Börsen-Bericht

Hängepartie im US-Schuldenstreit belastet den Dax

Eine Zahlungsunfähigkeit der USA will sich an der Börse keiner ausmalen. Vor allem Banken-Titel leiden europaweit unter der Schuldenkrise.

Nach der Einigung auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland rückt am deutschen Aktienmarkt nun das nächste Schuldendrama in den Fokus. In den USA ringen Demokraten und Republikaner weiter um eine Anhebung der Schuldenobergrenze. Sollte bis zum 2. August keine Lösung gefunden werden, droht der größten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit . „Das ist ein Szenario, das sich am Markt keiner wirklich ausmalen will“, sagte ein Börsianer.

Der Dax rutschte zeitweise 0,9 Prozent ins Minus – am Mittag notierte er noch 0,1 Prozent schwächer bei 7319 Zählern. Zu spüren war die Nervosität auch am Goldmarkt: Der Preis für das Edelmetall kletterte um bis zu 1,5 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 1622,49 Dollar je Feinunze. „Bis klar ist, was passiert, werden die Investoren weiter in den sicheren Hafen Gold gehen“, sagte Natalie Robertson, Rohstoff-Analystin bei ANZ.

Besonders schwer taten sich zum Wochenauftakt die Finanzwerte, die nach Aussage von Händlern sowohl auf die sich zuspitzende Schuldenkrise in den USA wie auch auf eine erneute Herunterstufung der Bonität Griechenlands reagierten. Das Land wird nun mit der Note „Ca“ bewertet und damit drei Stufen schlechter als zuvor mit „Caa1“.

Der europäische Sektorindex verlor 1,8 Prozent. Vor allem italienische Banken standen auf den Verkaufslisten – UniCredit rutschten um drei Prozent ab, Intesa Sanpaolo verloren fünf Prozent. „Hier werden nach der Rally der vergangenen Woche Gewinne mitgenommen“, sagte ein Händler in Mailand. Die beiden Titel hatten in den vergangenen fünf Handelstagen zehn beziehungsweise acht Prozent gewonnen. Im Dax zählten die Commerzbank mit einem Minus von drei Prozent und Deutsche Bank mit einem Abschlag von 0,9 Prozent zu den größten Verlierern.

Zulegen konnten dagegen die Aktien von BMW, die sich um 1,2 Prozent verteuerten. Die Analysten von JP Morgan erhöhten das Kursziel für die mit „Neutral“ bewerteten Aktien auf 94 von 88 Euro.

Im MDax griffen die Anleger vor allem bei Leoni zu – die Aktien gewannen mehr als vier Prozent auf 41,80 Euro. Der Zulieferer hat angesichts der brummenden Autokonjunktur seine Umsatz- und Ergebnisprognose nach oben geschraubt. „Das Unternehmen hebt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Ziele an, das sorgt für Kauflaune“, sagte ein Händler.

Die Papiere des Autozulieferers Continental notierten nach einer Kurszielerhöhung durch JP Morgan im MDax 1,3 Prozent fester. ElringKlinger gewannen 0,3 Prozent.

Im TecDax notierten Dialog Semiconductor in der Favoritengruppe. Mit einem Plus von bis zu 3,6 Prozent auf 14,55 Euro waren die Aktien des Chipentwicklers so teuer wie seit Ende Mai nicht mehr. Das Unternehmen profitiert weiter von dem anhaltenden Nachfrageboom bei Smartphones und Musikspielern und verbuchte im zweiten Quartal einen deutlichen Umsatzsprung.