Zertifikate

Jetzt wieder einsteigen mit dem Discounter

Die Verluste der vergangenen Wochen machen einen Einstieg bei Discount-Zertifikaten attraktiv. Morgenpost Online stellt eine Auswahl vor.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Der Dax hat binnen weniger Tage rund 2000 Punkte oder knapp ein Drittel an Wert eingebüßt. Und wo Anleger noch vor kurzem angesichts der Stärke der deutschen Unternehmen über die Rückeroberung der 8000er-Marke sinnierten, steht jetzt die Angst vor einem erneuten Rückfall unter die 5000-Punkte-Marke im Fokus. Spiegelbild der extremen Verunsicherung der Investoren ist der Volatilitätsindex VDax. Er misst die kurzfristigen Schwankungserwartungen der professionellen Anleger am Terminmarkt und hat sich während der zehntägigen Börsentalfahrt mehr als verdoppelt.

Von unter 20 Punkten Ende Juli schoss das Angstbarometer im Dax in kürzester Zeit auf mehr als 50 Zähler in die Höhe. Bei einer Reihe von Einzelwerten sind die Volatilitätskennzahlen noch deutlich stärker gestiegen.

Anlegern, die nach dem dramatischen Börsenausverkauf inzwischen wieder nach Einstiegsgelegenheiten schauen, ermöglicht die Entwicklung der Volatilitätswerte interessante Optionen. Ein großes Augenmerk gilt dabei den Discountzertifikaten, da diese in besonderem Maße von starker Verunsicherung profitieren. Dies folgt aus der speziellen Konstruktion der Papiere, bei der hohe Volatilitätswerte indirekt genutzt werden, um Anlegern attraktive Konditionen zu bieten.

Vereinfacht ausgedrückt beinhaltet ein Discountzertifikat zwei Positionen: Zum einen die jeweilige Aktie, auf die sich das Zertifikat bezieht, zum anderen den Verkauf einer Optionsposition ("Call") auf die Kursgewinne dieser Aktie oberhalb einer Zielmarke. Reizvoll ist dies im aktuellen Umfeld deshalb, weil durch die hohe Volatilität ein besonders hoher Verkaufspreis für diese Optionen erzielt wird - was im Umkehrschluss dazu führt, dass der Namen gebende "Discount" umso höher ausfällt. Im Ergebnis können auch ohne reale Aktien-Kursgewinne bei Fälligkeit hohe Gewinne erzielt werden, selbst wenn die erwartete Erholung ausbleiben sollte.

Um diese bei Profis gern genutzte Strategie umzusetzen, müssen Anleger nicht selbst am Terminmarkt aktiv werden, ihnen wird die Nachbildung bei marktgängigen Discountpapieren abgenommen. Dabei gilt grundsätzlich, dass Discountinvestoren ab einer bestimmten Kursobergrenze ("Cap") auf darüber hinausgehende Kursgewinne verzichten. Im Gegenzug sichern sie sich beim Einkauf einen Preisabschlag gegenüber der Aktie, der derzeit wegen der hohen Volatilität meist besonders stark ausfällt.

Discount-Strategie am Beispiel der Allianz-Aktie

So wird beispielsweise bei HSBC Trinkaus ein bis August 2012 laufendes Discountpapier auf die Allianz derzeit mit einem fast 20 Prozent Abschlag auf den aktuellen Aktienkurs angeboten. Damit verbunden ist der Verzicht auf etwaige Kursgewinne oberhalb von 70 Euro. Auf dieser Höhe liegt der Cap des Papiers (WKN: TB6CQK), aus dem zugleich der maximale Rückzahlungsbetrag abgeleitet wird. Damit es zu einer Auszahlung in dieser Höhe kommt, muss die Aktie am Bewertungstag über 70 Euro notieren. Der Anleger würde dann den Maximalgewinn von knapp zehn Euro erzielen, was bezogen auf den Kapitaleinsatz etwa 16 Prozent Gewinn entspräche.

Diese hohe Gewinnspanne schmälert zugleich das "Störgefühl", das Aktienoptimisten angesichts der Cap-bedingten Gewinnbegrenzung beschleichen könnte. Denn um bei einem Direktkauf der Aktie einen ähnlich hohen Gewinn zu erzielen, müsste sie auf Jahressicht auf weit über 85 Euro steigen. Erst dort wird der sogenannte "Outperformance-Punkt" erreicht, ab dem der Ertrag aus der Direktanlage höher ausfällt als der erzielbare Zertifikat-Gewinn. Tatsächlich kann der reale Outperformance-Punkt etwas darunter liegen, da den Aktionären bis August 2012 aller Voraussicht nach auch noch eine Dividendenzahlung zufließen wird.

Achtung: Kursrisiko bei Discountern

Doch ungeachtet der Kurschancen trägt der Anleger mit den Discountpapieren grundsätzlich auch ein Kursrisiko. Denn sollte die Aktie am Ende unter 70 Euro notieren, so erfolgt statt der Maximalzahlung eine Rückerstattung entsprechend dem dann festgestellten Kurs der Aktie. Auch hier hilft dem Anleger der gewährte Discount. Denn anders als bei der Aktie beginnt seine Verlustzone erst bei einem weiteren Absturz der Allianz-Aktie bis unter 60 Euro.

Im Fall der HSBC-Papiere käme es dann statt einer Geldzahlung zu einer "physischen" Lieferung der Allianz-Aktie, deren gegebenenfalls erst später einsetzende Kurserholung den Anleger dann aber immer noch in die Gewinnzone bringen könnte. Hierbei gilt es aber genau hinzusehen, da nicht alle Emittenten im Verlustfall eine Aktienlieferung vorsehen. Oft erfolgt stattdessen auch eine Barzahlung in Höhe des Aktienkurses.

Fazit: Die derzeit angebotenen Konditionen machen Discounter insbesondere für jene Anleger interessant, die nach dem Kurssturz einen Wiedereinstieg oder Nachkauf bestimmter Aktien erwägen. Aufgrund der deutlichen Preisabschläge stellen sie sicher, dass sie "ihre" Aktien im schlimmsten Fall noch einmal deutlich billiger erworben haben, als sie jetzt normal kosten würde. Dabei muss der Anleger dann allerdings damit leben, dass seine Gewinnchance nach oben auch im Falle einer sehr starken Börsenerholung auf "nur" 15 oder 20 Prozent beschränkt bleiben wird.