Börsen-Bericht

Angst um die USA drückt Dax unter 6800 Punkte

Schwache US-Daten machen Anleger nervös. Der italienische Aktienmarkt stürzt auf 27-Monats-Tief. Schweizer Franken klettert zum Euro auf Rekordhoch.

Aus Furcht vor einem Rückfall der USA in die Rezession haben sich Anleger aus den europäischen Aktienmärkten zurückgezogen. Anschluss-Verkäufe zur Verlust-Begrenzung beschleunigten die Talfahrt. Der Dax beendete den Xetra-Handel 2,3 Prozent im Minus bei 6796,75 Punkten und damit auf dem niedrigsten Stand seit März.

Der EuroStoxx50 gab 1,7 Prozent auf 2550,41 Zähler nach. Auch an der Wall Street standen die Zeichen auf Verkauf: Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte 0,8 Prozent schwächer. Noch deutlicher kamen die Kurse an der italienischen und der spanischen Börse ins Rutschen, weil Investoren erwarteten, dass diese beiden hoch verschuldeten Staaten besonders stark unter einer Abkühlung der Weltkonjunktur zu leiden hätten.

„Es sieht so aus, als ob die Anleger den Schulden-Deal in Washington vergessen haben und sich auf die Konjunkturdaten konzentrieren, die eindeutig schlechter als erwartet ausgefallen sind“, sagte Analyst Bill McNamara vom Brokerhaus Charles Stanley. Die US-Konsumausgaben waren im Juni um 0,2 Prozent zurückgegangen; Analysten hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Schon am Vortag hatten die Konjunkturindizes der Einkaufsmanager aus den USA und China eine Verlangsamung des weltweiten Wachstums signalisiert.

Die Erleichterung über die Einigung im US-Schuldenstreit verpuffte vollends. Ein deutscher Aktienhändler betonte, sie werde von Investoren als fauler Kompromiss gesehen. „An der hohen Verschuldung ändert sich vorläufig ja nichts, und außerdem hat der Streit der Welt die politische Zerrissenheit der USA vor Augen geführt.“ Börsianer gehen davon aus, dass die weltgrößte Volkswirtschaft ihre Top-Bonitätsnote verlieren wird, sollten sich die Parteien im US-Kongress nicht auf eine nachhaltige Sanierung des Haushaltes einigen.

Krisensitzung in Italien

Die Leitindizes der Aktienbörsen in Mailand und Madrid fielen zeitweise auf ihre tiefsten Stände seit 27 beziehungsweise 13 Monaten. Im Gegenzug kletterten die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Anleihen in der Spitze auf den höchsten Stand seit 1997. Auf der Suche nach sicheren Anlagen griffen Investoren zum Schweizer Franken und Bundesanleihen. Auch Gold stand hoch im Kurs: Das Edelmetall kletterte sowohl in Dollar als auch in Euro gerechnet auf Rekordhochs.

„Die jüngsten Kursverluste der italienischen und spanischen Papiere sind fundamental nicht gerechtfertigt“, betonte Renten-Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. „Aber die Stimmung ist sehr negativ.“ Investoren erhöhten daher ihre Wetten auf weiter fallende Kurse. Darüber hinaus wachsen bei Anlegern seit Wochen die Zweifel, ob das zweite Rettungspaket für Griechenland ein Übergreifen der Schuldenkrise auf weitere Staaten verhindern kann. Wegen der Kursturbulenzen berief Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti das nationale Finanzstabilitäts-Komitee zu einer Krisensitzung ein. Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero verschob seinen Urlaub.

Metro auf Talfahrt

Schlusslicht im Dax war Metro . Die Aktien rutschten um 7,5 Prozent auf 34,97 Euro ab, nachdem der Handelskonzern ein Fragezeichen hinter seine Gewinnziele für 2011 gesetzt hatte. Im Nebenwerte-Index MDax brachen die Titel von Wacker Chemie sogar um 10,5 Prozent auf 116,45 Euro ein. Das Quartalsergebnis des Spezialchemiekonzerns hatte unter den Markterwartungen gelegen. Einziger Kursgewinner im Dax war Fresenius mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 72,75 Euro. Der Gesundheitskonzern hatte nach einem unerwartet guten Halbjahresergebnis seine Gesamtjahresziele angehoben.