Nach Kurssturz

Die Märkte müssen etwas "Faules" gerochen haben

Das Schlimmste an der Börse steht uns noch bevor. Nach einer kurzen Erholungsphase ist es viel wahrscheinlicher, dass die Kurse weiter fallen.

Foto: rh / dpa

Es war die ideale Zeit für Börsenbullen. Seit März 2009 stieg der S&P-500-Index von 666 Punkten auf ein Erholungshoch von 1370 Zählern am 2. Mai dieses Jahres. Auch andere Börsenindikatoren rund um die Welt hatten sich seit ihrem Tiefpunkt 2009 bis zu ihrem Hoch vor drei Monaten oft mehr als verdoppelt. In den letzen Wochen aber sind die Aktien um rund 20 Prozent gefallen. Dieser Kurseinbruch wirft zwei Fragen auf: Weshalb sind die Börsennotierungen kollabiert? Und ist dieser Sturz lediglich eine Korrektur während einer langfristigen Hausse oder ist dieser Crash der Vorgeschmack auf einen tückischen Bärenmarkt.

Seit 40 Jahren befasse ich mich mit Preisschwankungen an den verschiedenen Anlagemärkten und diese haben mich immer wieder fasziniert. Am Anfang langfristiger Aufwärtsbewegungen bei Aktien, Immobilien, Rohstoffen oder fest verzinslicher Papieren ist es oft so, dass die Anleger nicht verstehen, weshalb die Preise plötzlich stark anziehen.

Denn in dieser ersten Phase einer Hausse sind üblicherweise die Wirtschaftsverhältnisse für den jeweiligen Anlagebereich oder Wirtschaftssektor immer noch katastrophal. Das war sicher der Fall, als sich die Weltbörsen im März 2009 zu erholen begannen. Die Anleger verhielten sich bis vor kurzem höchst skeptisch gegenüber dieser Hausse. Aber seit Anfang dieses Jahres wurde von Analysten immer häufiger argumentiert, dass auf Grund einer starken Erholung der Unternehmungsgewinne und verglichen mit den niedrigen Renditen auf Staatsanleihen, Aktien sehr günstig bewertet wären und deshalb weiter an Wert zulegen würden.

Völlig unerwartet sind jetzt die meisten Aktien um mehr als 20 Prozent gefallen, und es herrscht unter den Anlegern geradezu eine Panikstimmung. Die Strategen erklären diese Börsenschwäche mit Staatsfinanzproblemen in Europa, dem amerikanischen Haushaltsdefizit und der Bonitätsabstufung der USA. Aber wenn man diese Gemengelage wirklich durchdenkt, so sollten diese Probleme für Aktien eher positive Impulse bringen und für Staatsanleihen – insbesondere US-Papiere – höchst negative Auswirkungen haben.

Das merkwürdige Ergebnis aber war, dass die Bonitätskürzung der USA zu rekordverdächtig niedrigen Renditen auf amerikanische Staatsanleihen führte und zu einem Börsensturz. Aufgrund dieses unlogischen und irrationalen Kursverhaltens kommt man zu der Annahme, dass es wahrscheinlich andere Gründe für den Crash auf Raten innerhalb einer so kurzen Zeitspanne gibt. Insbesondere war die Intensität des Verkaufsdrucks an allen Börsenplätzen so groß, dass die Märkte etwas wirklich „Faules“ gerochen haben mussten.

Ich gehe davon aus, dass Anleger langsam erkennen, dass die finanzpolitischen und geldpolitischen Eingriffe der verschiedenen Regierungen die Grundprobleme der Überschuldung in der westlichen Welt gar nicht beheben, sondern sie lediglich verschieben. Damit steht die nächste Wirtschaftskrise bereits vor der Tür. Auf jeden Fall ist es unwahrscheinlich, dass die Aktienbörsen ein neues Hoch in den nächsten sechs bis zwölf Monaten erreichen werden. Nach einer kurzen Erholungsphase ist es viel wahrscheinlicher, dass sie die Kurse weiter fallen.

Es könnte eine kollabierende Weltwirtschaft, enttäuschende Unternehmungsgewinne oder blutige Revolutionen im Mittleren Osten sein. Ich weiß es nicht, aber irgendetwas krankt an den Aktienmärkten. Anleger sollten sich derzeit auf dem Börsenparkett nur äußerst vorsichtig bewegen.

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