Wahre Werte

Woran Sie ein wertvolles Überraschungsei erkennen

Figuren aus Überraschungseiern sind bei Sammlern beliebt. Doch nicht jede ist auch wertvoll: Die Figuren müssen mehrere Eigenschaften erfüllen.

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Etwas zum Naschen, etwas zum Spielen, eine Überraschung: Einem alten Fernseh-Werbespot zufolge sollte eine Mutter genau das ihrem quengelnden Kind mitbringen. Was sie dann brachte? Klar – ein Überraschungs-Ei natürlich. Besonders die Figuren lassen Kinderherzen höher schlagen. Teilweise sind sie auch zu wertvollen Sammlerstücken geworden – das Ü-Ei ist Kult. Ein „Kult-Produkt“ kann man aber nicht einfach so erfinden, meint Felix Theato, Marketing-Chef für den Bereich „Kinder“ beim Überraschungs-Ei-Hersteller Ferrero. „Zum Kult machen es immer erst die Menschen, denen das Produkt gefällt und die dieses Produkt kaufen“, so Theato. „Ich glaube, jeder hat seine eigene, besondere Beziehung zum Ü-Ei. Und an dieser Beziehung ist nicht nur der Kopf, sondern vor allem das Herz beteiligt.“

In ihr (Sammler-)Herz haben Tausende Menschen die Überraschungsei-Figuren geschlossen. Sie haben ganze Regalwände damit vollgestellt und sind bereit, für besonders seltene Exemplare Hunderte von Euro auf den Tisch zu blättern. Um ihrer Leidenschaft zu frönen, Figuren zu tauschen und zu verkaufen, organisieren sich die Sammler im Internet, besuchen Flohmärkte und spezielle Börsen – die größte von ihnen findet vier Mal jährlich im hessischen Dreieich statt. Die Liebe zu den Figuren geht quer durch alle Altersschichten. Raffinierte Sammler haben spezielle Schütteltechniken entwickelt, um schon im Laden zu erkennen, ob das Ei einen Hauptgewinn in Form einer Figur enthält – oder eine Niete, also Puzzle oder anderes Spielzeug zum Zusammenbauen.

Ob Pumuckl, Asterix, die Schlümpfe, Herr der Ringe oder Micky Maus: Es gibt kaum einen Comic- oder Kino-Helden, der nicht schon mal den Weg ins Schoko-Ei gefunden hat. Nur weil man eine Figur im Ü-Ei findet, ist sie aber noch nicht zwingend wertvoll. Das zeigt sich erst mit den Jahren. Zwar zahlen Sammler sogar für Figuren aus der aktuellen Schweine-Serie „Duell in der Küche“ schon drei bis fünf Euro – und damit ein Vielfaches des Kaufpreises für ein Ei, der je nach Geschäft bei 40 bis 90 Cent liegt.

Besonders wertvoll sind jedoch die frühen Serien aus den 70er- und 80er-Jahren, einfach deshalb, weil ältere Figuren über die Jahre verloren oder kaputt gegangen und damit seltener sind. 1975 fand beispielsweise der tapfere Gallier Asterix den Weg ins Ei, in einer Serie gemeinsam mit den Figuren Miraculix, Troubadix und Majestix. Letztere kommen auf Katalogwerte von rund 50 Euro, Asterix selbst ist die wertvollste Figur aus diesem Satz und kommt auf 180 Euro. Figuren aus der Schlumpfserie von 1983 können immerhin bis zu 150 Euro einbringen. In welchem Anlagesegment lassen sich schon Renditen von 15.000 bis 20.000 Prozent einfahren?

Ein Vielfaches dieser Preise – teilweise 1000 Euro und mehr – können Unikate einbringen. Dabei handelt es sich um Varianten von Serien-Figuren mit kleinen Fehlern. Da die kleinen Plastikfiguren handbemalt sind, kommt es schon mal vor, dass eine Kleinigkeit vergessen wurde. Hat die Pumuckl-Figur „Besserwisser“ keine Pupillen? Dann zahlen Sammler dafür 100 statt normalerweise um die 15 Euro. Trägt der Zwerg „Ferdi Fallobst“ rote Äpfel und ist aus dunklem Grundmaterial? Dann kann er um die 2500 Euro einbringen. Spitzenreiter ist aber der „Flötenschlumpf“ aus der 1983er-Schlumpfserie, allerdings mit gelber statt brauner Flöte: Bis zu 10.000 Euro legen Sammler dafür auf den Tisch.

Nicht immer bedeutet eine Farbvariante jedoch einen höheren Wert: Manche Figuren haben schlicht „Sonnenbrand“, weiß Denis Walecki, Betreiber des Internetportals Eierlei.de. Sie sind über die Jahre durch die UV-Strahlung ausgeblichen. Das mindert den Sammlerwert, genau wie Kratzer und andere Lackschäden, abgebrochene Teile oder fehlendes Zubehör. Der Eierlauf-Schlumpf aus der Serie „Schlumpf-Olympiade“ von 1984 bringt beispielsweise 850 Euro ein – aber nur, wenn das dazugehörige Mini-Ei dabei ist. Nur weil in einem Katalog ein bestimmter Preis genannt wird, heißt das auch noch nicht, dass er sich wirklich erzielen lässt. Schließlich muss man immer noch jemanden finden, der auch bereit ist, die geforderte Summe zu zahlen. Und das ist meist Verhandlungssache.

Die Fälscher mischen mit

Wo viel Geld im Spiel ist, werden aber auch Fälscher auf den Plan gerufen. Mehr als 100.000 Fälschungen schwirren auf dem Ü-Ei-Markt umher, heißt es bei Eierlei.de. Ob manipulierte Farben oder komplett gefälschte Serien: Es gibt nichts, was Betrüger den Sammlern nicht als Rarität unterzujubeln versuchen. Wer also nicht seine alten Überraschungs-Ei-Figuren zu Geld machen will, sondern selbst sammelt, muss aufpassen. Dabei hilft vor allem das Internet. Ob Eierlei.de, Eierkammer.de oder Ue-Ei-World.de: Hier tauschen sich Sammler aus und warnen vor neu auf den Markt gekommenen Fälschungen.

Übrigens sind für Liebhaber nicht nur die Figuren relevant. Auch der kleine Beipackzettel, der auf die entsprechende Serie hinweist, zu einem Gewinnspiel auffordert oder die Bauanleitung enthält, kann gefragt sein. Sogar die Kapseln haben eine eigene Fangemeinde. Sie sind gelb und irgendwie alle gleich, würden Laien denken. Doch weit gefehlt: Es gibt sie auch in Orange oder Grün, in Weiß oder durchsichtig, mit Steg oder ohne, mit flachem oder rundem Deckel. Besonders gefragt: die gelben Kapseln mit flachem Deckel und Steg aus dem Jahr 2004. Wertvoll ist eben, was selten ist.