Finanzinvestoren

Heuschrecken warten noch auf Milliardendeals

Neue Studie zur Private-Equity: Zwar erholt sich der Markt für Firmenübernahmen rasant, doch milliardenschwere Transaktionen fehlen noch.

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Der deutsche Private-Equity-Markt ist erwacht. In den ersten Monaten des Jahres machten Finanzinvestoren mehr Geschäft als im gesamten Vorjahr. Das Transaktionsvolumen lag im ersten Halbjahr bei vier Milliarden Euro. 2010 wurden insgesamt lediglich Unternehmen im Wert von 3,4 Milliarden Euro gekauft.

Auch bei den Verkäufen ist ein klarer Aufschwung zu erkennen. Die Gesellschaften trennten sich bis Ende Juni von 43 Gesellschaften und erlösten dabei 8,8 Milliarden Euro nach 6,9 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2010. Dies geht aus einer Auswertung der Beratungsgesellschaft Ernst&Young hervor. „Die Talsohle scheint durchschritten“, so Studienautor Joachim Spill.

Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 waren Banken nicht mehr bereit, den Private-Equity-Gesellschaften Kredite zu geben. Zudem fanden die Gesellschaften keine Abnehmer mehr für ihre Beteiligungen im Portfolio. Beides hat sich nun geändert. Vor allem der so wichtige Ausstieg aus Unternehmen, der sogenannte Exit, gelingt wieder sehr viel leichter. Die Zahl hat sich im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2010 mehr als verdoppelt, der Transaktionswert lag im ersten Halbjahr 2011 sogar vier Mal so hoch. Dazu trugen auch vier geglückte Börsengänge bei – das ist der höchste Wert seit dem ersten Halbjahr 2007.

Neben dem verbesserten Börsenumfeld macht Spill die insgesamt verbesserte Wirtschaftslage für die Aufwärtsentwicklung verantwortlich. „Immer mehr Industrieunternehmen sind dank gut gefüllter Kassen wieder bereit und in der Lage, Konkurrenten aus dem Portfolio von Finanzunternehmen zu übernehmen und dafür akzeptable Preise zu bezahlen“, sagt er. Auf diese Weise wird bei den Private-Equity-Fonds wieder Geld für die eigenen Investoren und neue Investitionen frei.

Noch sind die Zahlen zum deutschen Private-Equity-Markt allerdings weit von den Werten vor der Finanzkrise entfernt. In den Jahren 2006 und 2007 überstieg das Volumen der Käufe durch Private-Equity-Gesellschaften zeitweise das der strategischen Investoren, sprich Wettbewerbern in einzelnen Branchen. Im ersten Halbjahr übertrafen die Ausgaben der Industrieunternehmen auf dem Übernahmemarkt die der Finanzinvestoren immer noch um das Fünffache. Insgesamt haben sich die Umfänge auf dem Übernahmemarkt vor allem in den ersten Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr ein wenig erhöht.

Dass die alten Private-Equity-Zeiten noch längst nicht zurück sind, zeigt sich auch an der Größe der Transaktionen. Zwar ist der Durchschnittswert der Geschäfte im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, doch Milliardendeals fehlen bislang völlig. Hier ist sogar ein Abwärtstrend zu beobachten: Im Krisenjahr 2009 gab es noch zwei Transaktionen im Wert von mehr als einer Milliarden Euro, 2010 war es eine, im ersten Halbjahr 2011 nun keine einzige mehr.

Schwellenländer versprechen höhere Renditen

Der Verkauf der Carbon-Black-Business GmbH von Evonik an den Finanzinvestor Rhône Capital führt die Rangliste mit einem Wert von 900 Millionen Euro an. Auf Platz zwei folgt der Kauf von Jack Wolfskin durch den US-Private-Equity-Riesen Blackstone. Geschätzter Wert: 700 Millionen Euro.

An der Situation wird sich laut Studie auch so schnell nichts ändern. Die Banken sind zwar wieder bereit, auch größere Deals zu finanzieren. „Es mangelt aber derzeit nicht an Kapital, sondern an attraktiven Kaufobjekten“, sagt Spill. Für viele Finanzinvestoren ist der europäische Markt nicht mehr verlockend genug. Die größeren Chancen, sprich Renditen, versprechen Unternehmen aus Schwellenländern. Dort liegt für viele Gesellschaften längst der Fokus.