Einkommensteuer

Fiskus honoriert nun doch die Arbeitsecke

Einspruch einlegen! Wurden Kosten für ein Arbeitszimmer bei der Steuererklärung wegen anteiliger Privatnutzung abgelehnt, sollten Bürger sich jetzt wehren.

Der Streit übers Arbeitszimmer ist noch lange nicht ausgestanden. Die Richter am Bundesverfassungsgericht hatten in einem Gewaltspruch die in ihren Augen unbegründeten Regelungen darüber, wie Steuerzahler ihr Arbeitszimmer beim Fiskus anrechnen dürfen, vernichtet. Der Gesetzgeber musste folgen und – rückwirkend ab 2007 – die Latte für die Erstattung von Kosten niedriger hängen.

Jetzt geht es an den Feinschliff, und dafür sind wieder die Gerichte zuständig. Das Finanzgericht Köln hat eine Entscheidung gefällt (10 K 4126/09), von der Steuerzahler profitieren können, deren Arbeitszimmerkosten vom Fiskus abgelehnt wurden, weil sie den Raum, in dem sie arbeiten, auch privat nutzen. Denn das soll laut den Rheinländer Richtern nicht verhindern, Werbungskosten zumindest anteilig geltend machen zu können. Wer einen ablehnenden Steuerbescheid von seinem Finanzamt erhalten hat, sollte Einspruch einlegen. Und beim Finanzamt Ruhen des Verfahrens unter Hinweis auf die unter dem Aktenzeichen X R 32/11 anhängige Revision beantragen.

Jahrelang hatten Finanzbeamte früher die Kosten für ein heimisches Arbeitszimmer anerkannt, auch wenn es nicht den gesamten Berufsmittelpunkt bildete. Das änderte sich 2007, da strich der Fiskus diese Regelung plötzlich. Mitte vergangenen Jahres aber sprachen die Richter am Bundesverfassungsgericht ein Machtwort (Az.: 2 BvL 13/09). Und erklärten der Finanzverwaltung ziemlich genau, wann die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer anzuerkennen sind und wann nicht. Die Änderung in der Rechtsprechung wirkte sich positiv für all die Steuerzahler aus, die ihre Verfahren offengehalten hatten.

Der Gesetzgeber ist der Anordnung der Verfassungshüter nachgekommen und hat sie im Jahressteuergesetz 2010 umgesetzt. Seither gilt, dass Aufwendungen für ein Arbeitszimmer grundsätzlich nicht steuerlich absetzbar sind. Das Wörtchen "grundsätzlich" indiziert bei Juristen jedoch, dass es Ausnahmen gibt. Im Falle des Arbeitszimmers schweben davon zwei wichtige im Raum. Ausnahme eins: Kosten können immer dann von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Arbeitsplatz den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet - in voller Höhe.

Ausnahme zwei: Selbst wenn der Arbeitsplatz nicht im Job-Mittelpunkt steht, der Steuerpflichtige aber keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung hat, sind die Kosten anrechenbar. Jedoch nur bis zu 1250 Euro pro Jahr.

Die bisher geltenden Anforderungen an die räumliche Gestaltung des Arbeitszimmers hat das Finanzgericht Köln infrage gestellt. "Ein Abzug des häuslichen Arbeitszimmers setzt bisher voraus, dass der Raum nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird. Höchstens zehn Prozent private Mitnutzung sind unschädlich", heißt es beim Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Bei einem höheren Anteil entfällt der Werbungskostenabzug des Arbeitszimmers vollständig.

Vor allem wer ein Durchgangszimmer mit einem Bürotisch und Regalen ausgestattet hat oder ein Zimmer teilte, um eine Arbeitsecke einzurichten, fiel also bisher durch, wenn er die Kosten anrechnen lassen wollte. Das Durchqueren des Zimmers, um in Wohnzimmer oder Küche zu gelangen, wird laut NVL als schädliche private Nutzung angesehen.

Bisher galt alles oder nichts. Die Finanzrichter in Köln haben jetzt auch hier die anteilige Anrechung privater und beruflicher Kosten zugelassen. Laut Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) stützt sich das Kölner Finanzgericht für seine Entscheidung im Wesentlichen auf einen Beschluss des Großen Senats des Bundesfinanzhofs vom 21. September 2009. Damals hatten die obersten Finanzrichter das sogenannte Aufteilungsverbot gekippt.

Kosten, die sowohl beruflich als auch privat veranlasst sind - sogenannte gemischte Aufwendungen -, dürfen seither in größerem Umfang als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden. Die Entscheidung bezog sich auf gemischt beruflich und privat verursachte Reisekosten, und die Finanzverwaltung hat auch eine offizielle Richtung zu dem Schreiben herausgegeben (Bundessteuerblatt 2010 I S. 614). "Was für Reisekosten gilt, ist nach Auffassung des Finanzgerichts Köln auch beim häuslichen Arbeitszimmer anwendbar", sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des BDL.

Und Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine, sieht eine gute Chance, dass der Bundesfinanzhof im jetzt anstehenden Revisionsverfahren das Urteil des Finanzgerichts bestätigt. "Das Urteil sorgt für mehr Steuergerechtigkeit", sagt Rauhöft. Es beseitige Nachteile für viele Steuerpflichtige, deren Wohnung nicht besonders groß oder ungünstig geschnitten sei.

Bisher konnten sie Aufwendungen für Durchgangszimmer und geteilte Räume meist nicht als Werbungskosten absetzen, obwohl sie den Platz für ihre Arbeit benötigen. "Wer dagegen ausreichend Räume in seiner Wohnung oder seinem Haus hat oder sich sogar außerhalb einen zusätzlichen Raum anmieten konnte, musste auf den Abzug der Werbungskosten nicht verzichten."

Solange die gesetzliche Regelung zum Arbeitszimmer noch nicht gelebt ist, wird es weiter zu Streitigkeiten kommen. Steuerexperten erwarten beispielsweise Reibereien darüber, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt.