Währungen

Euro-Krise macht den Schweizer Franken teurer

Der starke Franken macht den Schweizer Firmen zu schaffen. Doch die Anzeichen für eine Gegenbewegung der Schweizer Währung nehmen zu.

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Sich zu schämen, wird Ihnen schnell vergehen – bei all den Landsleuten, die wie Sie an den Kassen in Euro-Land stehen“, schrieb die Schweizer Zeitung „Blick“ dieser Tage. Wer mehr an sein eigenes Portemonnaie denke und weniger an die Schweizer Volkswirtschaft, der solle rüberfahren über die Grenze, so die Aufforderung der Zeitung. Der Züricher Ökonom David Iselin macht bei seinen Landsleuten längst tief greifende kulturelle Veränderungen aus: „Die samstägliche Fahrt in den Aldi ‚ennet' der Grenze hat den sonntäglichen Gang zur Kirche ersetzt.“

Auch am kommenden Wochenende werden die Zufahrtsstraßen, Parkplätze und Geschäfte auf deutscher Seite wieder bevölkert von Schweizern sein, die dank ihres starken Franken zu Schnäppchenpreisen in der Grenzregion einkaufen. Umgekehrt denken viele Deutsche mit Schrecken an den nur wenige Monate entfernten Skiurlaub in den Schweizer Bergen – oder haben ihn wegen der ausufernden Kosten bereits gestrichen.

Schon immer war vieles teurer in der Schweiz als in Deutschland, doch so groß war die Kluft selten. Anhaltspunkte für die unterschiedliche Kaufkraft der beiden Währungen liefert der Big-Mac-Index. Er ist deshalb auch bei Wirtschaftswissenschaftlern so beliebt, da die Bulettenbrötchen überall auf der Welt identisch sind – gleiche Zutaten, gleiche Herstellung. In Deutschland kostet das Brötchen aktuell im Durchschnitt laut Datenanbieter Bloomberg 3,45 Euro, in der Schweiz dagegen umgerechnet 5,70 Euro. Ein Unterschied von 65 Prozent. Im Sommer des Vorjahres lag die Differenz erst bei 45 Prozent, vor zwei Jahren sogar nur bei 25 Prozent.

Auf eine Abwertung des Schweizer Franken warten bislang alle vergeblich. Auch die Einigung der EU-Regierungschefs auf ein neues Rettungspaket für Griechenland vor einer Woche hat an der Frankenstärke nur kurzzeitig etwas geändert. Im gestrigen Handel musste ein Schweizer Anleger für einen Euro gerade noch etwas mehr als 1,14 Euro hinlegen, umgekehrt kostete ein Schweizer Franken 87 Cent. Schon laufen Wetten, wann die Parität erreicht ist – ein Euro einen Franken kostet. Die Masse der Anleger an den Terminmärkten setzt auf einen weiter steigenden Franken-Kurs.

So viel Einigkeit macht einige Kapitalmarktteilnehmer allerdings skeptisch. „Das spricht im Sinne der Kontraindikation für eine Gegenbewegung“, schreiben die Devisenexperten der Landesbank Hessen-Thüringen. Wer die Schweizer Währung in Hinblick auf drohende Untergangsszenarien kaufe, solle sich überlegen, ob er damit wirklich in einen sicheren Hafen investiert, heißt es.

Der Schweizer Franken gilt nicht erst in den vergangenen Monaten als Fluchtwährung – seine Kaufkraft ist im Grunde seit Jahrzehnten höher als die vieler anderer Währungen. Deshalb bereitet auch weniger die Aufwertung des Franken an sich, als vielmehr die Geschwindigkeit Ökonomen Sorgen. So rasant wie in den vergangenen Monaten war die Bewegung zuletzt Anfang der 90er-Jahre, als Spekulanten das Europäische Währungssystem attackierten.

Die Schweiz bezahlte dies mit fünf Jahren schwachen Wirtschaftswachstum. Auch jetzt geht wieder die Angst vor einer nachhaltigen Schwächung der Wirtschaftskraft jenes Landes um, das so sehr vom Außenhandel abhängt. „Der Druck auf die Schweizer Exportwirtschaft wird mit der jüngsten Aufwertung bedrohlich“, so Michael Rottmann, oberster Devisenstratege der italienischen Großbank UniCredit.

Schon in den vergangenen Tagen begründeten eine Reihe von Schweizer Unternehmen ihre eher enttäuschenden Geschäftszahlen mit der Frankenstärke. So minderte die starke Heimatwährung die im Ausland erzielten Erträge der Credit Suisse . Auch das Basler Pharma- und Biochemieunternehmen Lonza meldete einen Umsatz- und Gewinnrückgang. Bei konstanten Wechselkursen wären beide Kennzahlen gestiegen, versicherte das Unternehmen. Der Schweizer Aktienindex SMI gab seit Anfang Juni um fast zehn Prozent nach. Zum Vergleich: Der Dax hat sich seitdem kaum verändert.

Wie groß die Sorge bei unseren Nachbarn vor einem nachhaltigen Wirtschaftsabschwung ist, zeigt sich an den dort geführten Diskussionen. So gibt es die Idee, dass der Staat 100 Milliarden Franken zusätzlich an Schulden aufnimmt, um damit auf fremde Währungen zu spekulieren, also das eigene Geld zu schwächen. Auch über eine Koppelung des Franken an den Euro wird leidenschaftlich gestritten. Doch letztlich ist sich die Mehrheit einig: Zum jetzigen Zeitpunkt sind solche Schritte sinnlos.

Credit Suisse setzt auf eine Beruhigung der Euro-Krise

Das einfachste für die Schweizer wäre, die aufgekratzte Stimmung in der Euro-Zone würde sich legen. Dies könne den Schweizer Franken „relativ schnell und möglicherweise auch deutlich schwächen“, so die nicht ganz uneigennützige Erwartung der Credit Suisse.

Ein Bewertungsabschlag von gut zehn Prozent sei dann möglich. Auch bei UniCredit schließt man dies nicht aus. Privatanleger, die sich selbst nicht zum Lager der Euro-Pessimisten zählen, können eine mögliche Franken-Schwäche für sich nutzen. So bietet der Indexfondsanbieter ETF Securities ein Produkt, mit dem Anleger indirekt Schweizer Franken verkaufen und Euro kaufen ( Wertpapierkennnummer A1DFSB ).