Euro-Krise

Verkauf der Goldschätze birgt große Gefahren

Politiker wiederholen die Forderung nach dem Verkauf des Goldes verschuldeter Euroländer. Doch ein Goldverkauf senkt die Schulden kaum und ist gefährlich.

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Es war eine Beruhigungsmission, zu der der Generalinspekteur des US-Schatzamtes Mitte Juni vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses erscheinen musste.

Mitten im zu diesem Zeitpunkt noch andauernden Schuldenstreit zwischen Konservativen und Präsident Barack Obama hatten einige Abgeordnete das Gerücht gestreut, ein Teil der Goldreserven der USA sei schon an ausländische Schuldner verpfändet oder gar verkauft. Tatsächlich sei von den – 8133 Tonnen ausmachenden Goldreserven - „nicht eine Unze“ verkauft oder verpfändet, versicherte Generalinspekteur Eric Thorson.

In hoch verschuldeten Euroländern dagegen soll es so kommen – jedenfalls Vorschlägen deutscher Politiker zufolge. Anfang Mai schlugen Norbert Barthle, haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und sein SPD-Gegenpart Carsten Schneider vor, Portugal solle seine Goldreserven verkaufen.

Anfang dieser Woche mühten sich der Vize-Fraktionsvorsitzende der Union, Michael Fuchs, und der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler, das parlamentarische Sommerloch und die Löcher in den Finanzen Griechenlands oder Portugals, Spaniens oder Italiens mit Gold – genauer gesagt: mit seinem Verkauf oder seiner Verpfändung – zu stopfen.

„Ich halte den Verkauf von Gold durch die Schuldenstaaten sowie die Hinterlegung ihrer Goldreserven als Sicherheit bei der EZB für eine Notwendigkeit“, sagte etwa Schäffler der Financial Times Deutschland. Der Verkauf von Gold würde die aufgeregten Anleihemärkte beruhigen.

„Es wäre ein Signal, dass diese Länder es ernst meinen, weil sie auch auf ihre harten Reserven zurückgreifen.“ Tatsächlich aber sind die Goldreserven nirgends so groß, dass ein Verkauf die Schuldenkrise lösen würde; würde ein massenhafter Verkauf eine Panik nicht dämpfen, sondern anfeuern – und gehört das Gold gar nicht den Regierungen.

Griechenlands Zentralbank zum Beispiel hat Meldungen an den Internationalen Währungsfonds zufolge 111,5 Tonnen Gold gebunkert. Dieser Schatz ist nach den Anstieg des Goldpreises auf 1750 Dollar pro Feinunze 4,373 Mrd. Euro wert. Im Falle Spaniens entsprechen knapp 282 Tonnen Gold 11 Mrd. Euro; in Portugal haben 382,5 Tonnen einen Marktwert von 15 Mrd. Euro. Italien hat mit 2452 Tonnen nach den USA, Deutschland und dem IWF die höchsten Goldreserven überhaupt – ein Marktwert von knapp 97 Mrd. Euro.

Selbst wenn etwa Premier Giorgios Papandreou das gesamte griechische Gold verkaufen könnte, entsprächen knapp 4,4 Mrd. Euro nur gut einem Prozent der griechischen Staatsschulden von über 350 Mrd. Euro.

Im Fall Italien mit Schulden von über 1800 Mrd. Euro wären es gut fünf Prozent. Allerdings nur in der Theorie und im politischen Sommerloch: Denn die Spezialisten der großen Rating-Agenturen beziehen bei der Berechnung von Staatschulden und –guthaben „Goldreserven nicht mit ein“, sagt eine Sprecherin von Standard & Poor's.

Der Grund ist einfach: „Die Zentralbanken sind samt ihrer Guthaben und Reserven von den Regierungen unabhängig.“ Das musste in der Vergangenheit auch schon die Bundesregierung erfahren, die mehrmals dafür eintrat, die Bundesbank solle ihre erheblichen Goldreserven zum Wohl des Finanzministers verkaufen – bei den Frankfurter Währungshütern aber immer auf Granit biss.

Würden Zentralbanken den Markt mit Gold überschwemmen, würde sein Preis schnell fallen, statt wie jetzt bei steigenden Preisen die Bilanzen der Währungshüter zu verbessern. Kämen die Regierungen an das Gold ihrer Zentralbanken heran und könnten es verkaufen , „würde dies die Krise eher verschlimmern“, sagt Cinzia Alcidi, Autorin einer Studie über Gold und die Euro-Zone am Brüsseler Zentrum für Europäische Politik.

„Das Gold ist eine Reserve der Zentralbanken zur Sicherung der Stabilität der Währung und des Bankensystems.

Wer sein Gold verkauft, gibt damit ein Signal, dass ihm das Wasser bis zum Hals steht und er keine andere Lösung mehr hat. Ein Goldverkauf wäre ein Paniksignal, würde kaum Geld einbringen und die echten Probleme nicht lösen: Dass die Staaten weniger Geld ausgeben, notwendige wirtschaftliche Reformen durchführen und eine Strategie für wirtschaftliches Wachstum entwickeln.“

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