Dax-Talfahrt

Börsianer haben Angst vor langer Stagnation

Diese Woche hat der Dax fast zehn Prozent verloren. Nobelpreisträger James Mirrlees macht Politikversagen für den Börsenabsturz verantwortlich.

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Börsianer müssen den Preis für die politischen Fehlentwicklungen zahlen . In dieser Woche rauschten die Börsen abermals in die Tiefe. Der Deutsche Aktienindex (Dax), in dem sich die 30 wichtigsten deutschen Konzerne befinden, verlor in der Spitze zehn Prozent an Wert.

Bezeichnenderweise setzte die jüngste Verkaufswelle direkt im Anschluss an das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem französischen Amtskollegen Sarkozy am Dienstag ein. Diese hatten sich bei der Lösung der Euro-Schuldenkrise lediglich auf vage Ideen verständigt und es in den Augen der Börsianer an Klarheit und Transparenz mangeln lassen. So wird die Staatsschuldenkrise zunehmend als Konjunkturkiller wahrgenommen, denn es geht um das Vertrauen in die Politik und das System als Ganzes. „Die Schuldensucht der Staaten ruiniert das westliche System“, sagt beispielsweise der Wirtschaftsnobelpreisträger Eric Maskin.

Wenn die Politik jetzt nicht aufwache, würden die wirtschaftlichen Turbulenzen noch mehrere Jahre andauern. Ähnlich äußert sich Wirtschaftsnobelpreisträger James Mirrlees, der für seine Forschungen der politischen Ökonomie ausgezeichnet wurde. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die westliche Welt eine längere Stagnationsphase durchleidet, ist inzwischen sehr hoch.“

Schon jetzt deuten die Frühindikatoren auf eine deutliche Abschwächung der Weltkonjunktur hin. In dieser Woche waren Wirtschaftsdaten aus den USA und China enttäuschend ausgefallen. Beide Ökonomien sind für die deutsche Exportwirtschaft besonders wichtig. Der Dax geriet im Vergleich zu anderen Börsenindizes besonders unter die Räder.

Nach dem herben Einbruch notiert der Dax nun wieder auf dem Niveau vom April 1998. Börsianer haben mit deutschen Standardwerten also in den vergangenen 13 Jahren kein Geld verdient. Dafür mussten sie nicht weniger als sieben Crashs über sich ergehen lassen. Als Gradmesser für Politikversagen gelten auch Banken. Deren mit Schuldtiteln von EU-Staaten vollgestopfte Bilanzen provozieren Misstrauen. Die Institute leihen sich untereinander kaum noch Geld. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sorgt sich um die Stabilität des Finanzsystems.

Der Schaden durch den Börsencrash ist immens. Seit August wurden an den globalen Märkten umgerechnet 2,1 Billionen Euro vernichtet. Wenn die freien Märkte als Herzstück des kapitalistischen Systems nicht mehr richtig funktionieren, werden Unternehmen für gute Ideen nicht mehr belohnt – mit negativen Rückkopplungseffekten für das Wirtschaftswachstum.

Verbinden Sie sich mit unserem Morgenpost Online-Autor auf Twitter . Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick .