Devisen

Höhenflug des Schweizer Franken gestoppt

Gerüchte über eine Franken-Euro-Bindung drücken den Franken-Kurs. Angeblich strebt die Schweiz eine Untergrenze zwischen 1,10 bis 1,15 Franken je Euro an.

Foto: Infografik Welt Online

Der Schweizer Franken hat zu Wochenbeginn erneut an Wert verloren. Sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar verbilligte sich die Währung der Eidgenossen. Grund waren Meldungen, nach denen schon in dieser Woche über eine vorübergehende Anbindung des Franken an den Euro entschieden werden könnte.

Vieles deutet darauf hin, dass die Schweizerische Notenbank (SNB) in den kommenden Tagen eine Untergrenze für den Euro-Franken-Wechselkurs festlegen wird, den sie dann mit Hilfe von fortwährenden Verkäufen der eigenen Währung verteidigt. Am Devisenmarkt stellt man sich auf ein Kursziel zwischen 1,10 und 1,15 Franken je Euro ein. „Das erscheint uns eine realistische Größe“, sagt You-Na Parkt, Devisenexpertin der Commerzbank.

Zu Wochenbeginn gab der Franken den dritten Handelstag in Folge deutlich nach. Entsprechend stieg der Euro in den frühen Morgenstunden auf bis zu 1,1458 Franken. Im Handelsverlauf erholte sich der Franken dann wieder und pendelte um die 1,13 Franken. Das änderte allerdings nichts daran, dass die Schweizer Währung seit Donnerstag um mehr als zehn Rappen zugelegt hat.

In den Monaten zuvor war der Franken auf kaum für möglich gehaltene Höhen geklettert. Mussten die Schweizer Anfang April noch 1,30 Franken für einen Euro bezahlen, wurde auf dem Höhepunkt der Börsenturbulenzen fast die Parität erreicht. Die Schweizer Währung gilt allgemein als „sicherer Hafen“, in den sich Investoren flüchten, wie zuletzt beim Einbruch der Aktienkurse. Die Bewegung, dass Anleger für einen Euro immer weniger Franken hinlegen müssen, setzte bereits vor vier Jahren ein. Damals im Oktober 2007 lag der Wechselkurs bei 1,68 Franken je Euro – der Euro war also noch ein Drittel teurer.

Die Aufwertung bekommt vor allem die Wirtschaft des Landes zu spüren. Zum einen verteuert eine starke Währung die Exportgüter, was den Außenhandel belastet. Zum anderen nutzen viele Schweizer den starken Franken, um in grenznahen Gebieten einzukaufen. So erlebte der Einzelhandel im grenznahen Konstanz zuletzt deutliche Umsatzsprünge. Die Geschäfte auf Schweizer Seite blieben dagegen leer.

Bisherige Versuche der Schweizerischen Nationalbank , durch Käufe ausländischer Währungen den Höhenflug zu stoppen, scheiterten – spätestens nach einigen Monaten. So wie 2009, als die SNB die Marke von 1,50 Franken je Euro verteidigen wollte. Am Ende konnte sie die Marke nicht halten und blieb auf riesigen Währungsverlusten sitzen – was ihr viel Kritik von der Politik einbrachte.

Anfang August 2011, als das Wehklagen der Schweizer Unternehmen mit Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das zweite Quartal immer lauter wurde, setzten die Währungshüter ihren Leitzins quasi auf null und fluteten den Devisenmarkt mit Liquidität. Der Frankenaufschwung ging weiter. Schon in der Vorwoche kündigte die SNB aber auch an, dass sie „bei Bedarf weitere Massnahmen gegen die Frankenstärke ergreifen“ werde. In einem Zeitungsinterview wollte ein Direktoriumsmitglied eine vorübergehende Anbindung des Franken an den Euro nicht mehr ausschließen.

Dies wird nun als wahrscheinlichste Lösung gesehen. Kapitalverkehrskontrollen wie in den späten 70er-Jahren, als die Schweiz eine Steuer auf ausländische Einlagen bei Schweizer Banken erhob, werden von Experten als wenig aussichtsreich angesehen. Aus Sicht der Großbank Credit-Suisse spricht vor allem dagegen, dass auf Franken-Bestände im Ausland keine Steuer erhoben werden könnte. „Zudem wäre die Verwaltung der Kontrollen äußerst kompliziert“, schreiben die Währungsexperten.

Commerzbank hält 1,30 Franken je Euro für angemessen

Inwieweit die Europäische Zentralbank (EZB) die Kollegen der SNB bei den nun offenbar geplanten Interventionen in Form von Frankenverkäufen unterstützt, bleibt abzuwarten. Die Commerzbank hält langfristig ein Euro-Franken-Verhältnis von 1,30 Franken je Euro für angemessen.

Doch mit einer raschen Bewegung in diese Richtung rechnet sie nicht. „Wenn sich die Unsicherheit an den Kapitalmärkten weiter verstärkt, geht die Flucht in den Franken eher weiter“, sagt Währungsanalystin Park. Die Erwartungen an den Märkten bezüglich einer Intervention sind hoch. Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank warnt bereits: „Sollten sich dieses Berichte nicht bestätigen, würde sich die Abwärtsbewegung des Euro zum Franken sicher noch einmal fortsetzen.“

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