Börsen-Bericht

Konjunkturängste setzen Dax weiter unter Druck

Händler sehen in der Einigung im US-Schuldenstreit einen "faulen Kompromiss". Leitindex weiter mit Verlusten. Post und BMW widersetzen sich.

Befürchtungen über eine Abkühlung der Konjunktur rund um den Globus haben die Kurse am deutschen Aktienmarkt unter Druck gesetzt. Nach dem Ausverkauf vom Vorabend rutschte der Dax bis zum späten Vormittag um weitere 0,75 Prozent auf 6902 Punkte ab. Zeitweise notierte er mit 6862 Punkten so niedrig wie seit Ende März nicht mehr.

Dabei gab die Verabschiedung des Schuldenkompromiss durch das US-Repräsentantenhaus dem Markt nur wenig Halt. „Offenbar sehen einige darin einen faulen Kompromiss“, sagte ein Händler. „An der hohen Verschuldung ändert sich vorläufig ja nichts, und außerdem hat der Streit der Welt die politische Zerrissenheit der USA vor Augen geführt.“


Zudem trübt sich das konjunkturelle Bild in der weltgrößten Volkswirtschaft ein. „Die US-Volkswirtschaft gibt im Moment wenig Anlass zur Freude“, spielte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research auf die enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA an. Zugleich rückte die europäische Schuldenproblematik wieder stärker in den Vordergrund.

Am Rentenmarkt brachen die italienischen Anleihen ein, was die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen zeitweise auf den höchsten Stand seit 1997 trieb. Vertreter des italienischen Wirtschaftsministeriums, der Zentralbank und der Aufsichtsbehörden wollten Kreisen zufolge über die Marktturbulenzen beraten. In Mailand gab der Standardwerte-Index zeitweise 1,8 Prozent nach.

Die konjunkturellen Probleme dürften früher oder später auf die Unternehmen durchschlagen, warnte ein Händler. „Bei der derzeitigen Gemengelage sind die Erwartungen einfach viel zu hoch“, fügte ein anderer hinzu. So geriet im Dax vor allem Metro unter die Räder, nachdem der Handelskonzern nun auch noch seine Ergebnisprognose für 2011 nur noch mit spitzen Fingern anfassen will. Die Aktien notierten am späten Vormittag mit 36,64 Euro gut drei Prozent im Minus.

Post und BMW legen zu

Im MDax reagierten die Anleger mit einem Ausverkauf auf einen enttäuschenden Zwischenbericht des Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie. Die Aktien brachen um 9,7 Prozent auf 117,45 Euro ein. „Auf den ersten Blick ist das eine Enttäuschung“, erklärte ein Börsianer. „Die Gewinne lagen unter unseren Schätzungen.“ Der Spezialchemiekonzern hatte die Umsatzprognose der Analysten verfehlt und begründete dies unter anderem mit den hohen Rohstoffkosten.

Gegen den Trend stellten sich nur wenige Aktien: So fuhren die BMW-Titel mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 68,86 Euro an die Dax-Spitze. „Die Ergebniskennziffern waren durch die Bank besser als erwartet“, urteilte Marktanalyst Ruland. Der Gesundheitskonzern Fresenius übertraf laut Börsianern die Erwartungen, was den Aktienkurs um 1,5 Prozent in die Höhe trieb. Die Titel der Deutschen Post legten ein Prozent zu. Börsianer bescheinigten ihr, ein „starkes Ergebnis„ vorgelegt zu haben.