Aktien

Auch Dax-Chefs kostet Börsencrash Millionen

Die deutschen Konzernbosse sind vom Börsen-Absturz auf dem falschen Fuß erwischt worden. Sie verlieren Millionen mit eigenen Aktien.

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An der Börse sind wir alle gleich: der hoch bezahlte Top-Manager genauso wie der gemeine Kleinaktionär. Die jüngsten Börsenturbulenzen haben nicht nur die Depots der normalen Bundesbürger zerzaust, sondern auch in den Portfolios der deutschen Wirtschaftselite gewütet. Das zeigt eine Auswertung, bei der die „Morgenpost Online“ die Aktiengeschäfte der Chefs der 30 größten Börsengesellschaften untersucht hat.

Danach haben die Dax-Vorstände mit Käufen von Aktien des jeweils eigenen Unternehmens seit Anfang 2010 dicke Verluste gemacht. In der Summe verbrannten sie über vier Millionen Euro.

An der Spitze der Verlierer steht Jürgen Großmann. Der Chef des Essener Energieversorgers RWE hat im vergangenen Jahr RWE-Papiere im Wert von 5,4 Millionen Euro erworben. Nach dem Sturz des Versorger-Papiers ist das Aktienpaket heute gerade noch 2,5 Millionen Euro wert.

Macht ein Minus von knapp drei Millionen Euro. Noch schlechter sieht die Bilanz aus, verfolgt man Großmanns Dispositionen bis ins Jahr 2007 zurück. Dann sitzt der wuchtige Manager mit seinen RWE-Aktien auf Verlusten von rund zehn Millionen Euro.

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bewies kein glückliches Händchen. Im September 2009 wandelte er Bezugsrechte in Deutsche-Bank-Papiere um, die damals noch bei 33 Euro notierten. Nach den Wirren der vergangenen beiden Wochen steht die Aktie des deutschen Branchenprimus nur noch bei etwas über 30 Euro. Für Ackermann persönlich macht das ein Minus von einer guten halben Million Euro.

Zu den Börsenopfern zählen ferner Daimler-Lenker Dieter Zetsche, Metro-Chef Eckhard Cordes und der Commerzbanker Martin Blessing.

Solitär bei Aktieninvestments ist Adidas-Boss Herbert Hainer. Die Aktie des Sportartikelherstellers hat sich seit seinem Kauf im Mai vergangenen Jahres gut entwickelt. Hainer kann als einziger Dax-Chef auf Gewinne von insgesamt 27.011 Euro blicken.

Der Dax hat in den vergangenen beiden Wochen insgesamt 18 Prozent an Wert verloren und damit auch der deutschen Wirtschaftselite die Performance verdorben. Ohne dieses herbe Minus säßen die meisten Konzernlenker noch auf Gewinnen.

Firmenchefs müssen ihre Transaktionen der BaFin melden

Seit Juli 2002 müssen Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige ihre Transaktionen mit Aktien des eigenen Unternehmens bei der Börsenaufsicht BaFin melden. Seither kann jedermann die Transaktionen der Firmen-Insider nachverfolgen.

Nicht wenige Börsenprofis nutzen die Daten auch für die eigenen Anlageentscheidungen. Denn Vorstände, so die Annahme, haben den besten Einblick in ein Unternehmen, sie kaufen dann eigene Aktien, wenn sie optimistisch für die Geschäftsaussichten gestimmt sind und die Aktien des eigenen Unternehmens für unterbewertet halten.

Konzernbosse haben auch keine besseres Gespür für Märkte

Doch die Untersuchung der „Morgenpost Online“ legt nahe, dass die Firmenchefs möglicherweise auch kein besseres Gespür für die Börsentendenzen haben als normale Anleger. Nur die wenigsten haben im Vorfeld der jüngsten Turbulenzen ihre Aktien verkauft und damit Geld in Sicherheit gebracht.

Ein Grund mag sein, dass bei vielen Vorständen Aktien ein Teil der Gesamtvergütung sind. Dann sind die Lenker fast schon gezwungen, Aktien zu bestimmten Terminen zu erwerben. Andere wiederum kaufen nicht primär aus wirtschaftlichen Motiven – also um Gewinne zu machen –, sondern um ihr Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens zu bekunden.

In den vergangenen beiden Wochen haben die Top-Manager wieder verstärkt in Aktien ihrer eigenen Unternehmen investiert. Zu den größten Käufern hierzulande zählt Metro-Chef Eckhard Cordes, der in der vergangenen Woche sein Portfolio um 5000 Metro-Anteilsscheine aufstockte. Zukäufe gab es außerdem beim Pharmakonzern Merck und dem Bauriesen HeidelbergCement.