Policen

Auto-Versicherungen werden deutlich teurer

Versicherer wollen Preise drastisch erhöhen und erschweren gleichzeitig Vergleiche, indem sie sich bei Internetportalen einkaufen.

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Die Autoversicherer verkünden es mit einem gewissen Glücksgefühl, für ihre Kunden ist es jedoch eher bedrohlich: „In der Kraftfahrtversicherung ist nach sieben Jahren die Trendwende vollzogen“, gab der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in der vergangenen Woche bekannt. Die Ära der Tiefstpreise bei Auto-Policen sei zu Ende. Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres habe es vergleichsweise starke Beitragssteigerungen gegeben. Mit durchschnittlich 3,4 Prozent höheren Prämien rechnen die Versicherer daher für das gesamte Jahr 2011.

Andere sehen das zwar weniger dramatisch. Ivana Höltring, Geschäftsführerin von Nafi, einer auf Kfz-Versicherer spezialisierten Unternehmensberatung , geht bis auf einzelne Ausnahmen von einem „eher moderaten“ Prämienanstieg aus. Dennoch könnte dies der Beginn der von den Unternehmen beschworenen Trendwende sein. Denn selbst bei deutlichen Beitragssteigerungen kämen die tief in den Miesen steckenden Kfz-Versicherer nicht in die Gewinnzone. Die Branche bleibt ein Zuschussgeschäft, und das kann nicht ewig anhalten. Alles spricht für mittelfristig deutlich steigende Prämien. Versicherte müssen daher jetzt umso genauer hinsehen.

Vor allem die beiden Großen, Allianz und HUK-Coburg, gönnen sich seit sieben Jahren kaum eine Atempause im Tarifkrieg der Autoversicherer. Aktuell haben die Coburger die Nase vorn: Die meisten deutschen Wagen fahren unter ihrem gold-gelben Wappen. Doch diese Erfolge sind teuer erkauft. Der GDV erwartet in diesem Jahr einen versicherungstechnischen Verlust von 1,1 Mrd. Euro für die Sparte. Die Schaden-Kosten-Quote prognostizieren die Aktuare auf 113 Prozent. Das bedeutet: Wer sein Auto für 400 Euro im Jahr versichert hat, dem schießt die Assekuranz 52 Euro zu, um die Kosten des Tarifs zu decken.

Die Versicherten sollten ihre Freude darüber aber zügeln. Denn aus reiner Menschlichkeit unterstützen die Versicherer ihre Kunden nicht. Zum einen geben die Zahlen den Branchendurchschnitt wider. Einzelne Anbieter verdienen mit ihrer Kfz-Sparte durchaus Geld. Und selbst für den, der rote Zahlen mit Auto-Policen schreibt, kann sich das Geschäft rechnen: Versicherungskunden sind Menschen, und Menschen sind bequem. Wer nicht allzu schlechte Erfahrungen mit seinem Autoversicherer macht, der überlegt auch, weitere Policen bei ihm abzuschließen, die aus Sicht des Versicherers attraktiver sind. Genau hinschauen heißt daher die Devise.

Zunächst gilt dies für den Preis. Ein Weg, Preise zu vergleichen, sind Online-Vergleichsportale . Doch auch hier ist die Welt komplizierter geworden. Denn einzelne Anbieter, allen voran die HUK, haben sich aus etablierten Portalen zurückgezogen und unlängst ihren langgehegten Plan, selbst ein Online-Vergleichsportal zu kaufen, in die Tat umgesetzt.

Zusammen mit HDI Direkt und WGV kaufte sich der Versicherer bei Aspect Online ein. Alle diese Anbieter erscheinen jetzt Zug um Zug nicht mehr bei den anderen Portalen. Dem potenziellen Kunden bleibt damit nur noch eines: In den Datenbanken mehrerer Vergleichsportale nach den günstigen Prämien zu schauen und sich so ein möglichst umfassendes Bild zu verschaffen.

Vergleich wird schwieriger

Dabei sollte er aber auch ein weiteres Angebot nutzen. Denn Vergleichsportale enthalten oftmals auch Erfahrungsberichte von Kunden, die – über den Preis hinaus – die Policen und das Geschäftsgebaren des Versicherers bewerten. Solche Einschätzungen sollten zwar teilweise mit Vorsicht genossen werden, sie bieten aber eine gute Ergänzung. Denn auf keinen Fall sollte man einfach nur dem „guten Namen“ eines Versicherers vertrauen und direkt in dessen Angeboten nach einem möglichst günstigen Tarif wühlen.

Schließlich sollte bei den Bedingungen und Tarifergänzungen zur Police genau hingeschaut werden. Denn der Preis ist nicht alles. Ebenso wichtig ist, dass der Tarif auf das eigene Fahrverhalten und die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist. Empfehlenswert für jeden ist beispielsweise eine sogenannte erweiterte Deckung. Wer einen Unfall verursacht, sieht sich mitunter mit Schadenersatzforderungen konfrontiert, die über die gesetzlichen Mindestdeckungssummen hinausgehen.

Die Deckungssumme ist der Betrag, bis zu dem der Versicherer Kosten von Personen-, Sach- und Vermögensschäden übernimmt. „Kunden sollten bei der Kfz-Haftpflichtversicherung immer eine Deckung von mindestens 100 Mio. Euro pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden wählen – die Mehrkosten gegenüber der gesetzlichen Deckung sind marginal, und man ist im Schadensfall auf der sicheren Seite“, sagt daher Daniel Friedheim vom Vergleichsportal Check24 .

Unterschiedliche Nutzung

Ebenso wichtig ist es zu berücksichtigen, wie und auch wo der Kunde sein Auto nutzt. So ist beispielsweise eine Einbeziehung eines erweiterten Wildschadens, der auch Folgen von Zusammenstößen mit Schafen, Rindern, Ziegen oder Pferden abdeckt, nur für denjenigen interessant, der oft in sehr ländlichen Gegenden unterwegs ist. In der „normalen“ Kaskoversicherung sind ohnehin Schäden versichert, die durch den Zusammenstoß mit Haarwild entstehen, also beispielsweise durch das Anfahren von Rehen oder Wildschweinen.

Wer dagegen in einer Gegend wohnt, in der Marder ihr Unheil an Autokabeln und -schläuchen treiben, der sollte darauf achten, dass die Police nicht nur den direkten Schaden, also das kaputte Kabel, sondern auch den Folgeschaden, also im Extremfall den Verlust des Autos durch Totalschaden, abdeckt.

Für Fahrer von Neuwagen kann sich auch eine Neuwertentschädigung lohnen. „Schon kurz nach dem Kauf hat ein Neuwagen mindestens 20 Prozent seines Wertes verloren“, sagt Friedheim. Bei einem Unfall mit Totalschaden ist das ärgerlich, denn der Eigentümer erhält nur Schadenersatz in Höhe des Marktwerts und damit zu wenig, um sich wieder ein neues Auto zu kaufen. Friedheim: „Verträge mit einer Neuwertklausel garantieren, dass der Versicherte bei einem Totalschaden den Neuwert des Wagens erstattet bekommt.“