Börsen-Bericht

Cocktail aus Angst und Enttäuschung an der Börse

Der deutsche Aktienmarkt ist im Minus aus dem Handel gegangen. Die Schuldenkrisen auf beiden Seiten des Atlantik machen Anleger nervös.

Enttäuschende Geschäftszahlen und zurückhaltende Ausblicke von Konzernen wie Siemens oder BASF haben Anleger zum Rückzug aus dem europäischen Aktienmarkt bewogen. Darüber hinaus schlug vielen das Hick-Hack um die Anhebung der US-Schuldengrenze auf die Stimmung.

Und auch die europäische Schuldenkrise gilt alles andere als ausgestanden. „Das ist ein Cocktail aus Angst, Enttäuschung und Gewinnmitnahmen“, sagte ein Händler. Positive US-Immobiliendaten sorgten am Nachmittag allerdings für leichte Entspannung.

Der Dax beendete den Xetra-Handel 0,9 Prozent im Minus bei 7190,06 Punkten, nachdem er zuvor zeitweise zwei Prozent im Minus gelegen. Der EuroStoxx50 rettete sich knapp ins Plus und schloss bei 2695,14 Zählern. An der Wall Street legte der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,6 Prozent zu. Grund für die dortigen Kursgewinne war der überraschende Anstieg der anstehenden Eigenheimverkäufe.

Selbst, wenn sich Demokraten und Republikaner in letzter Minute zusammenraufen und die drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden, ist die US-Schuldenkrise für viele Börsianer damit nicht bewältigt: „Es wird eine Einigung geben, das ist nicht das Problem“, betonte David Thebault, Chef-Händler des Brokerhauses Global Equities. „Das ganze ist aber ein Weckruf, denn wir beginnen nun, die Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft einzupreisen. Dies ist etwas, das vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen wäre.“

Auch diesseits des Atlantik ist das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit von Staaten geschrumpft . So musste Italien bei der knapp acht Milliarden schweren Emission von Staatspapieren Investoren mit höheren Zinsen locken. „Die höheren Renditen sind keine Überraschung, aber beruhigen auch nicht gerade“, sagte ein Händler. Die Gefahr vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf weitere Euro-Staaten sei noch nicht gebannt.

VW, BASF und Siemens rutschen ab

Trotz einer Gewinnverdoppelung fielen Volkswagen um 4,2 Prozent auf 138,05 Euro und BASF verloren ebenfalls 4,2 Prozent auf 63,09 Euro. Index-Schwergewicht Siemens notierte 1,1 Prozent tiefer bei 90,13 Euro. Alle drei hatten die Erwartungen des Marktes verfehlt. Analysten monierten außerdem die teilweise zurückhaltenden Ausblicke.

Weit oben auf den Verkaufslisten standen auch Lufthansa und Air France-KLM. Die deutsche Fluggesellschaft hatte Investoren auf Turbulenzen im zweiten Halbjahr eingestellt. Air France schockierte den Markt mit schlechter als erwartet ausgefallenen Quartalsergebnissen. Die Aktien der beiden Konkurrenten brachen um 2,8 beziehungsweise 8,1 Prozent ein. Auch die Muttergesellschaft des Erzrivalen British Airways, IAG, musste Federn lassen: Die Aktie verlor knapp ein Prozent.In der Zement-Branche drückte das schwache Ergebnis des Weltmarktführers Lafarge auf die Stimmung. Dessen Aktien rutschten um 5,1 Prozent ab.

HeidelbergCement, die ihre Zahlen für Freitag angekündigt hatten, verloren 3,5 Prozent. Konkurrent Holcim büßte 1,3 Prozent ein. Zu den wenigen Unternehmen, deren Zahlen honoriert wurden, gehörte Renault. Angesichts eines optimistischen Ausblicks gingen Investoren über den 20-prozentigen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr hinweg und machten die Aktie mit einem Plus von 4,5 Prozent auf 37,42 Euro zum Spitzenreiter im Pariser Auswahlindex CAC40.