Geldpolitik

Schweiz - Höhenflug des Franken nicht zu bremsen

Der Franken war in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Euro im Aufwind, weil er als "sicherer Hafen" für Anleger in Krisenzeiten gilt. Doch das ist in der Schweiz gar nicht gewollt.

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Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat am Mittwoch vergeblich versucht, den Höhenflug des Franken zu bremsen. Die SNB gab bekannt, dass sie die Liquidität auf dem Schweizer-Franken-Geldmarkt nochmals deutlich erhöhen werde. Dazu würden die Giroguthaben der Banken bei der SNB von 120 Milliarden Franken auf 200 Milliarden Franken aufgestockt. Wenn nötig, werde man weitere Maßnahmen ergreifen, um gegen die Stärke des Franken vorzugehen, erklärte die SNB. Der Franken sei weiterhin „massiv überbewertet“.

An den Finanzmärkten überzeugten diese Maßnahmen aber nicht – der Franken legte weiter im Verhältnis zum Euro und zum Dollar zu. In London notierte der Euro 1,2 Prozent schwächer bei 1,13 Franken, der Dollar verlor 1,3 Prozent und wurde mit 0,7859 Franken gehandelt. An den Märkten war erwartet worden, dass die SNB den Franken fest an den Euro koppelt. Der starke Franken hat vor allem die Schweizer Exportwirtschaft getroffen. Experten erwarten deshalb einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Schweiz und ein niedrigeres Wirtschaftswachstum.

Die Notenbank greift bereits zum dritten Mal zu diesem Instrument, um den Franken nach unten zu drücken. Exportorientierte Schweizer Unternehmen leiden derzeit extrem unter der Stärke der heimischen Währung. Der Franken war in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Euro im Aufwind, weil er als „sicherer Hafen“ für Anleger in Krisenzeiten gilt.

Tatsächlich ist der Kurs des Franken in den vergangenen Tagen zu anderen wichtigen Währungen auch merklich gefallen. „Trotzdem bleibt der Schweizer Franken massiv überbewertet“, begründete die Notenbank die erneuten Maßnahmen.

Der starke Franken drückt auch auf das Preisgefüge in der Schweiz. In den grenznahen Regionen kaufen die Konsumenten lieber im Euroraum, obwohl dort auch der Schweizer Einzelhandel vereinzelt bereits seine Waren zum Eurokurs anbietet.

Der größte Einzelhändler der Schweiz, die Migros, senkt ab Montag die Preise von mehr als 500 Markenartikeln – als Reaktion auf den starken Franken. Erste Verhandlungen mit Lieferanten seien erfolgreich verlaufen, erklärte der Großverteiler. Die Nummer Zwei des Landes, Coop, hat sogar Waren aus den Regalen genommen, weil er sich mit den Lieferanten nicht auf Preissenkungen hat einigen können.