Milliardenschaden

Jeder Fünfte würde seine Versicherung betrügen

Versicherungsbetrug kostet die Assekuranz rund vier Milliarden Euro im Jahr. Mit einer "Schwarzen Liste" wird die Jagd auf Abzocker verschärft.

Foto: Infografik Welt Online

Die Assekuranz hat Versicherungsbetrügern den Krieg angesagt. Wer wissentlich falsche Angaben zu einem Schaden macht , der soll nicht mehr einfach so davonkommen. Im Gegensatz zu den nahezu unkalkulierbaren Risiken bei der Investition ihres Kapitals – in Zeiten von Staatspleiten und Währungskrisen – ist das Risiko, das von Versicherungsbetrügern ausgeht für die Branche ganz gut greifbar.

„Gerade die kleineren Betrügereien sind in der Summe ein großes Problem für die Versichertengemeinschaft“, sagt denn auch Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Die Last für die Branche ist nicht von der Hand zu weisen: Allein bei den deutschen Schadens- und Unfallversicherern häufen sich jährlich Schäden in Höhe von rund vier Milliarden Euro. Thomas Leicht, Kriminalitätsbekämpfungsexperte des GDV, schätzt, dass rund zehn Prozent des gesamten Schadensaufkommens von 42 Milliarden Euro nur fingiert sind.

Und die Branche steht vor einem Problem: Viele Bundesbürger halten Versicherungsbetrug ebenso wie Steuerhinterziehung oder Schwarzfahren nicht für verwerflich. Jeder Fünfte hält die falsche Schadensanzeige beim Versicherer für ein Kavaliersdelikt, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Assekuranz. Vier Prozent der Befragten räumten sogar ein, in den vergangenen fünf Jahren selbst einmal die Versicherung betrogen zu haben.

Die Grauzone, davon geht die Versicherungswirtschaft aus, ist erheblich. Zehn Prozent mehr Kunden als noch vor zehn Jahren halten die private Haftpflicht für ein geeignetes Ziel für Betrügereien. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Betrugsversuch vom Versicherer ertappt zu werden, heute deutlich höher als früher. Null Toleranz, Prävention sind angesagt.

Die wohl schärfste Waffe der Assekuranz gegen Betrügereien ihrer Kunden ist ihre Schwarze Liste. Über das Hinweis- und Informationssystem HIS tauschen sich Versicherer über Risiken ihrer Kunden aus – darunter fallen auch Schadenmeldungen. Doch über die Datenbank mit stattlichen neun Milliarden Einträgen schützt die Branche sich und ihr Versichertenkollektiv keinesfalls ausschließlich vor Betrug. Es geht im Allgemeinen darum, Risiken abzuwägen.

Eine seit jeher große Bedeutung hat der Info-Pool HIS für die Rechtsschutz- und die Haftpflichtsparte: Streithähne und die Haftpflicht in besonderem Maße belastende Grobmotoriker treten durch die HIS-Liste deutlich zu Tage.

Aber auch Kunden, die wegen Vorerkrankungen oder weil sie einen gefährlichen Beruf ausüben ungünstige versicherungstechnische Risiken mitbringen, werden dort notiert. Wer mit Vermerk auf der Schwarze Liste auf der Suche nach einer Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung ist, muss damit rechnen, vom Versicherer abgelehnt zu werden oder die Police nur zu verschärften Konditionen zu bekommen.

Der Infopool der Assekuranz gilt als intransparent und nicht nachvollziehbar für Kunden. Nach einer ersten Reform im Jahre 2009 musste die Versicherungswirtschaft ihr Sammelwerk zum 1. April dieses Jahres erneut umbauen. Das HIS, das wie die Schufa, Creditreform oder auch Bürgel als Auskunftei im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes gilt, unterliegt gesetzlichen Regeln, denen sich nun auch die Versicherungswirtschaft unterwerfen muss.

Drei einschneidende Änderungen gelten seither für Versicherungskunden. Zum einen ist das Sammelwerk nun außerhalb des GDV-Dachs angesiedelt: Verantwortliche Info-Sammel-Stelle der Assekuranz ist die Informa Insurance Risk and Fraud Prevention, ein selbständiges Unternehmen.

Zweiter wichtiger Punkt für Verbraucher: Im Gegensatz zu früher werden vollständige Namen abgespeichert. So verringert sich zwar das Risiko, das Meldungen falschen Personen zugeordnet werden, doch erleichtert das den Versicherern auch ungemein den Abgleich eines Kunden mit der Liste.

Für den Versicherungskunden von weitreichender Bedeutung ist, dass er nun ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Selbstauskunft hat und Beschwerde gegen falsche Informationen einlegen kann. Gibt ein Versicherer Informationen über einen Kunden weiter, muss er ihn darüber informieren.

Wer erfahren möchte, was die Assekuranz über ihn weiß, kann es einmal im Jahr kostenfrei ergründen. Die Anfrage ist an den HIS-Betreiber zu richten:
Informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH , Abteilung Datenschutz, Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden