Marktkapitalisierung

Apple bald wertvollstes Unternehmen der Welt

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Michael Höfling

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Die Apple-Aktie steht erstmals kurz oberhalb von 400 Dollar. Analysten erwarten, dass Apple bald Exxon als wertvollsten börsennotierten Konzern ablöst.

An der Börse, heißt es, wird zum Einstieg nicht geklingelt. Das war zwar auch Ende 2008 nicht anders. Damals aber gab es einen besonders guten Grund, sich schnell noch ein paar ausgewählte Qualitätsaktien ins Depot zu legen – und sie auch möglichst lange zu halten.

Denn wenige Tage später trat hierzulande die Abgeltungsteuer in Kraft, die Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer der Papiere der Steuerpflicht unterwarf. Der große Wurf gelang all jenen, die damals für 62 Euro die Aktie des Technologiekonzerns Apple in ihr „Zukunftsportfolio“ wählten: Heute notiert das Papier vier Mal so hoch, und zumindest die Analysten sehen, trotz Gewinnmitnahmen am Mittwoch, noch längst kein Ende des Kursrauschs.

Genau diese Tatsache ist es, die langsam aber sicher einen epochalen Machtwechsel im Universum der weltweit börsennotierten in den Fokus rückt. Denn wenn der fulminante Kursanstieg der Aktie in diesem Tempo weitergeht, ist es nurmehr eine Frage der Zeit, wann die seit Dezember 1980 börsennotierte Kultfirma das wertvollste Unternehmen der Welt sein wird. Noch hält diese Position der US-amerikanische Ölkonzern Exxon mit einer Marktkapitalisierung von rund 415 Mrd. Dollar. Apple, dessen Börsenwert allein im laufenden Jahr bereits um 25 Prozent zugelegt hat, kommt auf fast 374 Mrd. Dollar.

Auslöser für den jüngsten Kursanstieg, der die Aktie erstmals in der Unternehmensgeschichte kurzzeitig über die Marke von 400 Dollar hievte, waren die exzellenten Quartalszahlen, die Apple zuletzt veröffentlichte. Den Umsatz um 82 Prozent gesteigert, das Nettoergebnis gar um 125 Prozent auf 7,3 Mrd. Dollar – die Konsens-Schätzungen der Analysten hatten deutlich tiefer gelegen. Selbst die pessimistischeren der dann angepassten Kursziele brächten Apple auf Tuchfühlung mit dem Energieriesen Exxon. Behielte hingegen Brian White vom Analysehaus Ticonderoga Recht, der Apple einen Kurs von 666 Dollar zubilligt, lägen selbst Exxon und Google gemeinsam mit ihrem Börsenwert nur noch wenige Mrd. Dollar vor Apple.

Dabei hebt sich die Firma mit ihrer Börsengeschichte von anderen großen High-Tech-Konzernen ab, die mehr oder weniger auf den großen Wellenbewegungen der Märkte mitschwammen. Vom New-Economy-Hype, der die Ciscos und Oracles dieser Welt bis Ende der Neunziger in schwindelnde Kurshöhen beförderte, profitierte Apple nur unterproportional. Die einzigen Aktiensplits der Firma, in den Neunzigern bei Technologiekonzernen fast an der Tagesordnung, datieren von Ende 2000 und Anfang 2005.

Zu lange war die Aktie nach Jahren unentschiedener Strategien und glücklosen Produktmanagements herumgedümpelt, die Firma stand am Scheideweg. Da kam der viele Jahre zuvor im Streit aus dem Unternehmen geschiedene Firmengründer Steve Jobs wieder an Bord seines „Babys“ – und räumte auf. Mit den bunten, für den Massenmarkt konstruierten iMacs erregte Apple 1998 erstmals wieder größeres Aufsehen. Es folgten die daran angelehnten farbigen iBooks und der Musikplayer iPod. Mit der dafür erschaffenen MP3-Plattform iTunes begann dann 2002 auch der ultimative Höhenflug an der Börse. Zu diesem Zeitpunkt hatte die geplatzte Technologie-Bubble den Börsenwert vieler anderer großer High-Tech-Konzerne längst weitgehend pulverisiert.

Und Steve Jobs bewies weiter seinen einzigartigen Riecher für das richtige Produkt zur richtigen Zeit. Das iPhone begründete den Massenmarkt der Smartphones mit, und mit dem iPad dominiert Apple auch das Geschäft mit den zukunftsträchtigen Tablet-PCs. Die grandiosen Zuwachsraten besonders beim Gewinn verdankt das Unternehmen vor allem dem Kultstatus der Produkte mit dem Apfel-Logo. Der Run auf iPhone und Co ist so massiv, dass Apple mit seinen Geräten Gewinnmargen von im Schnitt 33 Prozent erwirtschaftet.

Ob Apple diese Zahlen künftig wird bestätigen können? Bei aller Euphorie ist zu beobachten, dass die erste Reaktion des Marktes auf die Zahlen vergangene Woche verhaltener war, als die hinweggefegten Schätzungen am Markt hätten erwarten lassen können. Schon in den Monaten zuvor hatte sich gezeigt, dass die Bewertung, die Apple für seine grandiose Marktposition zugestanden wird, rückläufig war. Wer das als Indikator für fallende Kurse sieht, sollte ein Produkt in Betracht ziehen, das gar nicht von Apple ist: Den iPut. (Mit Put bezeichnen Börsianer eine Aktien-Option, mit der auf fallende Kurse spekuliert wird.)