Imageproblem

Sparer ignorieren die Tipps von Anlageberatern

Das Image der Finanzberater hat so stark gelitten, dass Anleger lieber Geld verlieren als auf sie zu hören, stellt eine Studie fest.

Foto: Infografik Welt Online

Zu vertrauen ist gut, nicht zu vertrauen ist besser“, sagte schon der italienische Komponist Giuseppe Verdi. Nach dieser Maxime handeln heute auch viele enttäuschte deutsche Privatanleger und verschenken damit mögliche Rendite. Sie misstrauen laut einer Studie dem Urteil von Anlageberatern mittlerweile so sehr, dass sie selbst richtige Empfehlungen von ihnen ignorieren. Dazu beigetragen haben neben den zahlreichen schwarzen Schafen auf dem freien Markt auch die bei den Kreditinstituten angestellten Berater, die in der Vergangenheit häufig ihre Umsatzziele und Provisionen über den Anlageerfolg ihrer Kunden stellten.

Das hat laut einer Untersuchung der Uni Frankfurt dazu geführt, dass selbst gute Tipps von Beratern kaum noch befolgt werden. Bei aller Verunsicherung der Konsumenten überraschte das Ergebnis eines Feldversuchs mit 8000 Kunden eines Online-Brokers den Finanzwissenschaftler Andreas Hackethal. Den Kunden wurde eine zunächst kostenlose und nicht provisionsgetriebene Anlageberatung angeboten. Es wurden im Vergleich zum bisherigen Anlageverhalten mehr internationale Aktien- und kostengünstigere Index-Fonds empfohlen und dafür weniger Einzelaktien und gar keine Anleihen mehr.

Obwohl die Kunden im Jahr zuvor im Schnitt sechs Prozent schlechter als der Markt abgeschnitten hatten, nahm nur jeder 20. die Beratung überhaupt an. Von diesen fünf Prozent setzte wiederum nur die Hälfte zumindest einen Teil der Tipps um – zu 100 Prozent folgte niemand, obwohl es sich gelohnt hätte.

Mehr Wissen über Finanzfragen nötig

Die Beratung sei nicht angenommen worden, weil ihre Qualität nicht sofort erkennbar war, sagt Professor Hackethal. „Und deswegen sagt der Kunde, das ist wahrscheinlich eine Beratung wie alle anderen auch, und bleibt lieber bei seinen Fehlern.“ Helfen können hier nur mehr Selbstkritik und eine bessere Wissensvermittlung über Finanzfragen.

Die typischen Fehler der Kleinanleger seien in zahlreichen Studien belegt: Privatleute vertrauen in der Regel zu sehr auf ihren Heimatmarkt und scheuen die Vielfalt der weltweiten Anlagemöglichkeiten. Gewinner werden zu früh verkauft, Verlierer zu lange gehalten. Manche handeln zu hektisch und verlieren so Geld über Gebühren und Provisionen.

Für ganz falsch hält Hackethal zudem die Konzentration auf einzelne Aktien, weil damit ein hohes Risiko eingegangen werde, ohne dass überdurchschnittliche Chancen entstehen. An den Börsen herrsche ein regelmäßiges Rennen um die besten Informationen, das Laien gegen den Markt nur verlieren könnten. „Privatanleger haben in der Regel keinen Informationsvorteil“, sagt der Professor nüchtern. Sie könnten höchstens mit dem Markt mitlaufen.

Nicht immer auf Berater hören

Nach früheren Forschungen der Frankfurter gemeinsam mit der Universität Neapel tun Anleger aber auch zum Teil gut daran, nicht auf eine Beratung zu vertrauen. Zum Teil führte das Wirken der Profis sogar zu schlechteren Ergebnissen im Vergleich zu unberatenen Sparern. „Die Ergebnisse lassen sich darauf zurückführen, dass die Berater die systematischen Anlagefehler ihrer Kunden nicht ausreichend korrigieren und häufig auch höhere Kosten produzieren“, folgert Hackethal.

In Deutschland sind Titel wie Anlageberater oder Finanzberater nicht geschützt. In der Praxis der großen Strukturvertriebe verkaufen Menschen aller möglichen Berufe nach Feierabend hochkomplexe Finanzprodukte. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will die Anforderungen an den Berufsstand daher gesetzlich regeln, die Frankfurter Wissenschaftler beraten sie dabei. Gegen den Widerstand der Kreditwirtschaft wurde bereits ein Register bei der Aufsichtsbehörde BaFin etabliert.

Das häufig empfohlene Modell der Honorarberatung sei nicht das Allheilmittel, glaubt Experte Hackethal. Wenn statt der üblichen Provisionen nun Honorare nach Zeit oder prozentual nach Anlagesummen gezahlt würden, könne auch dies die Berater zu einer minderwertigen Dienstleistung verleiten. „Es gibt nicht das optimale Vergütungsmodell“, sagt der Finanzwissenschaftler. Beratung sei eben ein Vertrauensgut, ihre Qualität nur langfristig erfahrbar.

Die Honorarberater sehen sich hingegen eindeutig im Aufwind. „Nach Lehman besteht ein ständig wachsendes Interesse an unabhängiger Beratung. Die Leute haben Angst davor, in ihrer Bank Produkte aufgeschwätzt zu bekommen, die sie gar nicht brauchen“, sagt Dieter Rauch vom Verbund Deutscher Honorarberater (VDH). Im Gegensatz zu den diversen Arten der offenen und versteckten Provisionen böten Honorarberater klar umrissene Leistungen zu einem vertraglich vereinbarten Entgelt an.