Verkauf des US-Geschäfts

Kurs der Telekom-Aktie geht durch die Decke

Die Telekom hat mit dem Verkauf ihrer US-Tochter ein Kursfeuerwerk an der Börse ausgelöst. Die T-Aktie legte um mehr als zwölf Prozent zu.

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Die Deutsche Telekom zieht in den USA die Reißleine und trennt sich mit dem Verkauf der US-Mobilfunktochter von einem Drittel ihres Geschäfts. Die Börse feierte den Radikalschnitt am Montag als Befreiungsschlag. Einst Ertragsgarant, geriet T-Mobile USA gegen die Konkurrenz immer mehr ins Hintertreffen und geht nun für 39 Milliarden Dollar (28 Milliarden Euro) an den US-Telekomkonzern AT&T. An der Börse sorgte die Nachricht für ein Kursfeuerwerk: Die Telekom-Aktie zog bis Mittag um über 12 Prozent an.

„Wir haben die beste Lösung für unser Unternehmen, unsere Kunden und unsere Aktionäre gefunden“, sagte Telekom-Chef Rene Obermann. An der Börse wurde dies ähnlich gesehen. „Der Verkauf löst wohl das wichtigste Problem bei der Telekom, und zudem wird T-Mobile USA zu einem sehr attraktiven Preis abgegeben“, sagte ein Börsianer. „Dies war mit Abstand die attraktivste Möglichkeit“, sagte Telekom- Finanzchef Tim Höttges. Die Erwartungen an einen Verkaufspreis seien erheblich geringer gewesen.

Im Schnitt sei T-Mobile USA mit 17,5 Milliarden Euro bewertet worden. Nun erhalte die Telekom von AT&T 28 Milliarden Euro. „Wir verkaufen ein Viertel des Unternehmens und bekommen 70 Prozent des Unternehmenswertes der Telekom.“ Die Bonner wollen mit den Milliarden Schulden abbauen und ins bestehende Geschäft investieren. Große Zukäufe sind nicht geplant. „Wir konzentrieren uns auf den organischen Umbau des Geschäfts“, sagt Höttges.

Dabei setzt er auf Dienstleistungen über das Internet, neue Geschäftsfelder wie das vernetzte Auto sowie intelligente Energienetze. „Die Telekom muss mehr werden als nur Netzbetreiber.“ Die Gefahr wettbewerbsrechtlicher Schwierigkeiten hält Höttges für gering. AT&T habe große Erfahrung mit Übernahmen und amerikanischen Wettbewerbshütern. „Bei kleineren Auflagen wird der Deal nicht scheitern. Im unwahrscheinlichen Fall, dass er bei größeren Auflagen doch scheitert, zahlt AT&T uns drei Milliarden Dollar.“

Der Konzern hatte seine US-Mobilfunktochter zuletzt auf den Prüfstand gestellt. Die Nummer vier im US-amerikanischen Mobilfunk-Markt verlor Kunden und fiel hinter die Konkurrenz zurück. Viele Nutzer beschwerten sich über unzureichende Netzabdeckung und wanderten zu den größeren Anbietern ab. Die Telekom hatte sich zuletzt alle Möglichkeiten für die Tochter mit rund 34 Millionen Kunden offen gelassen: Eine Partnerschaft, einen Börsengang, einen teilweisen oder kompletten Verkauf oder eine Netzkooperation.

Wie das Schwesterunternehmen Deutsche Post hatte sich die Telekom nach der Privatisierung auf die Suche nach einem zukunftsträchtigen zweiten Standbein neben dem schrumpfenden Monopolgeschäft gemacht. Sie stieg 2001 mit der Übernahme der Mobilfunkbetreiber Voicestream und Powertel in den USA ein.

Das zahlte sich zunächst aus, T-Mobile USA war mehrere Jahre eine Ertragsperle. Doch dann drehte sich der Wind: Kunden begannen sich über die lückenhafte Netzabdeckung und das Fehlen des heißbegehrten iPhones von Apple in der Handypalette zu beklagen und wechselten in Scharen zu den Platzhirschen AT&T und Verizon Wireless. Mit dem Verkauf verhindert Obermann nun einen kostspieligen und von vielen als aussichtslos bezeichneten Kampf. Er entschied sich für ein schnelles Ende – und ließ ihn sich noch mit viel Geld versüßen.