Obergrenze

Bei den Schulden spielt Amerika mit dem Feuer

Eine Pleite der USA hätte dramatische Folgen für die Finanzmärkte der ganzen Welt. Anleger sollten schon jetzt reagieren.

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Beide Länder kämpfen mit einer wirtschaftlichen Misere. Beide sind hoffnungslos überschuldet. Beide sind in Gefahr, schon in wenigen Wochen ihre Schulden nicht mehr bedienen zu können. Doch während für griechische Anleihen an den Märkten Zinsen von 17,5 Prozent für zehnjährige Laufzeiten verlangt werden, kann sich die USA immer noch für unter drei Prozent Geld leihen. Dabei ist die Lage kaum weniger dramatisch als in Athen.

Präsident Obama und die oppositionellen Republikaner können sich partout nicht darauf einigen, die Schuldenobergrenze anzuheben. Wenn ihnen das bis 2. August nicht gelingt, dann sind die Kassen in Washington leer und dann könnte ein Zahlungsausfall kurz bevorstehen. Die Folgen wären verheerend.

"Wenn die Schuldengrenze erreicht und nicht angehoben wird, dann wird der Finanzminister wohl zunächst den Zinszahlungen Vorrang einräumen", sagt Cyrus de la Rubia, Anleihenexperte bei der HSH Nordbank. Das bedeutet, die Einnahmen aus Steuern und Abgaben würden zunächst für den Schuldendienst verwendet. Nur, wenn etwas übrig bleibt, würden auch Staatsbedienstete, Rentner oder Sozialhilfeempfänger noch etwas bekommen. Das wäre eine Katastrophe für Millionen US-Bürger. Doch es könnte noch schlimmer kommen.

Denn dies könnte nicht lange durchgehalten werden. Alle paar Wochen muss Washington Schulden von vielen Milliarden zurückzahlen. Dies gelingt bisher, weil parallel dazu gleich wieder neue Schulden aufgenommen werden. Geht das nicht mehr, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Gläubiger nicht mehr bedient werden können. Dann wäre die USA pleite. Und dann dürften auch die Finanzmärkte endgültig aus ihrer Sorglosigkeit gerissen werden.

Staatsanleihen böten keine Sicherheit mehr

Eine Folge wäre, dass US-Banken die Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten hinterlegen könnten, wenn sie sich Geld leihen. Die Geldversorgung des Finanzsystems käme wieder zum Erliegen, so wie schon nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. "Wahrscheinlich würde die US-Notenbank wieder einspringen", so de la Rubia.

"Doch auf jeden Fall dürfte es zu heftigen Turbulenzen kommen." Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Wer sich an die Zeit des Herbstes von 2008 erinnert, weiß, dass dann nicht weniger als eine Kernschmelze des Finanzsystems drohen könnte. Wieder mal.

Allerdings halten die meisten Experten eine solche Zuspitzung der Lage für ausgeschlossen. Sie gehen davon aus, dass die Kontrahenten doch noch zur Vernunft kommen. "Wir glauben weiterhin, dass es eine Einigung in letzter Minute geben wird", sagt Aneta Markowska von der Société Générale.

Geldgeber werden nervös

Dennoch wird die dramatische Situation der US-Finanzen auch dann nicht ohne Folgen bleiben. Denn die Nervosität bei vielen Investoren steigt, vor allem bei Chinas Regierung, die nach wie vor Haupt-Finanzier der USA ist. "Wir hoffen, dass die US-Regierung verantwortungsvolle Beschlüsse und Maßnahmen verabschiedet, die die Interessen der Investoren garantiert", so ein Sprecher des Außenministeriums am Donnerstag, halb fordernd, halb drohend.

In jedem Fall dürften die Investoren daher künftig vorsichtiger werden und höhere Zinsen verlangen. Ähnlich war es auch schon 1996, als es in den USA schon einmal kurzzeitig zu einem Ausgabestopp gekommen war. Auch damals stiegen die Renditen für US-Schuldtitel anschließend deutlich. Anleger sollten diese daher vorerst besser nicht anfassen.

Parallel dazu dürfte die amerikanische Währung weiter unter Druck kommen. Nicht einmal so sehr im Verhältnis zum Euro, denn die Euro-Zone kämpft ihrerseits mit Problemen. Vielmehr dürfte der Dollar gegenüber den Devisen der Schwellenländer weiter nachgeben, und auch die Anlagewährung Gold dürfte weiter zulegen. Investments in Schwellenländer und Gold dürften daher von der US-Krise profitieren.

Nur eines dürfte sich nicht verändern: Der unerschütterliche Glaube der Amerikaner an die wirtschaftliche Kraft ihres Landes. So hat die Rating-Agentur Moody’s angekündigt , die Bonität der USA im Falle eines Zahlungsausfalls von der Bestnote AAA auf die zweitbeste, AA, herabzustufen. Griechenland dagegen droht die schlechteste Note: D.