Nobelhotelier

Adlon-Chef übersteht Putsch kritischer Anleger

Anno August Jagdfeld bleibt vorerst an der Spitze des Edelhotel-Fonds. Doch die Attacken aus der Schutzgemeinschaft werden fortgesetzt.

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Der Putschversuch gegen Anno August Jagdfeld ist kläglich in sich zusammen gebrochen. Dem Chef der Fondsgesellschaft für das Berliner Nobel-Hotel Adlon ist es damit einmal mehr gelungen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Die "Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger", in der sich unter der Regie des Berliner Anwalts Thomas Fritsch 220 Miteigentümer des Hotels organisiert hatten, schaffte es nicht, den Immobilienunternehmer aus dem Amt zu drängen und eigene Vertraute an die Spitze zu stellen.

Eine "deutliche Mehrheit von 74 Prozent habe" für Jagdfeld gestimmt, sagte sein Sprecher Christian Plöger. Die Anleger hätten sich ebenfalls mit deutlicher Mehrheit für eine Einbehaltung der erwirtschafteten Überschüsse ausgesprochen.

"Ich freue mich, dass die überwiegende Mehrheit der Anleger die Gefahren für die Zukunft des Adlon erkannt hat, die mit dem Konzept des Anwalts Fritsch verbunden waren. Seine Kampagne hat nicht verfangen, so dass wir uns jetzt wieder unserer Arbeit widmen können", sagte Jagdfeld, der seit 1994 als Komplementär die Geschäfte der Adlon-Fondsgesellschaft führt.

Attacken sollen weiter gehen

Die Schutzgemeinschaft will Jagdfeld aber weiter attackieren. "Wir waren wohl mit unseren Maximalforderungen etwas zu euphorisch gewesen", sagte Anwalt Fritsch. "Wir behalten uns weitere Maßnahmen für eine zusätzliche Kontrolle Jagdfelds vor."

An der von Freitagnachmittag bis in die Nacht dauernden Versammlung im völlig überfüllten Ballsaal des Adlon nahmen 800 Menschen teil, darunter 660 Gesellschafter oder deren Vertreter. Erst gegen zwei Uhr nachts stand das Ergebnis der Abstimmungen fest.

Anwalt Fritsch, der den Abwahlantrag gegen Jagdfeld eingebracht hat, machte noch während des Treffens eine komplette Kehrtwende und wollte sein Konzept nach mehrstündiger Aussprache zurückziehen. So bat er plötzlich – für viele Teilnehmer völlig überraschend –, den Abwahlantrag gegen Jagdfeld zu stoppen, was die Notarin, die die Versammlung leitete, aber ablehnte. Fritsch, der bislang vorgab, 1900 der insgesamt 4400 Anleger zu vertreten, hatte immer mehr Stimmrechte verloren.

Jagdfeld hatte zuvor in einer sehr selbstbewussten Rede für den Verbleib an der Spitze der Fondsverwaltung geworben. Für die Abwahl müsse es auch einen wichtigen Grund geben. Und den gebe es nicht. Sollte es zur Abwahl kommen, werde er dies gerichtlich anfechten, sagte der 64-jährige Unternehmer. Wie so oft konnte der charismatische Fundus-Chef mit seiner Überzeugungskraft große Teile der Anlegerschaft wieder auf seine Seite ziehen.

Doppelspitze ist ausgeschlossen

Die Schutzgemeinschaft versuchte noch, einen Kompromiss durchsetzen: Für die Fondsgesellschaft solle es künftig eine Doppelspitze mit Jagdfeld und der gegnerischen Lorenz A. GmbH geben, so der Vorschlag. Rechtlich soll dies aber nicht möglich sein. Der Vorschlag von Fritsch, der ziemlich hilflos wirkte, wurde von einem Teil der Gesellschafter mit Spott und Gelächter quittiert. Der Anwalt gestand sogar ein, dass sein Konzept rechtlich und steuerlich Mängel aufweise.

Knackpunkt waren nämlich die finanziellen Folgen eines Machtwechsels. Wäre es gelungen, Jagdfeld durch die eigens für diesen Zweck gegründete Grand Hotel Lorenz A. Verwaltungs GmbH zu ersetzen, wäre eine zusätzliche Steuerlast entstanden. Das Fondsvermögen, das steuerlich als Privatvermögen gewertet wird, wäre dann ein Betriebsvermögen mit zusätzlichen Belastungen.

Die Fondsgesellschaft hätte jährlich Gewerbesteuern in sechsstelliger Höhe zahlen müssen. Bei einer Veräußerung des Immobilienvermögens würde der Gewinn zudem steuerpflichtig werden. Zusätzliche Steuern für das Steuersparmodell Immobilienfonds? Das wirkte und trieb viele Anleger auf Jagdfelds Seite.

In dem erbitterten Streit einer Gruppe von Adlon-Anlegern mit Jagdfeld ging es um den zeitweiligen Verzicht von Ausschüttungen, um die Finanzkraft der Adlon-Fondsgesellschaft zu stärken. Im Jahr 2016 muss ein Kredit der schweizerischen Großbank Credit Suisse im Volumen von 160 Millionen Euro umgeschuldet werden.

Kritik an Jagdfelds "mafiaartigem" System

Jagdfeld hatte schon vor einem Jahr vorgeschlagen, die Ausschüttungen anzusammeln, um günstig umfinanzieren zu können. Ohnedies hat die Fondsgesellschaft gegenwärtig Überschüsse von 15 Millionen Euro in der Kasse und ist nicht, wie oft behauptet wird, finanzschwach. Mit der aktuellen Abstimmung hat Jagdfeld erreicht, die Gewinne anzusammeln, um die finanziellen Belastungen in Zukunft zu verringern.

Zur Diskussion stand auch das, wie seine Gegner meinten, "mafiaartige" System Jagdfeld und die vielen "In-Sich-Geschäfte" mit Vertretern der eigenen Familie. Der Unternehmer hatte dies immer mit Dienstleistungen aus einer Hand begründet. Seine Gegner werfen der Familie aber Bereicherung vor. Jagdfeld konterte auf der Versammlung: Die Mitwirkung seiner Familie sei schon im Fondsprospekt nachzulesen gewesen.

Erboste Anleger werden allerdings noch die Vermittler der Adlon-Fonds wegen Falschberatung auf Schadenersatz verklagen, weil die prospektierten Ausschüttungen nicht gezahlt werden. Zum großen Teil wurden die Adlon-Fonds von der früheren Dresdner Bank verkauft. Doch solche Ansprüche verjähren zum Jahresende. Und noch ein Unheil droht: Der Streit um das Adlon hat Kaufinteressen angezogen. Derzeit prüft ein Schweizer Großinvestor die Übernahme.

In die Schlagzeilen geriet zuletzt auch Jagdfelds Fonds für das Grand Hotel Heiligendamm an der Ostsee, wo Anleger einen Kapitalschnitt von 90 Prozent hinnehmen mussten und Geld nachschießen sollen. Für eine Finanzlücke von 32 Millionen Euro werden noch Geldgeber gesucht. Auf der letzten Versammlung der Heiligendamm-Gesellschafter gelang es Jagdfeld im März ebenfalls, die Anleger für seine Schritte zu überzeugen.