gläubiger würden gebeten, auf ihr Anmeldeformular zu warten und von Anmeldungen auf anderem Wege abzusehen. Sollte ein Gläubiger bis zum Jahresende vom Insolvenzverwalter nicht kontaktiert worden sein, sollte er seine Forderungsanmeldung selbstständig vornehmen. Informationen zum weiteren Vorgehen und zur Gläubigerversammlung werden zudem im Internet veröffentlicht. Der Insolvenzverwalter kann keine Eingangsbestätigung verschicken. Aber Gläubiger, die ihren PIN-Code erhalten haben, können ab Anfang Oktober auf der Internetseite des Insolventverwalters die Forderungsanmeldung einsehen.

Die erste Gläubigerversammlung soll am 8. November in Köln stattfinden. Bei diesem sogenannten Berichtstermin informiert der Insolvenzverwalter über den bisherigen Verlauf des Verfahrens. Eine schriftliche Zusammenfassung ist danach im Internet einsehbar. Nötig ist dafür aber ein Sicherheitscode (PIN) für das „Gläubigerinformationssystem“. Die PIN erhalten die Gläubiger mit Übersendung des Anmeldeformulars durch den Insolvenzverwalter. Der Besuch der Gläubigerversammlung im November ist freiwillig. Eine Teilnahme erhöht nicht die Chancen auf Entschädigung. Gegebenenfalls erforderliche Beschlüsse werden dort mit einfacher Mehrheit der anwesenden Gläubiger gefasst. Das Amtsgericht Bonn weist darauf, dass es wegen der großen Gläubigerzahl zu langen Wartezeiten bei den Einlasskontrollen kommen könne.

Nichts oder nur sehr wenig

Bis Mitte 2012 werden die Forderungen gesammelt und gesichtet. Nach diesem Datum werden die angemeldeten Forderungen schubweise geprüft. Jeder Gläubiger, dessen Forderung geprüft ist, bekommt automatisch einen Tabellenauszug. Auch die Versendung erfolgt aufgrund der erwarteten großen Menge von Forderungsanmeldungen schubweise. Amtsgericht und Insolvenzverwalter bitten daher die Betroffenen um Geduld. Wird die Forderung bestätigt, wird das zur Verfügung stehende Geld anteilsmäßig nach der „Insolvenzquote“ verteilt. Dies geschieht aber erst am Ende des Verfahrens. „Dies wird durchaus einige Jahre dauern“, erklärt das Amtsgericht Bonn.

Verbraucher müssen sich aber darauf einstellen, dass sie nichts bekommen oder nur eine sehr geringe Summe, sagte der Rechtsanwalt und Energierechtsberater für die Verbraucherzentrale Hamburg, Jan Bornemann. Bei einer gewöhnlichen Insolvenz sei es schon ein Erfolg für die Gläubiger, wenn fünf Prozent ihrer Forderungen bedient würden. Die Lehre aus der Insolvenz des Stromanbieters ist Bornemann zufolge: „Der Billigste ist nicht der Beste.“ Wenn ein günstiger Versorger Vorauszahlungen fordere, müsse sich ein Verbraucher fragen, inwieweit er dem Unternehmen vertraue. mit dpa; dapd; AFP

Informationen zum weiteren Ablauf des Insolvenzverfahrens im Internet:

www.teldafax.de

www.ag-bonn.nrw.de

www.insolvenzbekanntmachungen.de

http://inso.whitecase.com/insolvenzverfahren