Börsen-Bericht

Anleger am Aktienmarkt hoffen auf Euro-Bonds

Der Dax ist den dritten Tag in Folge im Plus aus dem Handel gegangen. Die Aktien-Anleger setzen auf eine Entspannung in der Euro-Krise.

Durchatmen am deutschen Aktienmarkt: Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen ist der Dax wegen der Hoffnung auf eine Entspannung der europäischen Schuldenkrise zeitweise um 1,8 Prozent geklettert. Am Ende stand immerhin noch ein Plus von 0,4 Prozent auf 6022 Punkte, womit der deutsche Leitindex den dritten Handelstag in Folge zulegte.

Der EuroStoxx50 gewann 0,7 Prozent, die Wall Street lag zu Börsenschluss in Europa ebenfalls fester. „Die Sorgen, die zu dem Ausverkauf geführt haben, sind aber nicht verschwunden“, warnten die Analysten der Close Brothers Seydler Bank. Jede neue Entwicklung in der Schuldenkrise in Europa oder den USA könne schnell wieder zu neuen Verwerfungen führen.

Hoffnung machte den Anlegern zu Wochenbeginn vor allem die neu entfachte Diskussion um die Einführung von Euro-Bonds . „Für viele ist das der einzige Weg, um endlich einen Weg aus der europäischen Schuldenmisere zu finden“, sagte ein Händler. Die gemeinsame Ausgabe von Staatsausleihen in der Euro-Zone würden fast allen Partnern nützen, da sie dann niedrigere Zinsen auf ihre Staatsschulden zahlen müssten. Die Bundesregierung dämpfte allerdings die Erwartungen der Börsianer. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert wird das Thema Euro-Bonds beim deutsch-französischen Spitzentreffen am Dienstag nicht auf der Agenda stehen.

„Wir werden das Thema nicht ansprechen und haben auch keine Hinweise, dass die französische Seite dies vorhat.“ Der Weg über Euro-Bonds werde von der Bundesregierung nach wie vor als nicht zielführend angesehen. Diskutiert werden solle auf dem Treffen vielmehr, wie die Arbeitsmethoden und das Krisenmanagement in der Eurozone verbessert werden könnten.

Im Dax zogen vor allem Bankenwerte an. Händler machten dafür die Leerverkaufsverbote in einigen europäischen Ländern, aber auch eine technisch bedingte Erholung verantwortlich. Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank gewannen in der Spitze 4,2 beziehungsweise 3,4 Prozent.

In Paris legten die Kurse von Credit Agricole, Société Générale und BNP Paribas zwischen 0,8 und 3,3 Prozent zu. „Die Märkte – und vor allem die Bankenwerte – waren völlig überverkauft, schon allein aus dieser Sicht ist eine leichte Erholung überfällig“, sagte ein Händler. Die Finanzwerte zählten in der Vorwoche zu den größten Verlierern: Société Générale büßte elf, die Deutsche Bank neun Prozent ein. Auf Erholungskurs gingen auch E.on-Papiere, die in der vergangenen Woche im Sog enttäuschender Quartalszahlen um 14 Prozent abgesackt waren. Dazu trug Händlern zufolge auch bei, dass das Unternehmen Kreisen zufolge Teile von Ruhrgas verkaufen will.

E.on-Aktien legten gut drei Prozent zu. Seit Tagen wird darüber spekuliert, dass E.on-Chef Teyssen Teile der Geschäfte von Ruhrgas mit der in Düsseldorf ansässigen Tochter Energy Trading verschmelzen könnte, die ebenfalls mit Gas handelt.

An der Wall Street ließ ein Mega-Zukauf des Internetkonzerns Google die Sorgen über die Schuldenkrisen dies- und jenseits des Atlantiks in den Hintergrund treten. Google gab bekannt, den Handy-Hersteller Motorola Mobility für 12,5 Milliarden Euro zu übernehmen. Dessen Papiere schossen um 58 Prozent in die Höhe.

Googles Anteilsscheine gaben hingegen um 2,8 Prozent nach. „Google versucht offenbar seine Plattform wettbewerbsfähiger zu machen“, sagte Analyst Jari Honko von der Swedbank. „Sicher setzt Google vor allem auf die Patente, die Motorola hält.“ Die hochkochenden Übernahmefantasien trieben Nokia-Aktien um bis zu 14 Prozent nach oben.