Vergleichsportale

Online-Rechner bieten oft falsche Versicherung an

Kunden finden laut einer Studie bei Vergleichen im Internet oft nicht die passende Auto-Police. Weder Portale noch Versicherer wollen schuld sein.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Es sind lange nicht mehr nur die absoluten Sparfüchse, die Vergleichsportale im Internet aufsuchen. Gerade bei Versicherungsvergleichen geht es auch darum, den für sich passenden Tarif zu finden. Umso schlimmer, wenn die Suche nicht das bringt, was sich der Kunde erhofft. Dann hat man im Zweifel nicht nur zuviel gezahlt sondern darüber hinaus auch noch einen miesen – oder doch zumindest unpassenden – Versicherungsschutz.

Wer schuld an der Situation ist, darüber streiten die Beteiligten: Die Versicherer werfen den Portalen vor, immer höhere Provisionen einstreichen zu wollen. Und die Betreiber der Vergleichsrechner schimpfen auf Versicherer, die sich teilweise gar nicht oder auch nur beschränkt abbilden lassen wollen. „Absolute Transparenz gibt es nicht – vor allem, weil einige Anbieter das nicht wollen“, sagt Daniel Friedheim von Check24.

Die HUK-Coburg etwa hat unlängst ihren lange gehegten Plan, ein Online-Vergleichsportal zu kaufen, in die Tat umgesetzt. Zusammen mit HDI Direkt und WGV kaufte sich der Versicherer bei Aspect Online ein. Alle diese Anbieter erscheinen jetzt Zug um Zug nicht mehr bei den anderen Portalen. Unter der mangelnden Transparenz leidet vor allem einer: der suchende Kunde. Die Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern, kurz Goslar-Institut, hat Vergleichsportale unter die Lupe nehmen lassen.

Das Gesamtergebnis der Studie zeichnet ein eher trostloses Bild. Die preiswertesten Angebote kommen ausgerechnet von denjenigen Portalen, die am häufigsten Kundenwünsche nicht berücksichtigen. Umgekehrt führen diejenigen Portale, bei denen sehr viel deutlicher auf Wünsche eingegangen wird, zu den teureren Anbietern.

Etwas pikant im Geschmack: Hinter dem Institut steht der Hauptkritiker der klassischen Vergleichsportale, die HUK. Trotzdem: Auch ihr eigenes neues Portal, Aspect Online, war mit im Test. Ob es gut abgeschnitten hat, erkennt man nicht: Die Anbieter sind anonymisiert.

Erstellt hat die Studie das mit der Universität Leipzig zusammenarbeitenden Institut für Versicherungswissenschaften, Leipzig (IfVW). Es hat Kfz-Policen ausgewertet und dabei die Portale Aspect Online , Check24 , FinanceScout24 , FSS-online , Geld.de , ino24.de sowie Toptarif berücksichtigt.

Wer einen Blick hinter die Kulissen der virtuellen Beratung wirft, kann aber auch im Detail Erstaunliches entdecken. Was die unterschiedlichen Provider als besonders preiswert und daher empfehlenswert erachten, weicht zum Teil deutlich voneinander ab. Entscheidet sich ein Kunde für das falsche Portal, kann er rasch viel Geld verlieren.

Anhand von 15 fiktiven Versicherungskunden und mit jeweils 100 Angaben hatten die Tester an einem Novembertag im vergangenen Jahr bei allen genannten Portalen Abfragen nach der günstigsten Police durchgeführt. In die Auswertung flossen pro Kunde die jeweils drei hinsichtlich Preis und Leistung als am besten bezeichneten Tarife.

Schon auf der Suche nach der niedrigsten Prämie kam es zu eklatanten Abweichungen. Nur zwei von sieben Portalen schafften es, zumindest für vier Nutzer tatsächlich den wirklich preiswertesten Durchschnitt zu unterbreiten. Drei Portale vermochten dies gerade mal für zwei Kunden, bei zweien von ihnen wäre nur ein Interessent tatsächlich an der richtigen Adresse gewesen. Studienleiter Professor Fred Wagner zieht daraus einen enttäuschenden Schluss: „Es existiert kein Portal, das für alle Musterkunden immer das günstigste ist.“

Untersucht hat er auch, wie sehr ein Portal auf die Leistungswünsche eines Kunden an seine künftige Kfz-Police einging. Dazu abgefragt wurden unterschiedlichste Merkmale der Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit, der Selbstbehalt in Teil- oder Vollkasko oder die erweiterte Neuwertentschädigung. Auch hier fällt das Fazit ernüchternd aus.

In 184 Fällen wurden Tarife angezeigt, die den Fahrlässigkeitsverzicht abdecken, obwohl dies vom betreffenden Kunden gar nicht ausdrücklich gewünscht wurde. Immerhin handelt es sich bei einigen dieser Bausteine um Leistungsmerkmale zum Vorteil der Kunden, wenngleich unter Umständen für eine höhere Prämie. Es geht jedoch auch andersherum.

In 152 Fällen wurden bei den Tarifangeboten ausdrückliche Wünsche geflissentlich nicht zur Kenntnis genommen. So zeigten Portale unter den drei vermeintlich besten Angeboten auch Tarife mit einem Selbstbehalt in Teilkasko von 150 Euro – obwohl sich der Nutzer ausdrücklich nicht an den Kosten eines Schadens beteiligen wollte.

Besonders häufig nahmen einzelne Wettbewerber in ihren Auswertungen etwa das Verlangen nach einem Rabattretter oder einer erweiterten Neuwertentschädigung nicht zur Kenntnis. Ein möglicher Hintergrund liegt für Wagner in der Produktpolitik mancher Versicherer. Immerhin sei positiv zu vermerken, dass die Portale es deutlich anzeigten, wenn ein Tarif einen bestimmten Kundenwunsch nicht erfülle.

Eine Vielzahl von negativen Abweichungen lasse sich jedoch, so der Wissenschaftler, auch noch ganz anders erklären: „Ein Kerntreiber für die Abweichungen ist, dass bestimmte Kundenwünsche im Eingabeprozess durch die Portale gar nicht erst abgefragt werden.“ So führen gleich drei von ihnen nicht einmal 30 Versicherungsgesellschaften im Programm und bilden damit nur etwa ein Drittel des Marktes ab. Schlechter kann man Provisionsinteressen kaum verbergen.

„Wir haben die Benchmark bei 70 Versicherungen gesetzt“, sagt Friedheim. Was Verbrauchern bleibt? Trotzdem vergleichen. Und darauf achten, dass der Anbieter nicht zu wenige Versicherer im Portfolio hat und nicht zu wenig Fragen stellt. „Es ist oft mühselig – aber wer denkt, mit dem Setzen von drei Kreuzchen eine passende Versicherung zu finden, der liegt falsch“, sagt Friedheim. Kunden sollten stutzig werden, wenn sie wenig Angaben machen müssen.